Schweres Asthma bei Kindern

Frau Prof. Dr. Monika Gappa, Chefärztin an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Marien-Hospital in Wesel

Wenn Kinder schweres Asthma haben – welche Therapie ist möglich?

Weiß man, worauf der Unterschied in Bezug auf den Verlauf des schweren Asthmas bei Jungen und Mädchen zurückzuführen ist?

Hier gibt es unterschiedliche Erklärungsansätze. Ein Ansatz ist, dass Jungen als Kinder häufiger Probleme haben, weil die Atemwege im Vergleich zum Lungenvolumen eher klein sind, was sich aber bis zur Pubertät auswächst. Bei den Mädchen geht man davon aus, dass in der Pubertät die Umstellung des Östrogenhaushaltes eine Rolle spielt.

Welche Therapieoptionen sind bei schwerem Asthma noch möglich?

Zunächst würde man die eingangs genannten Standardoptionen nutzen, vor allem die inhalativen Kortikosteroide, die die Basisbehandlung eines persistierenden Asthmas darstellen, aber auch die lang wirksamen bronchienerweiternden Medikamente und/oder die Leukortrien-Rezeptor-Antagonisten.

Daneben würden wir, wenn es sich um ein echtes schweres Allergisches Asthma handelt, nach entsprechender Diagnostik eine Anti IgE-Behandlung empfehlen. Unter Anti IgE-Behandlung versteht man die Behandlung mit Antikörpern gegen das IgE, das für die Initiierung der allergischen Reaktion verantwortlich ist. Omalizumab ist mittlerweile  zur Asthmabehandlung ab dem sechsten Lebensjahr zugelassen.

Gibt es Voraussetzungen für den Einsatz von Omalizumab bei Kindern mit schwerem Asthma?

Man würde die Therapie mit Omalizumab dann durchführen, wenn bei den Kindern aufgrund von Exazerbationen, d.h. plötzlichen Verschlechterungen des Krankheitsbildes, immer wieder systemische Kortikosteroide eingesetzt werden müssen, um das Asthma zu kontrollieren. Den regelmäßigen und wiederholten Einsatz von systemischen Kortikosteroiden wollen wir auf jeden Fall vermeiden. Für ältere Kinder und Jugendliche ist außerdem eine anhaltend eingeschränkte Lungenfunktion Voraussetzung für eine Omalizumabtherapie.

Warum ist es so wichtig systemische Kortikosteroide zu vermeiden?

Der Einsatz von systemischen Kortikosteroiden ist immer ein Zeichen für eine schlechte Asthmakontrolle. Bei jedem Asthmaanfall besteht ein erhöhtes Risiko für einen Krankenhausaufenthalt oder sogar für eine lebensbedrohliche Situation.

Zum anderen sind die Nebenwirkungen von systemischen Kortikosteroiden abhängig von der Gesamtdosis, die ein Mensch im Laufe seines Lebens erhält. Bei Kindern besteht deshalb die Sorge, dass der hochdosierte Einsatz von systemischen Kortikosteroiden sich negativ auf das Wachstum, die Knochendichte, den Zuckerstoffwechsel etc. auswirkt.

Beim Inhalieren benötigt man Kortikosteroide im Mikrogrammbereich. Bei einer Notfallbehandlung benötigt man dagegen hohe Dosierungen von z.B. 100 mg. Diese Dosierung würde für das Inhalieren für ein ganzes Jahr ausreichen! Wir versuchen deshalb, durch eine intensive Langzeitbehandlung die Gesamtdosis an systemischen Kortikosteroiden so niedrig wie möglich zu halten und ständige Notfallmedikationen zu vermeiden. Wenn die Abklärung des schwierigen Asthmas vollständig ist, kann eine Behandlung mit Anti-IgE eine sinnvolle Langzeittherapie sein.

Asthmapatienten wird heutzutage empfohlen, die Lungenfunktion gezielt zu trainieren, z.B. durch Sport oder das Spielen von Blasinstrumenten. Gelten diese Empfehlungen auch für Kinder mit schwer therapierbarem Asthma?

Wenn Kinder mit Asthma beim Sport asthmatische Beschwerden haben, ist dies auch ein Zeichen für ein nicht gut kontrolliertes Asthma. Egal ob ein Kind ein leichtes, ein mittelschweres oder ein schweres Asthma hat, grundsätzlich sollte das Kind uneingeschränkt an altersgerechten sportlichen Aktivitäten teilnehmen können. Eine Restriktion sportlicher Aktivitäten sollte also bei einem gut behandelten Kind nicht nötig sein. Es kann jedoch vorkommen, dass man dem Kind empfiehlt, Sport nach eigenem Ermessen zu betreiben, bis  eine vernünftige Therapieeinstellung abgeschlossen ist.

Auch das Spielen von Blasinstrumenten ist für Kinder mit Asthma empfehlenswert, solange es sich nicht um ein Instrument handelt, bei dem ein sehr hoher Druck aufgebaut werden muss, wie z.B. bei der Oboe.

Frau Prof. Gappa, herzlichen Dank für das Gespräch!

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden.