Asthma und Sport

Klaus Pleyer, Sportlicher Berater und Leiter Physikalische Therapie der Hochgebirgsklinik Davos

Asthma und Sport: Wie vermeidet man Fehler? Wie macht man’s richtig?

Was kann man denn tun, wenn die Atmung sich während des Trainings verengt?

Zunächst einmal sollte man die Intensität reduzieren bzw. ganz aufhören. Dann sollte man mit atmungserleichternden Techniken, wie z.B. der Lippenbremse versuchen, die Atmung wieder in den Griff zu bekommen. Zusätzlich sollte man atemerleichternde Stellungen einnehmen, wie z.B. den Kutschersitz oder die Torwartstellung. Wenn  das alles nicht weiterhilft und der Druck auf der Brust weiterhin vorhanden ist, sollte das Notfallspray zum Einsatz kommen. Deshalb ist es auch so wichtig, dass man das Notfallspray immer bei sich trägt, egal bei welcher Sportart. Auf jeden Fall sollte man auch seine Sportkameraden informieren und ihnen sagen, was sie im Fall der Fälle tun sollten.

Was ist eine Lippenbremse? Und was bedeuten Kutschersitz und Torwartstellung?

Bei der Lippenbremse presst man die Lippen ganz leicht aufeinander, atmet dadurch gegen einen Widerstand aus. Dadurch verändert sich der physikalische Druck in den Bronchien, die Bronchien werden etwas weiter und die Luft kann aus den Bronchien ausströmen. Das eigentliche Ziel der Lippenbremse ist es, die Lungen weniger stark zu überblähen und die Luft aus den Lungen ausströmen zu lassen.

Bei Kutschersitz und Torwartstellung geht es darum, das Gewicht der Schultern auf die Oberschenkel zu verlagern. Beim Kutschersitz stützt man dafür im Sitzen die Ellenbogen auf die Oberschenkel. Bei der Torwartstellung macht man dies im Stehen, d.h. in der Hocke, so wie man das auch oft bei den 100-Meter-Läufern beobachten kann, die nach dem Rennen völlig erschöpft im Ziel einlaufen. Oft stehen sie dann da mit auf den Oberschenkeln abgestützten Armen, um das Gewicht der Schultern abzugeben. Man kann dadurch wesentlich leichter atmen und es hilft, die Atmung wieder unter Kontrolle zu bringen.

Beim Sport geht es auch immer um Leistungssteigerung. Wäre für Menschen mit allergischem Asthma auch ein Halbmarathon erreichbar?

Als erstes sollte ein medizinischer Check-up stattfinden und der Arzt sollte bestätigen, dass der Asthma-Patient grundsätzlich in der Lage ist, einen Halbmarathon zu laufen. Dann sollte sich eine Ist-Analyse anschließen, d.h. der aktuelle Leistungsstand sollte ermittelt werden. Dann sollte man zusammen mit einem Trainer einen Trainingsplan erstellen, der ca. neun Monate abdeckt, mit dem Ziel einen Marathon zu laufen.

Der Trainingsplan sollte sauber aufgebaut sein, verschiedene Trainingsblöcke enthalten und immer wieder auf das aktuelle Leistungsniveau angepasst werden. Zum Training gehören ein Ausdauerblock, ein spezieller Kraftblock und ein "gemischter Trainingsblock". Später kommt ein spezifisches Wettkampftraining hinzu und bis dann irgendwann der eigentliche Marathon stattfindet, sollte immer wieder der Leistungsstand überprüft werden.  Wichtig ist es auch, bei jeder Trainingseinheit eine Aufwärmphase sowie eine Cool-down Phase einzuplanen.

Der Trainingsplan sollte natürlich auch auf das Alter des Patienten abgestimmt sein. Ist er bereits etwas älter, ist das Problem beim Marathon evtl. weniger in der Atmung zu sehen, sondern vielmehr im orthopädischen Bereich. In diesem Fall sollte man die Zielsetzung Halbmarathon überdenken und vielleicht auf Schwimmen oder Radfahren ausweichen, weil das weniger auf die Gelenke geht. Auch Nordic Walking ist eine gute Alternative.

Welche Rolle spielt beim Thema Asthma und Sport die "Reinheit" der Luft, in der man den Sport ausübt?

Wenn man ein allergisches Asthma hat, muss man mit der Umweltproblematik leben - sei dies die Luftverschmutzung, hohe Feinstaubwerte oder hohe Ozonwerte. Für Zuhause muss der Asthmatiker lernen, mit der Erkrankung richtig umzugehen. Dafür gibt es zum einen Schulungen. Zum anderen kann man, z.B. bei einer Allergie gegen Hausstaubmilben gewisse Maßnahmen ergreifen, um das eigene Haus zu sanieren und die Allergene zu reduzieren.

Man kann jedoch darauf achten, dass man an den Wochenenden oder im Urlaub auf eine gute Luftqualität achtet. Für das Wochenende sind Ausflüge in den Wald empfehlenswert, schon allein wegen der positiven Wirkung, die so ein Ausflug auf die Psyche und das Wohlbefinden hat. Für den Urlaub eignet sich das Hochgebirge, d.h. Lagen über 600 m Höhe und nicht unbedingt eine Großstadt. In Hochlagen ist die Pollenintensität geringer und man kann sich relativ gut erholen.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung des Themas "Allergisches Asthma" in den letzten Jahren?

Wir sehen in unserer Klinik zunehmend junge Patienten, die unter einer Pollenallergie leiden. Hier kann ich nur empfehlen, frühzeitig einen Pneumologen zu kontaktieren und den Etagenwechsel zum Allergischen Asthma zu verhindern. Wichtig ist hier eine saubere Diagnostik des auslösenden Allergens. Generell nehmen die Allergien zu und es ist wichtig, schon bei ersten Anzeichen wachsam zu sein um schnell Gegenmaßnahmen ergreifen zu können.

Herr Pleyer, ich bedanke mich herzlich für dieses Gespräch!

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