Allergische Konjunktivitis, Bindehautentzündung

Prof. Dr. med. Gerd Geerling, Leiter der Augenklinik am Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD).

Allergische Konjunktivitis: Was bedeutet „allergische Bindehautentzündung“?

Gibt es Krankheitsbilder, mit denen man die allergische Konjunktivitis verwechseln könnte?

Krankheitsbilder, mit denen die allergische Konjunktivitis verwechselt werden könnte, sind das "Trockene Auge" oder andere chronische Bindehautreizungen, z. B. durch Augentropfen oder Medikamente. Außerdem gibt es noch die sogenannte "Augengrippe", Viruserkrankungen oder Unverträglichkeitsreaktionen auf Medikamente, die sich durch ähnliche Symptome äußern können. Zu den Unverträglichkeitsreaktionen auf Medikamente gehören z.B. das Stevens-Johnson-Syndrom oder, als Maximalkomplikation, das Lyell-Syndrom.

Wie sieht die Therapie bei der allergischen Konjunktivitis aus?

Die erste Maßnahme zur Therapie einer allergischen Konjunktivitis ist die Allergenvermeidung, vorausgesetzt, dies ist möglich.

Weiter können Pflegemittel, d.h. Tränenersatzmittel auch für Allergiker durchaus hilfreich sein, denn sie spülen die Allergene und Entzündungszellen aus den Augen aus.

Bei Patienten, die an einer typischen Pollenallergie oder einer Hausstaubmilbenallergie leiden, geht man aktuell davon aus, dass die Behandlung durch eine Desensibilisierung bzw. Spezifische Immuntherapie (SIT) bei der allergischen Konjunktivitis hilfreich sein kann.

In diesen Fällen ist es auch sinnvoll, eine  entzündungszellstabilisierende Therapie einige Wochen VOR Beginn des Pollenfluges zu starten. So vermeidet man, dass es überhaupt zu Symptomen kommen kann. Zur Behandlung eignet sich Cromoglicinsäure, ein bewährtes Präparat.

Augentropfen, die Antihistaminika, z.B. Levocabastin enthalten, kann man einsetzen, um die Entzündungszellen und einen akuten Juckreiz sofort zu stoppen. Auch Kortison kann in Form von Augentropfen eingesetzt werden und in schwersten Fällen auch als Tabletten.

Wichtig ist bei allen Augentropfen, dass die Produkte bei häufiger und längerer Anwendung Konservierungsmittelfrei sind. So vermeidet man, dass das Auge durch das Konservierungsmittel erneut gereizt wird. In  sehr schweren Fällen, z.B. bei Patienten mit Neurodermitis oder Keratokonjunktivitis vernalis setzt man auch Immunsuppressiva ein.

Was ist eine Keratokonjunktivitis vernalis?

Eine Keratokonjunktivitis vernalis ist eine sehr schwerwiegende Form der allergischen Konjunktivitis. Sie tritt bei jungen Menschen konzentriert auf und zeigt sich vermehrt in der Pollenflugsaison und im Herbst.

Bei der Keratokonjunktivitis vernalis kann es zu Blutgefäß-Einsprießungen in die Hornhaut und zu Geschwüren der Hornhaut kommen, d.h. zu schwersten Krankheitsverläufen.

Wir beteiligen uns zurzeit gerade an einer internationalen Multicenter Studie zur Keratokonjunktivitis vernalis. Getestet wird ein neues entzündungshemmendes Medikament mit dem Wirkstoff Ciclosporin, der zu der Gruppe der Immunsuppresiva gehört.

Ciclosporin wird seit Jahren neben allergischen Erkrankungen auch zur Behandlung des Trockenen Auges eingesetzt. In Deutschland liegt jedoch kein zugelassenes Präparat vor. Es ist noch möglich, sich an der Studie zu beteiligen, Interessierte sollten sich mit unserer Studienambulanz in Verbindung setzen.

Herr Prof. Geerling, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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