Asthma Kaltluftkammer Belastungstest

Prof. Dr. med. Stefan Zielen, Leiter Allergologie, Pneumologie und Mukoviszidose der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitäts-Klinikum Frankfurt der Goethe Universität

Asthma: Kaltluftkammer für Belastungstests bei kindlichem Asthma

Dank Spendengelder privater Stifter gibt es seit kurzem in Frankfurt eine Kaltluftkammer. Die Kaltluftkammer ermöglicht Belastungstests bei kindlichem Asthma und damit eine exaktere Diagnose. Wie der Test in der Kaltluftkammer erfolgt, welche Erkenntnisse er bringt und wie dies das Leben von Kindern mit Asthma erleichtern kann, erfuhr MeinAllergiePortal von Prof. Dr. med. Stefan Zielen, Leiter Allergologie, Pneumologie und Mukoviszidose der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitäts-Klinikum Frankfurt der Goethe Universität.

Herr Prof. Zielen, Sie betreiben in Ihrer Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Frankfurt die erste Kaltluftkammer für Belastungstestes bei kindlichem Asthma in Deutschland. Wozu dient diese Kaltluftkammer?

Die Kaltluftkammer ermöglicht standardisierte Bedingungen: In der Kaltluftkammer ist die Luft trocken und  4° Celsius kühl. Die Laufbelastung kann somit immer unter den gleichen Bedingungen wiederholt werden.

Dass es ein sehr großer Unterschied ist, bei welcher Temperatur die Belastung stattfindet, zeigt ein Versuch, der im The New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde. Untersucht wurde eine Gruppe von Asthmatikern beim Spazierengehen, beim Joggen und beim Rennen und dies zu unterschiedlichen Jahreszeiten. Die Versuche erfolgten jeweils einmal im Frühjahr, im Sommer und im Winter. Das Ergebnis: Im Frühjahr und im Sommer hatte keiner der Asthmatiker Probleme beim Spazierengehen, beim Joggen kam es bei ca. 10 Prozent der Gruppe zu asthmatischen Beschwerden und beim Rennen zeigten ca. 20 Prozent der Beteiligten Symptome. Als das Experiment dann im Winter wiederholt wurde, hatten bereits beim Joggen 50 Prozent der Asthmapatienten Probleme und beim Rennen sogar 70 bis 80 Prozent. An diesem Experiment sieht man sehr gut, dass die kalte Luft einen zusätzlichen Reiz darstellt und bei Asthmatikern erhebliche Probleme verursachen kann. Dabei scheint die trockene Luft einen geringfügig stärkeren Reiz auszuüben als die feuchte Luft.

Welche Testverfahren werden normalerweise zur Diagnose von Asthma eingesetzt?

Meist werden pharmakologische Reizteste wie der Methacholintest oder der Histamintest, ein inhalativer Provokationstest, eingesetzt. Der weltweit am häufigsten genutzte Test ist jedoch der Methacholintest.

Methacholin greift an der glatten Muskulatur der Atemwege an und führt dosisabhängig zu einer Verengung der Bronchien. Man misst also mit dem Methacholintest sozusagen die "Empfindlichkeit" der Bronchien.

Beim Methacholintest geht man stufenweise, d.h. in 5 Stufen, vor, um exakt zu ermitteln, ab welcher Methacholindosierung es zur Verengung der Bronchien kommt. Man beginnt den Methacholintest mit einer Dosis von unter 100 µg Methacholin und dosiert dann schrittweise auf.

Menschen, die auf diese niedrigste Dosis bereits reagieren, sind hochgradig empfindlich und können bestimmte Berufe, die mit Stäuben assoziiert sind, z.B. den Beruf des Bäckers, nicht oder nur eingeschränkt ausüben. Die nächste Dosierung wäre dann 100 bis 200 µg und leicht empfindliche Menschen reagieren häufig bei einer Dosis von 200 bis 500 µg. Bei einer Dosis von 2,9 mg reagieren dann häufig auch gesunde Menschen.

Der Vorteil des Methacholintests ist seine hohe Sensitivität, der Nachteil seine geringe Spezifität, d.h. ab einer bestimmten Dosis reagieren auch gesunde Menschen mit einer Verengung der Bronchien. Eine Reaktion auf Methacholin bedeutet also nicht zwangsläufig, dass man ein schweres Asthma hat.

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