Exogen-allergische Alveolitis EAA Farmerlunge Vogelhalterlunge

Prof. Dr. Jens-Oliver Steiß, Facharzt für Kinder und Jugendmedizin, Allergologie und Kinder-Pneumologie in Fulda und Oberarzt an der Universitäts-Kinderklinik Gießen, Funktionsbereich Pädiatrische Pneumologie

Exogen-allergische Alveolitis (EAA) bei Kindern: Wie erkennt man sie?

Wie diagnostizieren Sie eine exogen-allergische Alveolitis beim Kind?

Es gibt keine definitiven diagnostischen Tests für die EAA.

Unter den verschiedenen vorgeschlagenen diagnostischen Kriterien eignen sich folgende besonders zur Verifizierung der Diagnose der exogen-allergischen Alveolitis:

1. Antigenexposition

2. Expositions- und/oder zeitabhängige Symptome

3. Spezifische IgG-Antikörper im Serum  

4. Knisterrasseln

5. Typische Veränderungen im konventionellen Röntgenbild oder im HR-CT

6. pO2 in Ruhe und oder bei Belastung erniedrigt oder verminderte Diffusionskapazität

Sind alle 6 Kriterien erfüllt, liegt eine exogen-allergische Alveolitis vor.

Fehlt eines der Kriterien, kann dieses Kriterium durch eine der folgenden Kriterien ersetzt werden:  

1.    Lymphozytose  in der bronchoalveolären Lavage

2.    Typische histologische Merkmale

3.    Positiver Karenztest

4.    Positive inhalative Exposition oder Provokationstestung

Radiologisch weisen die meisten Kinder bereits eine auffällige Thoraxübersichtsaufnahme auf. Dabei finden sich retikulonoduläre, d.h. netzförmige und knötchenartige, Veränderungen, oder eine interstitielle, d.h. dazwischenliegende, Zeichnungsvermehrung in den Bronchien. In der hochauflösenden Computertomographie wird zumeist eine milchglasartige Trübung, eine feinretikuläre Zeichnungsvermehrung mit Knötchen und bei fortgeschrittener Erkrankung ein Honigwabenmuster oder Bronchiektasen, das sind irreversible Ausweitungen einer Bronchiebeschrieben. Lungenfunktionsanalytisch wegweisend ist eine restriktive Ventilationsstörung, d.h. eine Störung der Atmung, bei der das Lungenvolumen und die Dehnbarkeit der Lunge vermindert sind, mit reduzierter Diffusionskapazität, d.h. mit reduzierter Kapazität des Sauerstoffaustauschs der Lunge.

Wie sieht die Therapie der exogen-allergischen Alveolitis beim Kind aus?

Wichtigste therapeutische Maßnahme bei der exogen-allergischen Alveolitis  ist die Allergenkarenz unter Berücksichtigung möglicher Kreuzreaktionen. So sollten z. B. Patienten mit einer Taubenzüchterlunge auch den Kontakt mit Ziervögeln, Enten, Gänsen und Hühnern meiden.

Meist wird eine zusätzliche systemische Steroidtherapie befürwortet, um floride, d.h. akute, immunologische Prozesse rasch zu unterdrücken. Systematische Studien, die die Wirksamkeit belegen, stehen allerdings noch aus. Der Verlauf hängt letztendlich von der Karenz ab. Die Prognose erstreckt sich von kompletter Heilung bis hin zur Lungenfibrose.

Herr Prof. Steiß, herzlichen Dank für dieses Gespräch!   

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden.