Allergenfreie Katzen

Prof. Dr. rer. pharm. Jeroen Buters, Toxikologe am Zentrum Allergie & Umwelt (ZAUM), Technische Universität & Helmholtz Zentrum München

Allergenfreie Katzen für Katzenallergiker? Und es gibt sie doch!

Zurück zu der Probenentnahme, wie genau gehen Sie dabei vor?

Zur Probenentnahme ziehen wir der Katzen im Nacken einige Haare mit einer kleinen Zange aus. Das klingt viel schlimmer als es ist, denn Katzenhaare sind anders als Menschenhaare. Unter dem Elektronenmikroskop sieht man z.B. bei Menschenhaaren deutlich eine Verdickung der Haarwurzel. Dagegen ist die Wurzel eines Katzenhaares ganz spitz. Das bedeutet, die Haare einer Katze lassen sich viel leichter ausziehen und vor allem ganz und gar schmerzfrei für die Katze. Trotzdem bekommen die Katzen natürlich ein Leckerli!

Gibt es denn sonst noch Faktoren, die bei der Allergenfreisetzung der Katze eine Rolle spielen?

Im Hinblick auf die Allergenfreisetzung gibt es einen Unterschied zwischen Männchen und Weibchen. Die Haare der männlichen Katzen haben einen höheren Allergengehalt als die der weiblichen Katzen. Wenn man Kater kastriert, nimmt der Allergengehalt der Haare 50 um Prozent ab, kastriert man weibliche Katzen, hat dies keinen Einfluss auf die Allergenfreisetzung. Die Streuung in Bezug auf die Allergenfreisetzung gilt jedoch für Männchen und Weibchen gleichermaßen, d.h. sowohl unter den männlichen Katzen als auch unter den weiblichen Katzen gibt es solche, die hohe Allergenmengen freisetzen und andere, die nur geringe Allergenmengen freisetzen. Es kann also sein, dass ein kastriertes Weibchen eine höhere Allergenfreisetzung aufweist als ein nicht kastriertes Männchen. Das heißt: Die Streuung in Bezug auf die Allergenfreisetzung ist bei den Weibchen so groß, dass man nicht generell sagen kann: Weibliche Katzen setzen weniger Allergene frei als männliche Katzen. Man muss also im Einzelfall testen, wie hoch die Allergenfreisetzung einer jeden Katze tatsächlich ist.

Spielt auch das Alter der Katze eine Rolle bei der Allergenfreisetzung?

Wenn die Katzen in die Pubertät kommen, kommen die Hormone ins Spiel und damit steigt der Allergengehalt an. Unsere Studie läuft aber noch nicht lange genug - erst seit zwei Jahren - um sagen zu können, ob sich der Allergengehalt bei Katzen auch mit zunehmendem Alter verändert.

Wie geht es mit der Katzen-Studie weiter, was wird als nächstes untersucht?

Der nächste Schritt in der Katzenstudie wäre die Untersuchung von Luftproben aus Wohnungen von Menschen, die Katzen haben. Interessant wäre es z.B. über einen längeren Zeitraum zu untersuchen, ob eine Katze mit einer hohen Allergenfreisetzung einen Raum in stärkerem Maße mit Katzenallergenen kontaminiert als eine Katze mit einer niedrigen Allergenfreisetzung. Die Frage ist: Enthält die Luft in der Katzenwohnung auch z.B. 20 Mal mehr Allergene, weil diese Katze 20 Mal mehr Allergenen ausstößt, als eine andere Katze? Dies ist allerdings sehr schwer zu untersuchen, denn zum einen ist jeder Raum anders, z.B. in Bezug auf die Größe und die jeweiligen Werte wären dann sehr schwer vergleichbar. Zum anderen würde kein Katzenbesitzer seine Katze für mehrere Monate zu Versuchszwecken in einem Raum einsperren wollen. Deshalb versuchen wir zurzeit dieses Problem wissenschaftlich zu lösen.

Könnte es aufgrund Ihrer Katzenstudie bald einen Test geben, mit dem Katzenallergiker allergenarme Katzen finden können?

Mit Hilfe unseres Tests ist es jetzt bereits möglich bei jeder Katze zu ermitteln, wie hoch ihre individuelle Allergenfreisetzung ist. Sinnvollerweise würde man dafür eine Katze aussuchen, die die Pubertät hinter sich hat, weil erst dann die Allergenfreisetzung wirklich feststeht.

Allerdings müssen wir jetzt noch untersuchen, ob eine allergenarme Katze tatsächlich keine Allergiesymptome bei Katzenallergikern auslöst, denn es gibt auch bei den Katzenallergikern eine gewisse Variabilität. Manche Katzenallergiker vertragen höhere Allergenmengen, andere reagieren bereits auf kleinste Mengen des Katzenallergens. Diese Schwellenwerte müssen wir noch ermitteln und dann gäbe es für Katzenallergiker doch eine Möglichkeit, eine Katze zu halten!

Herr Prof. Buters, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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