Heuschnupfen (Pollenbedingte allergische Rhinitis)

Allgemein

Der Heuschnupfen oder die allergische Rhinitis (AR) ist eine allergisch bedingte Entzündung der Nasenschleimhäute. Heuschnupfen ist sehr weit verbreitet – Tendenz steigend. Betroffen ist in erster Linie die Nasenschleimhaut, die sich nach Kontakt mit dem auslösenden Allergen entzündet. Dabei werden oft  auch die Augen in Mitleidenschaft gezogen, wobei man dann von einer allergischen Rhinokonjunktivitis spricht. Das Kind eines Allergikers hat in etwa ein dreifach erhöhtes Risiko, ebenfalls unter Allergien zu leiden.

Die ersten Heuschnupfen-Symptome treten in der Regel im frühen Kindesalter auf. Zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr erreicht die Krankheit üblicherweise ihren Höhepunkt. Beobachtungen der letzten Jahrzehnte haben allerdings gezeigt, dass auch Menschen höherer Altersgruppen erstmalig an Heuschnupfen erkranken können.

Heuschnupfen: Auslöser

Auslöser von Heuschnupfen (saisonale allergische Rhinitis) ist eine Allergie gegen Blütenpollen. Genau genommen ist der Begriff ´Heuschnupfen´ ein allergischer Schnupfen durch Gräserblütenpollen, da er v.a. während der Heuernte auftritt. Er wird aber gerne analog verwendet für die saisonale allergische Rhinitis durch Blütenpollen aller Pflanzen, z.B. der Bäume. In Abhängigkeit vom Sensibilisierungsgrad der betroffenen Person und von der Pollenflugphase (je nachdem, welche Pflanzen gerade blühen) treten in den entsprechenden Blütezeiten Heuschnupfensymptome auf. Allerdings hat die tendenzielle Klimaerwärmung der letzten Jahre dazu geführt, dass die Blütephasen immer früher im Jahr beginnen und später enden, so dass die typischen Pollenflugphasen (z.B. für Birke zwischen März und April) zunehmend verschwimmen und sich die Allergiebeschwerden entsprechend verändern bzw. verlängern.

Eine allergische Rhinitis kann aber auch durch andere Allergene verursacht sein, z.B. durch Hausstaubmilben, Schimmelpilze, Tierepithelien oder andere Allergene, mit denen man zu Hause oder berufsbedingt in Kontakt gerät. Bei der allergischen Rhinitis, die durch ganzjährig vorkommende Allergene verursacht ist (z.B. Hausstaubmilben), spricht man von einer perennialen allergischen Rhinitis (im Gegensatz zur saisonalen AR bei Pollenallergie).

Eine allergische Rhinitis, die z.B. durch Hausstaubmilben ausgelöst wird, verursacht oft das ganze Jahr über Beschwerden, mit Schwerpunkt in den Wintermonaten: einerseits deshalb, weil in dieser Zeit weniger gelüftet wird, und andererseits, weil die Milben in den Wintermonaten absterben und dadurch deren Allergene vermehrt freigesetzt werden.

Folgende  häufig vorkommende Allergene können eine allergische Rhinitis verursachen:

  • Baumpollen
  • Gräserpollen
  • Kräuterpollen
  • Hausstaubmilben
  • Haustiere
  • Schimmelpilze

Lesen Sie auch:

Heuschnupfen: Wie erfolgt die Diagnose? Welcher Allergietest sagt was?

Heuschnupfen: Wann reicht Selbstmedikation, wann muss man zum Arzt?

Etagenwechsel: Anzeichen, Verlauf und Gegenmaßnahmen

Etagenwechsel vom Heuschnupfen zum Pollenasthma: Wie lässt sich das verhindern?

Wenn Allergien chronisch werden: Chronische Rhinitis und chronische Rhinosinusitis

Allergieforschung: Neue Allergie Therapien, Studien, Ergebnisse

Was bedeutet es, wenn man eine Riechstörung hat?

Allergische Rhinitis durch Hausstaubmilben oder Schimmelpilze

Symptome

Heuschnupfen (allergische Rhinitis) äußert sich in der Regel durch folgende Symptome:

  • juckende Nase
  • verstopfte Nase
  • verstärkte Nasensekretion
  • Niesanfälle
  • tränende, juckende, gerötete Augen
  • Mattigkeit, Schlafstörungen, Leistungseinschränkungen

Es müssen nicht alle Symptome vorhanden sein, außerdem können sie in ihrer Ausprägung variieren.
Ein Heuschnupfen, der nicht adäquat behandelt wird, kann von seinem anfangs saisonalen Auftreten (nur während der Blütezeit) in einen ganzjährigen (perennialen) chronischen Schnupfen übergehen. Man spricht dann von einer allergischen Rhinopathie.

Heuschnupfen: weitere Allergie-Symptome und Folgeerkrankungen

Menschen, die unter einer allergischen Rhinitis leiden, neigen dazu, weitere  allergisch bedingte Erkrankungen zu entwickeln, die durch dieselben oder andere Allergene ausgelöst werden können. Dazu gehören Augenentzündungen (Konjunktivitis) oder Asthma, Nahrungsmittelallergien, atopische Dermatitis (Neurodermitis) oder Hautausschläge (Ekzeme). Auf dem Boden einer allergischen Rhinitis kann sich darüber hinaus eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung (chronische Sinusitis) entwickeln, ggf. mit Polypenbildung (chronisch-polypöse Sinusitis).

Lesen Sie auch:

Allergische Konjunktivitis: Was bedeutet „allergische Bindehautentzündung?

Diagnose

Nicht immer ist die Diagnose 'Allergische Rhinitis' so eindeutig wie beim Heuschnupfen. Die Diagnosestellung erfolgt dann über einen Hauttest (Pricktest) auf der Unterarm-Innenseite, auf die eine Reihe im Verdacht stehender Allergene in Lösung auf die angeritzte Haut aufgetragen werden. Nach 15 Minuten kann das Ergebnis abgelesen werden. Eine positive, d. h. allergische Reaktion besteht, wenn eine juckende Hautschwellung (Quaddel) entstanden ist.

Beim wesentlich sensibleren Intrakutantest (ICT) wird das Test-Allergen auf dem Rücken in die Haut injiziert, die Testregion wird bis zu mehrere Tage lang hinsichtlich einer möglichen Reaktion beobachtet. Für die Pollenallergie spielt der Intrakutantest allerdings eine untergeordnete Rolle.

Bei uneindeutigen Ergebnissen oder wenn ein Pricktest aus bestimmten Gründen nicht durchgeführt werden kann, stehen Bluttests zum Nachweis von speziell gegen ein bestimmtes Allergen gerichtete Antikörper im Blut (spezifische AK, spezifisches IgE) zur Verfügung.

Da es nicht selten der Fall ist, dass die oben beschriebenen Untersuchungsergebnisse nicht eindeutig sind oder sich widersprechen, müssen dann sog. Provokationstests erfolgen, durch die der Allergieverdacht unter kontrollierten Bedingungen überprüft werden kann. Testorgane sind die Augen (konjunktivaler Provokationstest bei allergischer Konjunktivitis), die Nase (nasaler Provokationstest bei allergischer Rhinitis) oder die Bronchien (bronchialer Provokationstest bei allergischem Asthma). Nach Auftragen der Testallergen-Lösung wird im positiven Fall eine allergische Reaktion hervorgerufen, was beweisend für eine Allergie gegen das getestete Allergen ist.

Der bronchiale Provokationstest wird wegen möglicher heftiger anaphylaktischer Reaktionen wie z. B. Asthma bis hin zum allergischen Schock nur in seltenen Fällen durchgeführt.

Lesen Sie auch:

Heuschnupfen: Wie erfolgt die Diagnose? Welcher Allergietest sagt was?

Therapie

Die beste Therapie bei allergischer Rhinitis ist  die Meidung des auslösenden Allergens. Dies ist jedoch bei ubiquitären, d.h. überall vorkommenden Allergenen wie den Pollen nur bedingt möglich.

Zur Symptombekämpfung der allergischen Entzündung stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, die lokal (Augentropfen, Nasenspray, Dosieraerosol für die Bronchien) aufgetragen oder systemisch (als Tablette) eingenommen werden können.  Bei akuten Beschwerden nach wenigen Minuten wirksam sind Wirkstoffe aus der Gruppe der Antihistaminika, die zum Teil frei verkäuflich sind. Bei stärkeren Symptomen können zusätzliche Glukokortikoide („Kortison“) verordnet werden. Eine weitere Wirkstoffgruppe sind die Cromone (Cromoglycate), die vorbeugend eingesetzt werden können. Sie sind in der Regel nur als Augentropfen oder Nasenspray erhältlich, da die meisten Präparate, als Tablette eingenommen, unwirksam sind. Da sie mindestens eine Woche angewendet werden müssen, um ihre Wirkung zu entfalten, sind sie den sofortwirksamen Antihistaminika unterlegen. Wegen kaum vorhandener Nebenwirkungen sind sie z. B. für Schwangere oder ältere Menschen durchaus geeignet.

Die medikamentöse Behandlung mit o.g. Wirkstoffen bewirkt ausschließlich eine Linderung bzw. Unterdrückung der Symptome, nicht aber eine dauerhafte Heilung. Die beste, weil ursächliche und im Idealfall dauerhafte Therapie ist die Spezifische Immuntherapie (SIT, Hyposensibilisierung, „Allergie-Impfung“), weil sie zu einer anhaltenden Immunität und somit Toleranz der behandelten Person gegenüber dem behandelten Allergen führen kann. In der Regel ist die Spezifische Immuntherapie ist umso erfolgreicher, je kürzer die Dauer der allergischen Erkrankung beträgt und je weniger allergische Sensibilisierungen (d. h. je weniger positive Reaktionen im Pricktest) vorliegen.

Ein wichtiges Ziel bei der Spezifischen Immuntherapie ist dabei auch die Verhinderung des sog. Etagenwechsels, d.h. der Ausbreitung der allergischen Erkrankung von den oberen (Heuschnupfen) auf die unteren Atemwege mit der Folge von Asthma.

Lesen Sie auch:

Heuschnupfen: Wann reicht Selbstmedikation, wann muss man zum Arzt?

Etagenwechsel: Anzeichen, Verlauf und Gegenmaßnahmen

Etagenwechsel vom Heuschnupfen zum Pollenasthma: Wie lässt sich dagegen tun?

Praktische Tipps

  • Lüften Sie in den ganz frühen Morgenstunden.
  • Halten Sie insbesondere das Schlafzimmer nach dem Lüften geschlossen.
  • Verzichten Sie an sonnigen Tagen, an denen der Pollenflug besonders stark ist, auf das Lüften der Betten am offenen Fenster.
  • Lüften oder Trocknen Sie Ihre Wäsche bei Pollenflug nicht im Freien.
  • Wechseln Sie die Kleidung nach einem Spaziergang umgehend und geben Sie sie gleich in die Wäsche.
  • Duschen Sie abends und waschen Sie dabei die Haare, um Pollen zu entfernen.

Lesen Sie auch:

Heuschnupfen? Asthma? Präzise Pollenflugvorhersagen mit Pollen 3.0!

Bilder

Die allergische Rhinitis, im Volksmund "Heuschnupfen" genannt, wird am häufigsten von den Pollen der unterschiedlichsten Pflanzen ausgelöst. Die Blütenpollen der folgenden Pflanzen gehören zu den möglichen Allergenen.

 

allergie auf haselpollenAllergie auf Haselpollen: Stäubende Haselnuss, Quelle: ECARF

Hasel (Corylus) gehört zu den Frühblühern, zur höchsten Pollenbelastung mit Haselpollen kommt es in der Regel im März. Der Pollenflug ist regional unterschiedlich. In warmen Regionen kann der Pollenfug bereits im Januar beginnen, in kälteren Regionen startet er später. 

 

 

 

 

 

 

 

   

allergie auf pappelpollen silberpappelkaetzchenAllergie auf Pappelpollen: Silberpappelkaetzchen, Quelle: ECARF

Pappeln (Populus) findet man häufig an Flussläufen. DIe Hauptblütezeit ist Mitte bzw. Ende März bis Ende April. Witterungsbedingt ist jedoch auch in den Monaten Februar bis Mai ein Flug der Pappelpollen möglich.

 

 

 

 

 

 

 

   

allergie auf weidenpollne die kaetzchen der weideAllergie auf Weidenpollen: Die Kätzchen der Weide, Quelle: ECARF

Die Weide (Salix) kann im Zeitraum von Ende Januar bis Ende Juni blühen. Die Hauptzeit der Blüte ist Ende März bis Ende April. 

 

 

 

 

 

 

 

   

allergie auf buchenpollen  rotbucheAllergie auf Buchenpollen: Die Rotbuche, Quelle: ECARF

Die Buche (Fagus) blüht im April. In der Zeit von Februar bis Juni kann es jedoch ebenfalls zu Belastungen kommen, je nach Standort und Wetterlage.

 

 

 

 

 

 

 

die kaetzchen der birkeAllergie auf Birkenpollen: Die Kätzchen der Birke, Quelle: ECARF

Die Birke (Betula) ist ein weit verbreiteter Baum. Birken können große Pollenmengen produzieren. Die stärkste Belastung durch Birkenpollen liegt im Monat April. Zu mäßiger oder sporadischer Belastung kann es aber auch in der Zeit von Februar bis August kommen, je nach Wetterbedingungen. Die Allergie auf Birkenpollen ist die häufigste Allergie unter den Pollernallergien.

 

 

 

 

 

 

 

allergie auf baumpollen eichenblueteAllergie auf Eichenpollen: Eichenbluete, Quelle: ECARFAllergien auf Eichenpollen gehören nicht zu den häufigen Allergien. Eichen (Quercus) sind in unseren Breiten jedoch sehr häufig anzutreffen. Die Hauptblüte der Eiche findet im April bzw. Mai statt. Je nach Wetterlage kann es aber von Januar bis Juli zu Pollenbelastungen kommen.

 

 

 

 

 

 

allergie auf graeserpollen bluete knaeuelgrasAllergie auf Gräserpollen: Die Blüte des Knäuelgras, Quelle: ECARF

Allergien auf Gräserpollen sind häufig. Zu den Gräserpollen, die Allergiesymptome auslösen können, gehört das Knäuelgras (Dactylis glomerata). Ende Mai bis Mitte Juli ist die Hauptblütezeit der Gräser, aber auch von März bis November ist der Gräserpollenflug möglich.

 

 

 

 

 

 

 

allergie auf graeserpollen roggenblueteAllergie auf Graäerpollen: Roggenblüte, Quelle: ECARF

Zu den Allergenen, die bei Allergien auf Gräserpollen Symptome auslösen, gehören auch bestimmte Getreidearten, z.B. der Roggen (Secale cereale). Der Roggen blüht Ende Mai bis Mitte Juni, kann sich aber auch auf die Zeit von April bis September ausweiten.

 

 

 

 

 

 

 

allergie auf pollen spitzwegerichPollenallergie: Wegerich, Quelle: ECARF

Zwischen April und Oktober blüht der Wegerich (Plantago). Auch er kann zu einer Pollenallergie führen. Ende Mai bis Anfang August ist die Blütezeit des Wegerich, aber auch von April bis Ende Oktober können seine Pollen fliegen.

 

 

 

 

 

 

 

bluehende brennesselnAllergie auf Brennesselpollen: Blühende Brennesseln, Quelle: ECARF

Die Brennessel (Urtica) ist allgegenwärtig. Brennesseln wachsen auf Wiesen, auf brachliegenden Flächen und in verwilderten Gärten. Die Blüte der Brennessel fällt hauptsächlich in den Monat Juli. Je nach Temperatur kann es aber auch in den Monaten April bis November zu Belastungen kommen, wenn eine Allergie auf die Blütenpollen der Brennessel besteht.

 

 

 

 

 

 

allergie auf graeserpollen beifussAllergie auf Gräserpollen: Beifuss, Quelle: ECARF

Auch Beifuß (Artemisia vulgaris), der zu den Krätern gehört, kann Pollen-Allergikern Probleme bereiten. Der Beifuß blüht Ende Juli bis Ende August. Je nach Witterung kann es auch scon im Mai und noch bis Mitte Oktober zu Pollenflug kommen.

 

 

 

 

 

 

 

allergie auf graeserpollen ambrosiaAllergie auf Gräserpollen: Ambrosia, Quelle: ECARFDie Ambrosia (Ambrosia artemisiifolia) ist in unseren Breiten ein neues, sehr starkes Allergen. Im Herkunsftsland USA ist Ambrosia der häufigste Auslöser von Allergysymptomen. Die Pflanze ist robust, fruchtbar und breitet sich sehr schnell aus. Mit einer Kernblütezeit von August bis nfang September ist Ambrosia eine spät blühende Pflanze. Sie kann jedoch auch schon im Juni und noch bis Ende Oktober Pollen ausstoßen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quellen

  • Allergische Rhinitis, Rhinosinusitis, Prof. Dr. med. Ludger Klimek, Spitzenforschung in der Allergologie – Innovationen und Auszeichnungen 2012, ALPHA Informations-GmbH, Lampertheim 2012
  • Dossier Allergie, Gesund leben Das Magazin für Körper, Geist und Seele, Stern Nr. 2 2010, Gruner + Jahr
  • Johannes Ring (DAAU), Claus Bachert (DGAKI), Carl-Peter Bauer (GPA), Wolfgang Czech (ÄDA) – alle Hrsg.: Weißbuch Allergie in Deutschland. 3. Überarbeitete und erweiterte Auflage Springer Medizin, Urban & Vogel GmbH, München 2010
  • Kleine-Tebbe, A., et al.: Die spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) bei IgE
  • vermittelten allergischen Erkrankungen. Allergo J, 2009. 18: p. 508-537.

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden.