Allergie

Allgemein

Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem mit einer spezifischen Überempfindlichkeit gegenüber körperfremden Stoffen. Eine Allergie ist nicht angeboren, sondern erworben und entsteht erst nach wiederholtem Kontakt mit dem jeweiligen allergieauslösenden Stoff. Dabei wehrt sich das Immunsystem gegen Stoffe, die es als für den Körper gefährlich einstuft, obwohl dies nicht der Fall ist. Man bezeichnet eine allergische Reaktion deshalb auch als eine "überschießende" Reaktion des Immunsystems.

Allergie – das Immunsystem reagiert mit Antigenen

Die Stoffe, die diese "überschießende" Reaktion auslösen, bezeichnet man als Allergene. Diese Allergene kommen in Pollen, Nahrungsmitteln oder anderen, auch nicht natürlichen Substanzen vor. Sie können entweder durch Einatmen, durch die Nahrung oder über die Haut mit dem Körper in Kontakt kommen. Wenn dieser Kontakt erfolgt ist, bildet der Körper spezifische Antikörper bzw. Antigene gegen diese Allergene und wenn eine entsprechende erbliche Veranlagung besteht, bzw. wenn ein erneuter Kontakt mit dem Allergen erfolgt, kann es zu einer allergischen Reaktion kommen. Bei einer Allergie vom sogenannten Typ 1 lassen sich im Blutserum die IgE-Antikörper als Reaktion auf das Allergen nachweisen.

Die allergische Reaktion erfolgt auf die Allergenkomponenten, d.h. auf einzelne Proteine

Allergene bestehen aus einzelnen Komponenten bzw. einzelnen Proteinen und eine Sensibilisierung kann auf jede einzelne Komponente bestehen. Dabei haben die einzelnen Komponenten einen jeweils unterschiedlichen Stellenwert. Es gibt Majorallergene und Minorallergene, auf die unterschiedlich viele Patienten allergisch reagieren und die somit  ein unterschiedliches Potenzial bzgl. der Häufigkeit der Auslösung einer Allergiesymptomatik aufweisen.

Eine Allergie kann in vielen verschiedenen Ausprägungen auftreten

Eine Allergie beginnt oft schon im frühesten Kindesalter, kann aber auch in jedem Lebensalter auftreten. Von der Allergie können unterschiedliche Organsysteme betroffen sein, sowohl isoliert als auch in Kombination. Es sind dies am häufigsten:

  • Die Atemwege
  • Die Haut
  • Der Magen-Darm Trakt
  • Das Herz-Kreislauf-System

Allergien können sich u.a. in folgenden Krankheitsbildern zeigen:

Was ist eine Pollenallergie? Was sind die Auslöser?

In Mitteleuropa sind wind-, insekten- und selbstbestäubende Pflanzen bekannt. Pollen windbestäubender Pflanzen wurden schon früh als Hauptverursacher des allergischen Schnupfens erkannt. Die Pollenkörner dienen der Fortpflanzung. Sie werden vor allem durch den Wind verteilt und müssen daher leicht abgegeben werden können und schwebfähig sein.

Windbestäubende Pflanzen müssen den sehr ineffektiven Mechanismus der ungerichteten Freisetzung ihrer Pollen durch die Produktion großer Mengen ausgleichen. So produziert eine einzige Roggenpflanze ca. 21 Millionen Pollen, eine Sauerampferpflanze sogar ca. 400 Millionen Pollen. Bei Bäumen liegt die Blühperiode daher meistens vor der Blattentfaltung, die für die Pollenverbreitung hinderlich wäre (Birke, Hasel, Erle u. a.). Nach der Blühperiode werden Pflanzen in Früh-, Mittel- und Spätblüher eingeteilt (Januar bis April, Mai bis August, September bis Dezember). Diese zeitliche Einteilung ist jedoch keineswegs immer gültig. So kommen Pflanzen in den Bergen als Mittelblüher vor, welche in der Ebene zu den Frühblühern gezählt werden. Weiterhin existiert z. B. in Deutschland eine Blühverzögerung von Südwesten nach Nordosten. Deshalb ist eine vollständige Vermeidung von Pollen nicht zu erreichen, es ist aber möglich, die Pollenbelastung zu reduzieren.

Allergie gegen Nahrungsmittel

Bei einer Allergie gegen Nahrungsmittel reagiert das Immunsystem auf den Verzehr des "individuellen" Allergens mit der Bildung sogenannter Antikörper. Dies kann zu Beschwerden führen, die sich von Patient zu Patient sehr unterschiedlich äußern können. Bei einer Nahrungsmittelallergie kann es zu Reaktionen der Verdauungswege kommen, wie z.B. Halsjucken, Engegefühl im Hals, Lippenschwellung, Sodbrennen, Magenschmerzen, Blähungen oder Durchfall.

Die Liste der Nahrungsmittel, die Allergien hervorrufen können, ist fast beliebig lang. Besonders häufig rufen Vollmilch, Hühnerei, Obst, Nüsse, Gewürze und Fisch Allergien hervor. Aber auch eher seltene Nahrungsmittel können im Einzelfall die Ursache der allergischen Beschwerden sein. In der letzten Zeit werden häufiger auch Nahrungsmittelallergien gegenüber sehr "gesunden" Naturprodukten der biologisch-ökologischen Ernährungsweise beobachtet, wie insbesondere Körner und Samen.

Nahrungsmittelallergie ist nicht gleich Nahrungsmittelunverträglichkeit

Neben den Nahrungsmittelallergien gibt es die Pseudoallergien oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten, die sich ebenfalls in jedem Alter entwickeln können. Bei der Nahrungsmittelintoleranz kommt es zu allergieähnlichen Symptomen, ohne dass das Immunsystem beteiligt ist – hier lassen sich  keine Allergie-spezifischen Antikörper vom Typ IgE im Blut nachweisen und die klassischen Hauttests zum Nachweis einer sog. Typ-I-Allergie können negativ sein.

Zu den Nahrungsmittelintoleranzen oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten zählen u.a.:

Allergie und Kreuzallergie bzw. pollenassoziierte Nahrungsmittelallergien

Besteht eine Allergie, z.B. eine Pollenallergie, ist es möglich, dass es zusätzlich zu allergischen Reaktionen auf bestimmte Nahrungsmittel kommt - man spricht dann auch von Kreuzallergien oder pollenassoziierten Nahrungsmittelallergien. Z.B. kann es sein, dass bei einer Allergie auf Lieschgras u.a. auch nach dem Verzehr von Roggen Allergiesymptome auftreten, weil Roggen eine dem Lieschgras ähnliche Protein-Struktur aufweist. Grundsätzlich ist eine Kreuzreaktion auf jedes Allergen möglich.

Allergie auf Insektengift

Insektengiftallergiker können nach einem Stich einen allergischen Schock erleiden, der unbedingt als Notfall behandelt werden muss. Prinzipiell können alle Arten von Insektengiften Allergien hervorrufen. Wespen-, Bienen- und Hornissenstiche führen aber am häufigsten zu schwerwiegenden allergischen Reaktionen.

Allergischer Marsch und Etagenwechsel

Man spricht im Zusammenhang mit Allergien von einem „Allergischen Marsch“, wenn bei den Betroffenen zu einer vorhandenenallergischen Erkrankung weitere Allergieausprägungen hinzukommen oder wenn sich zu Reaktionen auf ein Allergen weitere hinzugesellen. Ein klassisches Beispiel hierfür ist der Säugling, der zunächst eine Neurodermitis entwickelt, dann eine Nahrungsmittelallergie, allergisches Asthma und schließlich eine Pollenallergie. Eine strikt vorgegebene Reihenfolge gibt es hierbei aber nicht. Vielmehr scheint es nicht vorhersehbar, in welcher Reihenfolge sich weitere allergische Erkrankungen entwickeln. Auch die Tatsache, dass immer mehr Menschen im Erwachsenenalter erstmals an einer Allergie erkranken, spricht gegen die Theorie des allergischen Marsches mit seiner festgelegten Abfolge. Fest steht lediglich, dass bei Bestehen einer atopischen Erkrankung das Risiko für weitere atopische Erkrankungen erhöht ist.

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Symptome

Die Symptome einer Allergie unterscheiden sich je nachdem, um welche allergische Erkrankung es sich handelt. Hierbei können einzelne oder mehrere Organsysteme betroffen sein.

Eine Allergie kann sich beispielsweise durch die folgenden Symptome manifestieren:

  • Niesanfälle, juckende, laufende, verstopfte Nase
  • Husten und Atemnot, vor allem bei Belastung
  • Rote, tränende juckende Augen
  • Hautreizungen, Schwellungen, Rötungen und Ekzeme
  • Bauchschmerzen, Krämpfe, Blähungen und Durchfälle
  • Mattigkeit, Schlafstörungen, Leistungseinschränkungen
  • Kribbelndes Gefühl und Schwellungen, insbesondere an den Schleimhäuten
  • Herz-Kreislauf Probleme bis hin zum Kollaps beim Anaphylaktischen Schock

Wie erkenne ich eine Pollenallergie bzw. einen Heuschnupfen?

Typischerweise beginnt die Pollenallergie mit Beschwerden wie Juckreiz in der Nase sowie Rötung und Fremdkörpergefühl der Augen. Je nach Intensität des Pollenflugs beginnt dann oftmals schlagartig das Vollbild der Erkrankung mit weißlich-wässrigem Sekretfluss, massivem Juckreiz, Niesattacken und Nasenatmungsbehinderung. Gemeinsam mit den Beschwerden tritt oftmals ein allgemeines Krankheitsgefühl mit Schwäche, Müdigkeit, Schlafstörungen und Abgeschlagenheit auf.

Wie erkenne ich eine Nahrungsmittelallergie?

Bei einer Nahrungsmittelallergie sind die Symptome nicht immer eindeutig. Der Allergologe wird deshalb zunächst ein sehr gründliches Gespräch führen (Anamnese) und neben dem Beschwerdebild auch die Ernährungsweise erfassen. Sehr hilfreich kann das Führen eines Ernährungstagebuches sein, in dem alle verzehrten Nahrungsmittel bzw. Getränke aufgelistet werden und angegeben wird, ob und welche Beschwerden auftreten. Hierdurch kann das auslösende Allergen oft schon eingekreist werden.

Die allergische Reaktion ist häufig nicht auf den Magen-Darm-Trakt beschränkt, sondern kann sich zusätzlich oder sogar ausschließlich durch Beschwerden an anderen Organsystemen äußern, wie z.B. Fließschnupfen, asthmatische Luftnot, Nesselfieber, Kreislaufstörungen und Kopfschmerzen. Bei stark ausgeprägter allergischer Reaktionsbereitschaft kann ein lebensbedrohlicher Schockzustand auftreten, selbst dann, wenn nur sehr geringe Mengen des Allergens verzehrt wurden.

Wie erkenne ich eine Kreuzallergie?

Jeder Allergiker kann eine Kreuzallergie entwickeln, insbesondere jedoch dann, wenn bereits eine Sensibilisierung auf mehrere Allergene vorliegt. Am häufigsten von Kreuzreaktionen betroffen sind Personen mit einer Pollenallergie auf früh blühende Bäume und Sträucher, wie Birke, Erle oder Hasel. Typische Anzeichen dafür sind Kribbeln, Juckreiz oder Schwellungen der Mund- und Rachenschleimhaut. Die Symptome können sofort oder erst einige Zeit nach dem Genuss der betreffenden Lebensmittel auftreten. In der Regel macht sich die Kreuzreaktion am stärksten während der Pollensaison bemerkbar.

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Wie erkenne ich eine Insektengiftallergie?

Eine gewisse Rötung und Schwellung der Haut nach einem Insektenstich ist normal. Die von den Insekten eingebrachten Substanzen führen zu einer Weitstellung der Blutgefäße und einer Ödembildung. Sollten diese Schwellungen jedoch größer als fünf Zentimeter im Durchmesser sein oder Allgemeinbeschwerden wie z.B. Atemnot, Juckreiz im Hals, an den Händen und Fußsohlen, Übelkeit/ Erbrechen oder Kreislaufbeschwerden hervorrufen, sollte unbedingt ein Allergologe aufgesucht werden.

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Diagnose

Welche Tests gibt es zum Nachweis von Allergien?

Am Anfang der Diagnose einer Allergie steht die Anamnese, d.h. die gründliche Befragung des Patienten.

Zur weiteren Diagnose von Allergien gibt es unterschiedliche Methoden. Die häufig verwendeten Diagnoseverfahren sind u.a.: der Prick-Test, der Intrakutantest, der Prick-to-Pricktest, der Reibe- und Scratchtest, der Epikutantest, der IgE-Test und der Provokationstest.

Bei dem sogenannten Pricktest wird ein Tropfen des Allergen-Extraktes auf die Haut aufgetragen und anschließend mit Hilfe einer Prick-Lanzette die Haut kurz angeritzt. Nach 15 Minuten kann das Ergebnis, durch Bestimmung der Rötung und der Quaddelgröße, abgelesen werden.

Beim Intrakutantest wird die Allergenlösung mit einer feinen Spritze in die Haut eingebracht. Auch hier erfolgt nach 15 Minuten als Ergebnis die Ablesung von Rötung und Quaddelgröße.

Beim Epikutantest, der auch als Pflastertest bekannt ist, werden die zu testenden Stoffe in kleinen Kammern mit einem Pflaster für drei Tage auf die Haut aufgegeben und nach dieser Zeit das Ergebnis abgelesen. Als Ergebnis zeigen sich kleine Bläschen und eine Rötung der Haut.

Provokationstests dienen dem sicheren Nachweis oder Ausschluss einer Allergie in Kombination mit den vorgenannten Hauttestungen. Sie werden an der Nase, den Bindehäuten der Augen oder den Bronchien durchgeführt und gelten als "Natur-ähnlichste" Allergietestverfahren. Das Allergen wird als Nasenspray, Inhalation oder Augentropfen eingebracht.

Bluttests untersuchen die vom Körper gebildeten Antikörper (IgE-Antikörper) als Ausdruck der Allergie oder Immunzellen, die an der allergischen Reaktion beteiligt sind.

Neue Möglichkeiten der Allergie Diagnose durch die Molekulare Allergiediagnostik

Im Gegensatz zu den bisher genutzten Standardtests wird bei der Molekularen Allergiediagnostik auf das Gesamtallergen bzw. auf dessen einzelne Komponenten getestet. Dadurch wird es möglich das auslösende Allergen wesentlich genauer zu identifizieren, als dies mit den traditionellen Diagnoseverfahren möglich ist. Insbesondere bei Kreuzallergien erleichtert die Molekulare Allergiediagnostik die richtige Diagnose und damit die richtige Therapie.

Bei Allergien kann eine frühe Diagnose den Ausbruch verhindern

Inzwischen steht fest, dass sich eine Allergie schon lange vor dem Ausbruch ankündigt. Sie lässt sich also diagnostizieren, ohne dass Beschwerden aufgetreten sind. In der Allergologie wird deshalb versucht, schon in einem frühen Stadium geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um einen Ausbruch der Allergie schon von vornherein zu vermeiden.  

Therapie

Die grundsätzliche Therapie bei einer Allergie besteht darin, das Allergen zu vermeiden. Bei einer Berufsallergie kann es deshalb erforderlich sein, die Tätigkeit oder gar den Beruf zu wechseln. Handelt es sich jedoch z.B. um eine Pollenallergie, also den Heuschnupfen, ist eine Allergenvermeidung nicht möglich. Man versucht deshalb in der Allergologie, wann immer dies möglich ist, eine präventive Strategie anzuwenden. Je nachdem, um welches Allergen es sich handelt wird versucht, die Entzündung durch Antihistaminika oder topische Steroide zu bekämpfen, damit die Symptome erst gar nicht auftreten.

Besteht die Gefahr, dass akute Beschwerden bzw. ein Anaphylaktischer Schock auftreten muss ein Notfallset, dessen wichtigster Bestandteil ein Adrenalin Autoinjektor ist, stets mitgeführt werden.

Allergie-Therapie durch "Abhärtung" durch eine Spezifische Immuntherapie SIT

Eine zunehmend angewandte und auch erfolgreiche Therapie ist die SIT – spezifische Immuntherapie. Dabei handelt es sich um eine Hyposensibilisierung mit dem Ziel, das Immunsystem gegen das Allergen "immun" zu machen. Eine SIT erfolgt in der Regel subkutan, d.h. unter die Haut (SCIT) oder sublingual, d.h. unter der Zunge (SLIT). Durch eine schrittweise Zufuhr des allergieauslösenden Allergens soll eine Toleranz des Immunsystems gegenüber dem Allergen erreicht werden. Kommt es dann "auf natürlichem Wege" zu einem Allergenkontakt, ist das Immunsystem "gewappnet" und ordnet das Allergen nicht mehr als feindlich ein. Damit setzt die SIT nicht erst bei den Symptomen der Allergie an, sondern bei den Ursachen. Eine SIT verhindert damit auch den gefürchteten Etagenwechsel zum allergischen Asthma. Eine SIT sollte deshalb so früh wie möglich zu Beginn des Krankheitsverlaufes erfolgen.

Aktuell kann eine Spezifische Immuntherapie (SIT) u.a. bei Allergien gegen die folgenden Allergene eingesetzt werden:

Was hilft bei Kreuzallergien?

Die wichtigste Maßnahme, um Kreuzreaktionen zu vermeiden, ist die Allergen-Karenz, also das Meiden der allergieauslösenden Lebensmittel.

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Was hilft bei Insektengiftallergie?

Ist bereits einmal eine stärkere Reaktion auf einen Insektenstich erfolgt, sollte unbedingt eine Abklärung durch einen Allergologen erfolgen, da nach einer derart durchgemachten "Sensibilisierung" das Risiko eines allergischen Schocks besonders groß ist. Betroffene Insektengiftallergiker erhalten dann Notfallmedikamente und einen Notfallausweis. Beides sollte während der Zeit des Bienen- und Wespenfluges (April bis November) stets mitgeführt werden.

Viel wichtiger ist jedoch eine Hyposensibilisierungsbehandlung, da diese als einzige Behandlungs-maßnahme langfristig einen sicheren Schutz vor schweren und lebensbedrohlichen allergischen Reaktionen nach Insektenstichen gewährleistet. Als neuartiges Verfahren bietet sich die sogenannte Cluster-Immuntherapie an oder auch die bewährte Rush-Immuntherapie. Bei diesen wird bereits innerhalb weniger Behandlungstage die Höchstdosis erreicht. Für den Patienten hat dies mehrere Vorteile: Die Behandlung ist nur mit einem geringen Zeitaufwand verbunden und erreicht sehr früh eine Schutzwirkung gegen Stiche. Mit den modernen Therapiemöglichkeiten können heute mehr als 95% aller Insektengiftallergikern die schwerwiegenden Reaktionen erspart werden.

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Praktische Tipps

Allgemeine Tipps zu Allergien:

  • Eine genaue Diagnose des auslösenden Allergens ist entscheidend für den Therapieerfolg.
  • Besteht eine Allergie mit akuten, lebensbedrohlichen Symptomen, d.h. einer Anaphylaxie, ist es lebenswichtig zu jeder Zeit ein Notfallset mit einen Adrenalin Autoinjektor und weiteren Medikamenten mit sich zu führen.

Tipps für den Alltag bei Pollenallergie:

  • Fenster und Türen zur Zeit des größten Pollenflugs geschlossen halten.
  • Pollenfilter in Klimaanlagen können bei ausreichender Kapazität der Anlage sehr wirkungsvoll sein. Wichtig ist die regelmäßige Wartung der Anlage, da sich sonst die Filter zusetzen oder bei Defekten sogar vermehrt Allergene in die Raumluft geblasen werden können.
  • Wichtig ist, das Einschleppen von Pollen ins Schlafzimmer zu vermeiden: Tageskleidung außerhalb des Schlafzimmers wechseln und aufbewahren, das Schlafzimmer tagsüber geschlossen halten.
  • Vor dem Schlafengehen bitte duschen und das Haar waschen, um alle anhaftenden Pollen wegzuspülen.
  • Bei Autofahrten sollten die Fenster geschlossen bleiben.
  • Sinnvoll ist, Pollenfilter in die Innenraumluftzufuhr einbauen zu lassen.
  • Beim Putzen im Haushalt sollte feuchten Reinigungsmaßnahmen der Vorzug gegeben werden.
  • Staubsaugen ist nur dann empfehlenswert, wenn das Gerät über entsprechende Filter und technische Ausstattung verfügt.
  • Sport oder andere körperliche Anstrengung im Freien sollte zur Zeit des stärksten Pollenflugs vermieden werden.
  • Bei der Urlaubsplanung kann man versuchen, dem Pollenflug ein Schnippchen zu schlagen:
    • So blühen in Nordeuropa Gräser, Bäume und Getreide generell später als in Mitteleuropa.
    • Birkenpollen treten in Skandinavien oft in hohen Konzentrationen auf. In Südwesteuropa, im südlichen Mittelmeerraum und auf den Kanarischen Inseln sind Birkenpollen dagegen kaum nachweisbar.
    • Im Hochgebirge besteht ab ca. 1500 – 1800 m eine deutlich geringere und zeitlich kürzere Pollenbelastung als im Flachland (in den Alpen unterschiedlich je nach klimatischen Gegebenheiten). Die Gräserblüte dauert selten länger als zwei Wochen, kann jedoch intensiv sein. Ab Anfang Juli kann man in den Alpen oberhalb von 2000 m mit Pollenfreiheit rechnen.
    • Küstenlandschaften sind dann empfehlenswert, wenn überwiegend Seewinde herrschen. In Europa sind die Nordseeküsten sowie die französische, spanische und portugiesische Atlantikküste (weniger Ostsee) durch ihre geographische Lage als pollenarm einzustufen (weite Wasserflächen in Nordwest-Richtung bei überwiegenden NW-Winden). Im europäischen Mittelmeerraum ist küstennah eine geringe Gräser- und Birkenpollenbelastung zu finden. Entsprechendes gilt für küstennahe Inseln.

Tipps für den Alltag bei Nahrungsmittelallergie:

  • Oberstes Therapiegebot ist, das zu meiden, was krank macht. Lassen Sie sich gezielt ärztliche Informationen geben, welche einzelnen Nahrungsmittel oder Nahrungsmittelgruppen (oft bestehen sogenannte Gruppenreaktionen bei Nahrungsmittelfamilien) Sie bei der Ernährung auslassen müssen.
  • In einigen Fällen treten Schwierigkeiten auf, wenn das krankmachende Allergen (z.B. ein Gewürz, Gemüse oder Konservierungsstoff) in "versteckter" Form in einem Gericht oder einem Fertigprodukt vorliegt und Sie es unwissentlich verzehren.
  • Beim Kauf von Fertiggerichten und Konserven sollten Sie immer auf die Angabe der Inhaltsprodukte und Beigaben achten.
  • Beim Besuch eines Lokals ist es keine Schande, beim Kellner oder Koch nachzufragen, ob in dem ausgewählten Gericht das zu meidende Allergen vorhanden ist!
  • In Fällen, in denen ein Grundnahrungsmittel, das nicht regelmäßig gemieden werden kann, allergische Reaktionen hervorruft, kann ein medikamentöser Therapieversuch gemacht werden. Die regelmäßige Einnahme eines sogenannten Cromoglicats kann zu einem vorbeugenden – keinesfalls jedoch 100 %igen - Schutz führen.
  • Wenn bei Ihnen eine Nahrungsmittelallergie vorliegt, die zu sehr starken und evtl. bedrohlichen Beschwerden führen kann, wird Ihr Arzt Ihnen Medikamente verordnen, die Sie im Notfall direkt selbst anwenden können. Sie dienen aber nur der Überbrückung bis zum Aufsuchen des Arztes. Zu diesen Medikamenten können z.B. schnell wirksame Kortisonpräparate (Zäpfchen, wasserlösliche Tabletten), Antihistaminika, Sprays gegen asthmatische Beschwerden sowie kreislaufstützende Präparate zur Schockbehandlung (Adrenalin in Spray- oder Spritzenform) gehören.
  • In den meisten Fällen verlaufen Nahrungsmittelallergien nicht in so dramatischer Form. Dennoch sollten Sie Ihre Erkrankung – ohne Übertreibung - ernst nehmen und sich nach den Ratschlägen Ihres Arztes verhalten.

Tipps für den Alltag bei Kreuzallergie

  • Bevorzugen Sie Nahrungsmittel mit geringem Allergen-Potenzial: Dazu gehören bei Obst Beeren und Zitrusfrüchte, bei Gemüse Salate, Salatgurke und gekochtes Gemüse, wie Aubergine, Brokkoli, Kohl, Kartoffeln, Paprika, Prinzessbohnen, Spinat, Spargel oder Zucchini. Getreide-Allergiker können zumeist Buchweizen, Schmelzhaferflocken, geschälten Reis, Knäckebrot und Sauerteigbrot gut vertragen. Bei Nüssen gelten Pekan- und Kokosnüsse und bei Gewürzen Ingwer, Lorbeer, Muskatnuss, Nelken, Zimt und getrocknete Kräuter wie Majoran, Rosmarin, Salbei und Thymian als unproblematisch.
  • Kritisch sind insbesondere rohes Obst, Obstsäfte, Müsli und Körnerbrötchen. Durch Kochen (mindestens drei Minuten lang) kann das Allergen-Risiko von Obst und Gemüse gemindert werden. Ähnliches gilt für Kompott und Konservenwaren. Auch gut durchgebackenes Misch- oder Vollkornbrot und Brot aus sehr fein gemahlenem Getreide wirkt nach dem Ausbacken weniger allergen.
  • Wer Beschwerden nach dem Genuss von Äpfeln bekommt, sollte es mit leicht unreifen Früchten versuchen, da diese oft besser vertragen werden. Auch alt-deutsche Sorten (z. B. Berlepsch  Boskop, Gravensteiner, Gloster, Jamba) bereiten meist seltener Probleme als neue Züchtungen (z. B. Cox, Delicious, Granny, Jonagold, Braeburn).
  • Um Vitamin- und Mineralienmangel vorzubeugen, auf eine ausreichende Versorgung mit Milch, Milchprodukten, Fleisch, Fisch und Eiern achten.
  • Bei Fertiggerichten kann es aufgrund der zahlreichen Inhaltsstoffe besonders häufig zu allergischen Problemen kommen. Lesen Sie daher die Deklaration auf der Verpackung ganz genau.

Tipps für den Alltag bei Insektengiftallergie

  • Sinnvoll ist es, den Kontakt mit dem entsprechenden Insekt zu vermeiden. So kommt es häufig an Abfallbehältern oder überall dort, wo im Freien Süßspeisen oder Fleisch und Wurstwaren verzehrt wurden, zu Stichen durch Insekten.
  • Flaschen /Gläser / Getränkedosen sollten im Freien unbedingt abgedeckt und vor dem Trinken kontrolliert werden.
  • Leider lockt auch Kleidung in bunten, knalligen Farben Insekten an, die diese häufig mit einer blühenden Sommerblume verwechseln! Wespen und viele andere Insekten sind auch für wohlriechende Verlockungen sehr empfänglich und „fliegen“ auf bestimmte Parfums, Deodorants oder Rasierwässer.
  • Achtung auch beim Barfuß gehen über Wiesen oder Rasen: Wespen suchen hier oft Nahrung und bauen ihre Nester z. T. in der Erde. Hier sind sie dann besonders aggressiv und stechen schnell zu.
  • Für Betroffene ist es wichtig zu wissen, dass Insektensprays niemals eine vollständige Schutzwirkung bieten können.

Quellen

  • Allergiezentrum Wiesbaden: Informationen für allergische Patienten: www.Allergiezentrum.org
  • Johannes Ring (DAAU), Claus Bachert (DGAKI), Carl-Peter Bauer (GPA), Wolfgang Czech (ÄDA) – alle Hrsg.: Weißbuch Allergie in Deutschland. 3. Überarbeitete und erweiterte Auflage Springer Medizin, Urban & Vogel GmbH, München 2010
  • Joachim Saloga, Ludger Klimek, Roland Buhl, Wolf Mann, Jürgen Knop, Stephan Grabbe (alle Hrsg.): Allergologie-Handbuch: Grundlagen und klinische Praxis
  • „Kreuzallergien: Welche Möglichkeiten bietet die Molekulare Allergiediagnostik?“, MeinAllergiePortal, 10.06.2013
  • „Allergien – Maßnahmen und neue Therapien“, MeinAllergiePortal, 19.06.2013

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