Hyposensibilisierung Pferdeallergie Curly Horse

Dr. Wolfgang Mitlehner, Arzt für Innere Medizin, Schwerpunkt Lungen- und Bronchialheilkunde, Allergologie, Betreuung von Pferdeallergikern in Klappholz

Pferdeallergie: Hyposensibilisierung durch Reiten von Curly Horses?

Wie nachhaltig ist die hypoallergene Wirkung der Curly Horses?

Bisher wissen wir nur, dass die Pferdeallergiker nach 10 Reitstunden mit Curly Horses keine allergischen Reaktionen mehr auf diese Pferde zeigten und nach 40 Reitstunden auch nicht mehr auf normale Pferde.

Ob es sich dabei um eine Immuntoleranzinduktion oder um eine Desensibilisierung handelt, wäre die nächste Frage.

Was ist der Unterschied zwischen einer Immuntoleranzinduktion und einer Desensibilisierung?

Bei der Immuntoleranzinduktion erfolgt der Kontakt mit dem Allergen bzw. unverträglichen Material täglich und wird langsam aufdosiert, bis eine bestimmte verträgliche Menge erreicht ist. Danach muss die Immuntoleranzinduktion mit regelmäßigen Allergengaben aufrechterhalten werden, um die Immuntoleranz aufrecht zu erhalten.

Eine Desensibilisierung wird z.B. über die spezifische Immuntherapie erreicht, bei der der Patient über mindestens drei Jahre per Spritze mit dem Allergen konfrontiert wird. Nach Abschluss der Therapie ist der Patient dann dauerhaft bzw. über einen sehr langen Zeitraum, desensibilisiert, ohne dass weiterhin Allergengaben nötig sind.

Bei den Curly Horses wissen wir aktuell noch nicht, wie lange der Desensibilisierungs-Effekt anhält, das untersuchen wir seit 2014 in der erwähnten Studie. Außerdem überprüfen wir in Zusammenarbeit mit der Charité zurzeit auch die Allergenität der Curly Horses.

Wie untersuchen Sie die Allergenität der Curly Horses?

Dafür haben wir sowohl von den in unserer Studie genutzten Curly Horses, als auch von normalen Pferden Haar-, Hautschuppen und Speichelproben entnommen und im Immunoblot gegen das Serum von Patienten mit einer Pferdeallergie getestet. Schon im Prick-Test mit nativen Allergenextrakten waren die Reaktionen der Pferdeallergiker auf das native Curly Horse-Allergen schwächer als auf das Allergen normaler Pferde. Diesen Effekt wollen wir nun im Labor überprüfen und sehen, ob es in Bezug auf die Allergenität Unterschiede zwischen den Haaren und dem Speichel gibt.

Die Speichelproben zu gewinnen war gar nicht so einfach. Dafür sind wir zunächst mit den Pferden galoppiert, bis sie ins Schwitzen kamen und der Speichelfluss angeregt war. Mit einem Sauger, ähnlich wie ihn der Zahnarzt verwendet, wurde der Pferdespeichel abgesaugt und in einem Spezialrohr zentrifugiert und aufbereitet.

Man kann vermuten, dass sich die Allergenität des Speichels von Curly Horses nicht von normalen Pferden unterscheidet,  sondern dass ihre Haare weniger allergen sind. Theoretisch wäre es möglich, dass nicht die Allergenität der Curly Horse-Allergene der ausschlaggebende Faktor für ihre bessere Verträglichkeit für Pferdeallergiker ist, sondern die Beschaffenheit ihrer Haut. Curly Horses produzieren deutlich mehr Talg – nach dem Streicheln der Tiere muss man sich gleich die Hände waschen. Curlies riechen auch anders als andere Pferde – die könnte ein Hinweis auf eine unterschiedliche Zusammensetzung der von ihnen produzierten Proteine sein. Vielleicht sorgt aber auch der Talg der Curly Horses dafür, dass die Hautschuppen eher am Fell kleben bleiben und nicht so stark in der Luft verwirbeln, wie bei anderen Pferderassen. Auch dies könnte ein Grund dafür sein, dass Curlies bei Pferdeallergikern weniger Symptome auslösen.  

Wie geht es weiter mit Ihren Curly Horse-Studien?

Zusammen mit der Humboldt-Universität in Berlin plane ich eine vierte Studie, bei der die für die Allergenproduktion verantwortlichen Gene der Curly Horses identifiziert und mit denen normaler Pferde verglichen werden sollen, man nennt das Gen-Chipping. Ziel ist es, das betreffende Gen zu deaktivieren und so eine „Allergenfreiheit“ der Pferde zu erreichen.

Herr Dr. Mitlehner, vielen Dank für dieses Gespräch!

Quellen:

Mitlehner W., Mitlehner H. C., Niggemann B., Horse Allergy: Curly Horses Allow Horse Allergic Riders To Ride Again, Pneumologie. 2015 Dec;69(12):711-718. Epub 2015 Dec 9, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26649597

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