Hühnerei Allergie

Allgemein

Unter Hühnerei Allergie versteht man eine Allergie gegen Bestandteile des Hühnereis. Die Hühnerei Allergie ist eine der häufigsten Nahrungsmittelallergien bei Kindern und kann sehr schwere allergische Reaktionen verursachen. Sie tritt bei ca. 1 bis 2 Prozent aller Kinder auf.

Das Hühnerei enthält einige wenige Allergene im Eigelb – die überwiegende Anzahl der Allergene befindet sich im Eiklar, weshalb man in der Regel von Eiweiß Allergie spricht. Im Hühnerei vorhandene Allergene sind:

  • Ovomucoid
  • Ovoalbumin
  • Ovotransferrin
  • Ovolysozym
  • Ovomuzin

Diese Stoffe kommen auch in den Eiern andere Vogelarten vor, weshalb ein Ausweichen auf diese Vogelarten meist nicht möglich ist. Ist bekannt gegen welches Allergen die Sensibilisierung besteht, ist ein Ausweichen auf die Eier anderer Vogelarten möglich.

Hühnerei Allergie bei Kindern

Bei Kindern kommt die Hühnerei Allergie am häufigsten in den ersten zwei Lebensjahren vor. Meist tritt sie zwischen dem sechsten und achten Lebensmonat auf, weil dann häufig erstmals Ei verzehrt wird. In manchen Fällen kann die Hühnerei Allergie in Kombination mit einer Kuhmilcheiweiß Allergie auftreten. 

Tritt die Hühnerei Allergie schon im frühen Kindesalter auf, entwickelt sich bei 2/3 der Kinder bis zum Schuleintrittsalter eine Toleranz, ähnlich wie bei der Kuhmilcheiweiß Allergie. Dann kann Hühnerei wieder problemlos gegessen werden. Die Diagnose sollte deshalb regelmäßig alle ein bis zwei Jahre vom Arzt überprüft werden.

Die Ergebnisse mancher Studien deuten darauf hin, dass bei Kindern, die eine Hühnerei Allergie hatten, die Wahrscheinlichkeit für eine "Allergiekarriere" steigt. Das heißt, diese Kinder haben ein höheres Risiko eine Pollenallergie, allergisches Asthma oder Neurodermitis zu entwickeln. Dies gilt sowohl für jene Kinder, bei denen die Hühnerei Allergie bestehen bleibt, als auch für jene, die die Allergie im Laufe der Zeit wieder verloren haben.

Es ist deshalb von äußerster Wichtigkeit, auf Hühnerei zu verzichten, um Symptomfreiheit zu gewährleisten. Man weiß, dass das Risiko einer möglichen Allergiekarriere sinkt bzw. verzögert werden kann, wenn die Hühnerei Allergie (durch Allergenkarenz) behandelt wird.

Hühnerei Allergie bei Erwachsenen

Eine Hühnerei Allergie tritt eher selten erst bei Erwachsenen auf und sollte dann von dem Vogel-Ei-Syndrom abgegrenzt werden, vor allem wenn es unmittelbar nach dem Eiverzehr zu einer Nesselsucht oder einem Angioödem kommt. Das Vogel-Ei-Syndrom ist sehr selten. Es handelt sich dabei um eine Kreuzreaktion zwischen dem Allergenen im Eigelb und Allergenen in Vogelfedern und –ausscheidungen. Hierbei sind Menschen betroffen, die aktuell oder in der Vergangenheit Kontakt zu Vögeln, nicht zwangsläufig zu Hühnern, hatten, z.B. Taubenzüchter. Die Allergie kann sich in der Zeit des Kontaktes mit den Vögeln entwickelt haben, um dann durch den Verzehr von Hühnerei ausgelöst zu werden.

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Symptome

Die Symptome einer Hühnerei Allergie machen sich in der Regel über die Haut bemerkbar und weniger häufig im Magen-Darm Bereich. Sie können bei einer Hühnerei Allergie als Sofortreaktion bereits zwei Stunden nach dem Verzehr von Hühnerei auftreten. Eine Spätreaktion ist nach 6 bis 48 Stunden möglich. Mögliche Symptome sind z.B.:

Dabei ist die individuelle Toleranzgrenze sehr unterschiedlich. Bei manchen lösen kleinste Mengen des Allergens schon schwere Reaktionen aus.

Bei Säuglingen lassen sich die Symptome leicht mit dem Beginn der Zufütterung von hühnereihaltiger Babynahrung aus dem Glas in Zusammenhang bringen, meist im Alter zwischen sechs und acht Monaten.

Bei Erwachsenen kann es bei der Hühnerei Allergie zu allgemeinen allergischen Symptomen wie Hautreaktionen, Atemwegsbeschwerden und Magen-Darm-Beschwerden kommen.

Beim Vogel-Ei Syndrom bei Erwachsenen können sich nach dem Kontakt mit den Vögeln oder dem Verzehr von Hühnereiern ebenfalls verschiedene allergische Symptome zeigen.

Diagnose

Die Diagnose der Hühnerei Allergie erfolgt zunächst über einen Prick-Test und einen Test auf spezifisches IgE im Blutserum. Antikörper auf die Hühnerei-Allergene im Blut können dann eine Sensibilisierung nachweisen. Auch eine Auslassdiät, während der auf Hühnerei verzichtet wird, ist sinnvoll, um zu überprüfen, ob sich dadurch eine Symptomfreiheit einstellt.

Ergänzend zur Eliminationsdiät ist ein Provokationstest möglich. Da es im Zuge eines Provokationstests auf Hühnerei zu einem Anaphylaktischen Schock kommen kann, wird dieser Test ausschließlich stationär im Krankenhaus durchgeführt.

Wichtig zu wissen ist, dass die im Hühnerei vorkommenden Allergene Ovomucoid, Ovoal-bumin, Ovotransferrin, Ovolysozym und Ovomuzin durch den Prick-Test und den Bluttest nicht differenziert werden.

Mit Hilfe einer Differenzierung durch die molekulare Allergiediagnostik können Einschätzun-gen über die Schwere der Reaktionen und über die Toleranzentwicklung gegeben werden. Für die Ernährungstherapie und somit für die Karenz ergeben sich wichtig Erkenntnisse. Eini-ge Proteine sind hitzelabil, d.h. das Eier im gekochten Zustand verträglich sind.

Therapie

Hühnerei aus dem Speiseplan zu streichen ist die beste Therapie bei der Hühnerei Allergie. Da Kinder ihre Allergie mit der Zeit häufig verlieren, sollte regelmäßig alle ein bis zwei Jahre unter ärztlicher Aufsicht getestet werden, ob die Allergie noch besteht. Auf keinen Fall sollte ein solcher Test auf eigene Faust erfolgen, weil die Gefahr einer anaphylaktischen Reaktion besteht.

Speisen, die Hühnerei enthalten bzw. meist mit Hühnerei zubereitet werden sind:

  • Alle Eierspeisen: Frühstücksei, Rührei, Spiegelei, Eierstich
  • Omelette
  • Pfannkuchen
  • Kuchen
  • Gebäck
  • Pudding
  • Desserts
  • Eiscreme
  • Fleischzubereitungen wie: Sülze und Frikadellen
  • Panaden

Da Hühnerei in einer Vielzahl von industriell verarbeiteten Lebensmitteln vorkommt, muss stets sorgfältig geprüft werden, was auf der Zutatenliste steht.

Potenziell könnten u.a. die folgenden Lebensmittel Hühnerei enthalten:

  • Brot und Backwaren
  • Konserven
  • Tiefkühlprodukte
  • Fertigsoßen
  • Fertigsuppen
  • Fertigsalate und Brotaufstriche aus dem Kühlregal
  • Würzpasten
  • Salatsaucen
  • Mayonnaise
  • Wurstwaren
  • Teigwaren
  • Fertige Süßspeisen
  • Kartoffelprodukte: Kroketten, Kartoffelpure, Pommes Frites

Getränke, die Hühnerei enthalten können:

  • Kakaodrinks
  • Ovomaltine
  • Wein

Außerdem ist es für manche Kinder verträglich, verbackenes Hühnerei zu essen, ohne dass Beschwerden auftreten. Dies sollte mit Hilfe eines Provokationstests unter ärztlicher Aufsicht abgeklärt werden oder alternativ über die molekulare Allergiediagnostik.

Praktische Tipps

  • Fertigprodukte möglichst nicht verwenden.
  • Wenn sich Fertigprodukte nicht vermeiden lassen, achten Sie auf die Zutatenlisten.
  • Eine gute Einkaufsquelle sind vegane Supermärkte oder Online Shops.
  • Bei Wein wird Eiweiß manchmal zur Klärung genutzt, deshalb besser veganen Wein kaufen.

Mögliche Ersatzprodukte für Hühnerei als Bindemittel sind:

  • Ei-Ersatzpulver (in Reformhäusern erhältlich).
  • Sojamehl
  • Johannisbrotkernmehl
  • Guarkernmehl
  • Natron (im Backregal)
  • Kartoffelstärke
  • Gestampfte rohe Kartoffeln für Brote oder Kuchen
  • Pürierte Bananen
  • Pfeilwurzelstärke (auch Arrowroot genannt)
  • In Frikadellen: Haferflocken, Griesmehl und Quark

Hinweis zu Ei-Ersatzpulver: Unbedingt auf die Zutatenliste achten. Eiersatzpulver wird oft auf Lupinenbasis hergestellt und auch Lupinen können Allergien auslösen.

Auch Soja, Johannisbrotkernmehl und Guarkernmehl können Allergien auslösen.

Mögliche Ersatzprodukte für Hühnerei als Lockerungsmittel sind:

  • Geschlagene Sahne
  • Mineralwasser mit viel Kohlensäure
  • Quark mit Mineralwasser

Mögliche Ersatzprodukte für Hühnerei als Verdickungsmittel sind:

  • Gelatine
  • Agar-Agar

Mögliches Ersatzprodukt für Hühnerei als Färbemittel ist:

  • Safran

Quellen

  • Diätetik in der Allergologie: Diätvorschläge und Positionspapiere und Leitlinien zu Nahrung-mittelallergie u. anderen Unverträglichkeiten, Herausgeber, Thomas Werfel, Imke Reese, Dustri Verlag 2013
  • Informationsmaterialien des DAAB e.V.
  • Ernährungstherapie in der Allergologie Imke Reese, Christiane Schäfer, Dustri-Verlag
  • Praxisbuch Lebensmittelallergie Anja Constien, Dr. Imke Reese, Christiane Schäfer, Südwest Verlag
  • Antworten auf die 111 häufigsten Fragen zu Allergie und Asthma DAAB, Trias

 

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