Vocal Cord Dysfunction (VCD)

Allgemein


Die Vocal Cord Dysfunction ist eine sehr seltene Erkrankung. Mit VCD bezeichnet man eine Funktionsstörung der Stimmbänder, die sich "eng stellen" und dadurch anfallartige Atembeschwerden auslösen. Dies passiert am häufigsten beim Einatmen, kann aber auch beim Ausatmen oder beim Ein- und Ausatmen vorkommen.

Die Vocal Cord Dysfunction tritt im Kindesalter üblicherweise ab dem 9 bis 10 Lebensjahr auf. Betroffen sind überwiegend Mädchen. Weibliches Geschlecht ist damit ein Risikofaktor für die Vocal Cord Dysfunction. Auch Schweres Asthma ist häufig mit VCD assoziiert und damit ein Risikofaktor. Die VCD kann aber auch als Einzelerkrankung auftreten.

Die VCD steht in keinem direkten Zusammenhang zu Allergien. Allerdings können Erkrankungen, die u.a. auch durch Allergien ausgelöst werden können, zu einer Vocal Cord Dysfunction führen. Z.B. kann eine Chronische Rhinitis, eine Chronische Sinusitis oder ein Allergisches Asthma die Entwicklung einer VCD  begünstigen, denn dadurch kann es zu einem Nasal Drip Syndrom kommen. Beim Nasal Drip Syndrom läuft stetig Sekret in den Kehlkopfbereich, was eine Verengung der Stimmbander verursachen kann. Deshalb gehört die Allergiediagnostik bei einer Vocal Cord Dysfunction zur Diagnose.

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Symptome


Die Vocal Cord Dysfunction (VCD) macht sich in erster Linie durch eine plötzlich auftretende Atemnot bemerkbar. Ausgelöst wird diese Atemnot dadurch, dass sich die Stimmbänder eng stellen und das Einatmen, Ausatmen oder beides erschweren.  Da die Symptome der VCD denen des Asthma bronchiale ähneln, kann dies eine Diagnose erschweren.  

Potenzielle Auslöser der Beschwerden bei einer Vocal Cord Dysfunktion können u.a. sein:

  • Anstrengung bzw. sportliche Aktivitäten (vornehmlich bei Kindern und Jugendlichen)
  • Kalte Luft
  • Stäube und Umweltverschmutzung
  • Parfüms
  • Gerüche

Anzeichen für eine Vocal Cord Dysfunction findet man häufig schon in der Anamnese, wenn die Patienten über eine plötzliche, anfallsweise auftretende Atemnot berichten, die sich im Bereich des Kehlkopfes bemerkbar macht.

Ein typisches Symptom für die Vocal Cord Dysfunction ist eine anfallsartige Atemnot, die relativ plötzlich einsetzt und ebenso schnell wieder verschwindet. Da sich bei der VCD die Stimmbänder am häufigsten bei der Einatmung verschließen, besteht die Atemnot mit einem pfeifenden Geräusch überwiegend beim Einatmen und lokalisiert auf den Kehlkopfbereich. Das unterscheidet die Symptome der Vocal Cord Dysfunction von den Symptomen des Asthmas, denn der Asthmatiker spürt die Atemnot mehr im Bereich des Brustkorbes mit einem pfeifenden Geräusch während des Ausatmens. Für die Betroffenen ist ein VCD-Anfall deshalb oft beängstigend.  Auch die Schwierigkeit zu sprechen kennzeichnet einen VCD-Anfall.

Im Gegensatz dazu entwickeln sich die Beschwerden beim Anstrengungsasthma langsam und lassen auch langsamer wieder nach.  

Ein VCD-Anfall kann zwischen einigen Minuten und zwei Stunden andauern. In chronischen Fällen können die Stimmbänder auch dauerhaft leicht verengt sein.

Je nach Auslöser können die Anfälle bei der Vocal Cord Dysfunction häufig auftreten, immer dann, wenn der Patient mit „seinem“ Trigger in Berührung  kommt. Jeder Patient mit Vocal Cord Dysfunction hat seinen persönlichen Trigger, welcher die Anfälle auslöst.

Obwohl ein VCR-Anfall Todesangst auslösen kann, ist ein Ersticken beim VCD-Anfall nicht möglich, da sich die Stimmbänder immer rechtzeitig wieder entspannen.

Diagnose


Neben der gründlichen Anamnese, die oft schon erste Hinweise auf eine mögliche Vocal Cord Dysfunction gibt, gehört zur Diagnostik auch immer eine Laryngoskopie, d.h. eine Spiegelung des Kehlkopfes.

Im Rahmen der Diagnostik sollte versucht werden, einen Vocal Cord Dysfunction-Anfall zu provozieren,  entweder durch eine Laufbelastung oder durch einen Methacholintest.

Nachdem der Patient mit Atemnot reagiert, wird erneut eine Laryngoskopie durchgeführt.
Wenn der individuelle Trigger der Anfälle bekannt ist, z.B. Parfüms, Zigarettenrauch etc. kann man auch direkt mit diesen Auslösern provozieren.

Therapie


Die frühe Diagnose der Vocal Cord Dysfunction ist eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie. Dann besteht eine sehr gute Chance auf Therapieerfolg.

Wird die Vocal Cord Dysfunction nicht erkannt und der Patient stattdessen auf „schweres Asthma“ behandelt, kann die VCD chronifizieren, denn Patienten mit Vocal Cord Dysfunction sprechen auf eine Asthmatherapie nicht an und die VCD bleibt dann unbehandelt.

Ist die eigentliche Grunderkrankung eine Chronische Rhinitis oder eine Chronische Sinusitis und kommt es dadurch zum Postnasal-Drip-Syndrom, das die Vocal Cord Dysfunction auslöst, wird man die Grunderkrankung behandeln. Das gleich gilt für den gastroösophagealen Reflux.

Ansonsten wird man zur Therapie der Vocal Cord Dysfunction eine Kombination von Entspannungsverfahren einsetzen, die sich auf den Bereich des Kehlkopfes,  des Halses, der Schultern und des Brustkorbes konzentrieren sollten. Hier empfiehlt sich eine Zusammenarbeit mit einem Sprachtherapeuten. Die Entspannungsübungen können neue Anfälle verhindern und helfen den Patienten im Falle eines erneuten Anfalls,  die Anspannung zu lösen und den Anfall zum Abklingen zu bringen.

Manchmal findet man durch die Laryngoskopie auch anatomische Veränderungen, wie z.B. Verengungen des Kehlkopfes oder der Stimmbänder vor, die dann operativ zu beheben sind.

Quellen


Vocal cord dysfunction in adolescents, Schulze J, Weber S, Rosewich M, Eickmeier O, Rose MA, Zielen S., Pediatr Pulmonol. 2012 Jun; 47(6):612-9. doi: 10.1002/ppul.21622. Epub 2012 Mar 13. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22415978

Quality of life for adolescents with vocal cord dysfunction], Schulze J, Weber S, Oddo S, Rosewich M, Rose MA, Zielen S., Pneumologie. 2012 Oct; 66(10):596-601. doi: 10.1055/s-0032-1310105. Epub 2012 Aug 7., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22872594

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