ASS-Unverträglichkeits-Syndrom

Dipl. oec. troph. Sibylle Plank, Vital Klinik, Alzenau

ASS-Unverträglichkeits-Syndrom – was darf man essen?

Die ASS-Intoleranz gehört zu den Unverträglichkeiten, d.h. es handelt sich nicht um eine Allergie. Acetylsalicylsäure ist Bestandteil vieler Medikamente, und findet insbesondere Schmerzmitteln häufig Verwendung. Salicylsäure kommt jedoch auch in manchen Nahrungsmitteln natürlicherweise vor, was viele Betroffene ratlos macht, denn genaue Angaben zu diesen Nahrungsmitteln findet man kaum. MeinAllergiePortal sprach deshalb mit Dipl. oec. troph. Sibylle Plank, Vital Klinik, Alzenau über den richtigen Umgang mit dem ASS-Unverträglichkeits-Syndrom und über die Frage: "Was darf man essen?".

Frau Plank, beim ASS-Intoleranz-Syndrom handelt es sich um eine Störung des Arachidonsäurestoffwechsels. Was bedeutet das?

Arachidonsäure ist in unserem Körper ein Ausgangsstoff für die Bildung sog. Eikosanoide. Das sind Botenstoffe, die vielfältige physiologische Funktionen beeinflussen und auch Entzündungsvorgänge vermitteln.

Acetylsalicylsäure und einige andere schmerz- und entzündungshemmende Medikamente, sogenannte "nichtsteroidale Antiphlogistika" greifen gezielt in den Arachidonsäurestoffwechsel ein. Sie hemmen ein Enzym, die Cyclooxigenase, die für die Bildung entzündungsfördernder und schmerzauslösender Proteasen aus der Arachidonsäure verantwortlich ist.

Bei Patienten mit einer ASS-Intoleranz führt die Hemmung der Cyclooxigenase allerdings zu einem Ungleichgewicht der Eicosanoide. Dieses gestörte bzw. "abnorme" Eikosanoidmuster führt zu einer Irritation und Aktivierung immumkompetenter Zellen wie Basophiler Granulozyten und Mastzellen, die in Folge allergieähnliche Beschwerden auslösen. Die ASS-Intoleranz gehört damit zu den sogenannten "Pseudoallergien".

Für Histaminintolerante oder Menschen mit einer Fructosemalabsorption gibt es entsprechende Enzyme in Tablettenform. Gibt so etwas auch für das ASS-Intoleranz-Syndrom?

Nein. Es gibt aber die Möglichkeit, den Körper schrittweise an ASS zu gewöhnen, beginnend mit sehr kleinen Dosierungen, die dann sukzessive gesteigert werden. Diese Therapie bezeichnet man als "adaptive Desaktivierung".

Können Sie diese adaptive Desaktivierung näher beschreiben?

Das ist natürlich eine eher medizinische Frage, aber ich werde trotzdem versuchen, sie zu beantworten. Der adaptiven Desaktivierung liegt die Beobachtung zu Grunde, dass sich bei ASS-intoleranten Patienten nach ASS-Einnahme eine sog. „Refraktärperiode“ einstellt, also eine Phase verminderter Sensitivität. Der Körper hat bildlich gesprochen sein "Pulver verschossen" und braucht eine Weile um neu aufzurüsten. Bei erneuter ASS-Einnahme  in dieser Periode sind die Beschwerden deutlich geringer.

Diesen Effekt macht man sich bei der adaptiven Desaktivierung therapeutisch zu Nutze. Durch die zu Beginn der Therapie sehr niedrigen ASS-Gaben und die schrittweise Dosissteigerung unter Ausnutzung der Refraktärphase lässt sich eine Toleranz gegenüber ASS induzieren. Diese Toleranz wird dann durch tägliche Einnahme einer "Erhaltungsdosis" ASS aufrechterhalten.

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden.