Allergie auf Kleintiere

Dr. Maud-Bettina Hilka, HNO-Gemeinschaftspraxis Wiesbaden

Allergien auf Kleintiere: Wie allergen sind Ratten, Mäuse, Hamster & Co.?

Raten Sie denn Menschen mit Allergien grundsätzlich von Haustieren oder Berufen mit Tierkontakt ab?

Mein Rat lautet grundsätzlich: Wenn man eine Sensibilisierung hat, z.B. gegen Pollenallergene, sollte man in Bezug auf das Anschaffen eines Haustieres sehr zurückhaltend sein, denn das Abschaffen eines Haustieres ist für die Besitzer sehr schmerzhaft.   

In Expertenkreisen gab es Diskussionen darüber, inwiefern sich das Immunsystem durch den Kontakt mit einem Tier positiv stimulieren lässt. Man weiß aber aktuell nicht, in welchen Fällen dieser Kontakt zu einer Art „Abhärtung“ gegen das Allergen führt und wann sich dadurch eine Allergie entwickelt.

In den USA hat man z.B. versucht, Kleinkinder durch den frühen Kontakt mit Katzen quasi zu immunisieren. Man ist mittlerweile von dieser Methode aber wieder abgekommen, weil es leider nicht funktioniert hat. Momentan wird sehr intensiv an den Zusammenhängen zwischen dem Mikrobiom des Darmes und Allergien geforscht. Eventuelle ergeben sich hier Ansatzpunkte zur Allergieprävention.

Zurück zu den berufsbedingten Allergien auf Kleintiere: Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Bei der Therapie kommt es darauf an, in welcher Situation sich der Patient befindet. Wenn es irgendwie möglich ist, würde man versuchen, spezielle Schutzmaßnahmen zu ergreifen, den Patienten innerbetrieblich umzusetzen oder ihn aus dem beruflichen Milieu zu entfernen.
Wenn ein Betroffener aber eine hochqualifizierte spezialisierte Ausbildung durchlaufen hat und seinen Beruf nicht so einfach wechseln kann, ist dies natürlich ein sehr gravierendes Problem, das man versuchen sollte, anders zu lösen.

Eine meiner Patientinnen hatte im Laufe ihrer Berufstätigkeit als Biologin eine Allergie auf Ratten entwickelt, die wir erfolgreich mit einer Immuntherapie behandelt haben, so dass sie weiterhin in ihrem Beruf arbeiten konnte. Auch bei einer Reitlehrerin, die plötzlich eine Allergie gegen das Pferdeepithel entwickelt hat, konnten wir durch eine Hyposensibilisierung erreichen, dass sie ihren Beruf nicht aufgeben musste. Allerdings sind dies die großen Ausnahmen.

Gibt es denn fertige Extrakte für solche Hyposensibilisierungen?

Standardextrakte gibt es dafür nicht, aber es gibt spezialisierte Firmen, die solche Extrakte individuell herstellen, im Falle der Ratten aus dem Urin der Tiere. Das ist natürlich extrem aufwändig und sehr teuer. In bestimmten Fällen ist es volkswirtschaftlich aber sicher sinnvoller, als eine Berufsunfähigkeit oder eine Umschulung.

Was kann man bei einer Berufsallergie tun, wenn eine spezifische Immuntherapie nicht möglich ist. Helfen die klassischen Allergiemedikamente?

Das kommt darauf an, wie intensiv der Allergenkontakt ist. Zunächst würde man, wie gesagt, versuchen, den Allergenkontakt zu reduzieren, sei es durch eine bessere Belüftung, Mundschutz oder eine räumliche Veränderung. Kommt es dann nur noch selten zum Allergenkontakt, kann man die Symptome mit einem lokalen Nasenspray, was häufig nicht ausreicht, oder einem Antiallergikum punktuell unterdrücken. Genauso würde man vorgehen, wenn ein Katzenallergiker einen Besuch bei einem Katzenhalter plant und dafür ein Antiallergikum einnimmt.

Sollte es aber täglich zu einem Kontakt mit dem Allergen kommen, ist schon zu überlegen, ob man die tägliche Einnahme eines Antiallergikums als Langzeittherapie rechtfertigen kann, das schließlich lebertoxisch wirkt.

Eine Hyposensibilisierung für private Kleintierhalter macht wahrscheinlich wenig Sinn…

Nein, eine Immuntherapie von Tierbesitzern, z.B. auf das Meerschweinchen-Allergen, ist nicht zu befürworten. Diese Behandlung dauert drei Jahre und das entspricht ungefähr der durchschnittlichen Lebensdauer eines Meerschweinchens. Da ist es sinnvoller das Tier in andere gute Hände zu geben. Mit diesem Ratschlag macht man sich, insbesondere bei den Kindern, sicher keine Freunde, aber dass ein Kind dann nach Jahren mit einem Asthma wiederkommt ist sicher keine akzeptable Alternative.

Frau Dr. Hilka, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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