Unverträglichkeit von Salicylaten

Prim. Prof. Dr. Tilman Keck, Abteilungsvorstand HNO im Krankenhaus der Elisabethinen in Graz

Adaptive Desaktivierung bei Unverträglichkeit von Salicylaten

Die Unverträglichkeit von Salicylaten kann sich unter anderem darin äußern, dass bestimmte Medikamente oder bestimmte Nahrungsmittel zu Beschwerden im Magen-Darm Trakt führen. In manchen Fällen geht eine Salicylate-Unverträglichkeit auch mit der Entwicklung von Nasenpolypen oder Asthma einher. Eine mögliche Therapieform zur Behandlung der Unverträglichkeit von Salicylaten ist die adaptive Desaktivierung.  MeinAllergiePortal sprach mit Prim. Prof. Dr. Tilman Keck, Abteilungsvorstand HNO im Krankenhaus der Elisabethinen in Graz über die Durchführung der Therapie und deren Erfolgsaussichten.

Herr Prof. Keck, unter welchen Voraussetzungen führen Sie eine adaptive Desaktivierung bei Unverträglichkeit von Salicylaten durch?

Voraussetzungen für die Durchführung einer adaptiven Desaktivierung gegen Salicylate sind:

  1. Wenn der Patient unter dem Vollbild des Samter Trias leidet, d.h. er leidet unter einer Schmerzmittelunverträglichkeit, entwickelte in der Vergangenheit immer wieder Nasenpolypen, die operativ entfernt werden mussten und entwickelt zusätzlich ein Asthma.

  2. Wenn der Patient aufgrund einer anderen Erkrankung eine Dauerschmerzmedikation benötigt und an einer Schmerzmittelunverträglichkeit leidet, die oftmals diverse Schmerzmittel und nicht allein den Wirkstoff Acetylsalicysäure betrifft.

  3. Wenn der Patient z.B. aufgrund eines  Schlaganfalls oder Herzinfarktes, einen Thrombozytenaggregationshemmer  zur vaskulären Thromboembolieprohylaxe benötigt, d.h. ein Medikament, welches  das Zusammenkleben der Blutplättchen und damit eine Embolie verhindert, er jedoch an einer Unverträglichkeit gegen diese Medikamente leidet.  

  4. Diagnostisch gehen wir das Thema aber auch dann an, wenn der Patient zwar Polypen hat, evtl. auch hin und wieder leichte Asthmasymptome, er aber auf ASS noch nie eine pseudoallergische Reaktion gezeigt hat, weil er einfach nie Schmerzmittel nimmt. In diesen Fällen testen wir den Patienten und stellen so fest, ob evtl. doch eine ASS-Unverträglichkeit besteht.

Eine adaptive Desaktivierung kann also auch durch eine Therapieermöglichung von anderen, z.B. kardiovaskulären Erkrankungen, begründet sein. Wenn eine ASS-Unverträglichkeit besteht, sind gewisse Therapien ohne die adaptive Desaktivierung nicht möglich.

Und was sind die häufigsten Gründe für die Durchführung einer adaptiven Desaktivierung gegen Salicylate?

Die typischen Patienten für eine adaptive Desaktivierung auf ASS sind Patienten, die unter einer chronischen Rhinitis bzw. Sinusitis, Fließschnupfen und einer Polypenbildung in der Nase leiden. Viele Patienten kommen zu uns, weil bei ihnen über Jahre hinweg immer wieder Operationen der Nasennebenhöhlen  nötig waren, manchmal sogar alle ein bis zwei Jahre. Wenn die Patienten dann bemerken, dass die Atmung erneut beschwerlicher wird und sie eine erneute Operation befürchten, kommen sie zu uns und informieren sich über alternative Behandlungsmethoden. Wenn dann noch eine Analgetika Intoleranz hinzukommt, d.h. eine Pseudoallergie, bzw.  die Unverträglichkeit von Schmerzmitteln, eine Herz-Kreislauf-Reaktion oder eine asthmatische Reaktion hinzukommen, halten wir eine Desaktivierung für eine sinnvolle Maßnahme.

Durch die adaptive Desaktivierung verfolgen wir für das Krankheitsbild des Samter Trias das Ziel, das Wachstum der Polypen zukünftig zu verhindern, die Frequenz der Nebenhöhlenoperationen zu vermindern oder zumindest eine Operation für lange Zeit hinauszuschieben. In der Regel führen wir aber zu Beginn der Therapie nochmals eine Operation durch, um sicherzustellen, dass der Patient zu Beginn der adaptiven Desaktivierung 100prozentig frei von Polypen ist und die Therapie dann unverzüglich, ca. vier bis sechs Wochen nach der Operation, beginnen kann. Wir könnten einem Patienten, der bereits viele Polypen hat, nicht garantieren, dass sich diese unter der ASS Desaktivierung zurückbilden.

Seltener behandeln wir auch Patienten, die so gut wie keine Asthmasymptome zeigen, das ist aber eher die Ausnahme. Ein typischer Patient für eine adaptive Desaktivierung muss schon einen gewissen Leidensdruck haben, um sich für diese Therapie  zu entscheiden. Schließlich muss der Patient lebenslang diszipliniert ASS in einer Dauerdosis einnehmen, mit allen damit einhergehenden Problemen.

Zu welchen Problemen kann es bei der adaptiven Desaktivierung kommen?

Zum Beispiel können Patienten, die permanent ASS einnehmen, nicht ohne Vorbereitung operative Eingriffe und sei es auch nur beim Zahnarzt vornehmen lassen. Sie müssen rechtzeitig vor einem Eingriff das ASS absetzen, denn die blutverdünnende Wirkung des ASS würde zu Blutungen führen. Auch im Magen-Darm-Bereich kann es unter ASS zu Beschwerden kommen.

Deshalb muss schon ein gewisser Leidensdruck vorhanden sein, damit ein Patient sich dieser Therapie unterzieht. Dies ist bei einem Patienten mit Samter Trias der Fall. Es kann aber z.B. auch dann der Fall sein, wenn ein Patient unter schwer einstellbarem Asthma leidet und auf Kortison nicht anspricht.

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