Tierhaarallergie

Dr. Petra Zieglmayer, Chief Scientific Officer, QB, Allergieambulatorium Wien West

Tierhaarallergie: Risikofaktoren, Allergenität der Tiere und Behandlung

Bei der Tierhaarallergie gibt es aber Unterschiede in Bezug auf die Allergenität der Tierarten…

Ja, es gibt je nach Tierart Allergene, die relativ intensive IgE-vermittelte Reaktionen auslösen, das wären die felltragenden Tierarten, z.B. der Hund. Dann gibt es diejenigen, die per se auch biologisch aktiv sind, wie die Katzenallergene und die deshalb die Entstehung der Tierhaarallergie fördern. Bei den Allergenen anderer Tierarten, wie gesagt bei den Vögeln oder Reptilien, ist die Allergenität geringer.

Wie erfolgt die Behandlung bei Tierhaarallergien?

Je nach Klinik, d.h. je nach Symptomen, wird die Tierhaarallergie symptomatisch behandelt. Für das Asthma gibt es z.B. hochwirksame Glucokortikoide, die heute eine so gute Galenik haben, dass sie auch in geringen Konzentrationen bei gutem Sicherheitsprofil entzündungshemmend wirken können. Unter Galenik versteht man die pharmazeutische Technologie, die es erlaubt, die Wirkstoffe so herzustellen, dass sie auch den Wirkort erreichen und dort eingreifen können, wo sich z.B. in diesem Fall beim Asthma, der Entzündungsherd befindet. Ein inhalatives Asthmaspray bringt die Wirkstoffe also direkt zum "Ort des Geschehens". Auch eine Allergieimpfung ist zur Behandlung der Tierhaarallergie möglich. Allerdings gibt es hierzu nicht so viele Studien und die besten Daten gibt es noch zur Allergie gegen Katzenhaare.

Allergenvermeidung ist auch hier die grundsätzliche Empfehlung, z.B. ist es sinnvoll, die Tiere regelmäßig zu bürsten, um die Haare und die Hautschüppchen gut zu entfernen. Es hat sich sogar gezeigt, dass man die Allergenbelastung nennenswert reduzieren kann, wenn man die Tiere alle zwei Wochen badet. Außerdem sollte man Tiere nicht in Schlafräumen halten, denn man hält sich ja die längste Zeit des Tages dort auf.

Was ist bei der Allergieimpfung gegen eine Tierhaarallergie bzw. Katzenhaarallergie zu beachten?

Grundsätzlich gibt es auch für die Allergieimpfung bei der Tierhaarallergie zwei mögliche Therapieansätze, die zurzeit heiß diskutiert werden, die subkutane spezifische Immuntherapie (SCIT) und die sublinguale spezifische Immuntherapie (SLIT). Während die SCIT mit Hilfe von Spritzen durchgeführt wird, erfolgt die SLIT durch das Einbringen von Tröpfchen unter die Zunge.

Die Befürworter der Oralen Immuntherapie konnten in Studien zeigen, dass bei der Katzenhaarallergie mit der Tröpfchenkur durchaus Effekte zu erzielen sind. Viele Pulmologen argumentieren zudem, dass entsprechend hoch dosierte und per Spritzenkur verabreichte Extrakte bei Asthmatikern Asthmaanfälle auslösen können. Deswegen bevorzugen Pulmologen oft die niedriger dosierte Tröpfchenkur.

Immunologisch betrachtet muss man jedoch davon ausgehen, dass eine möglichst hohe Dosis des Therapeutikums auch eine ausgeprägte Toleranzreaktion hervorruft. Diese hohe Dosis ist bei der Tröpfchenkur aber nur schwer zu erreichen, weil hier eine viel höhere Extraktkonzentration als bei der Spritzenkur nötig ist. Dementsprechend sind die Erfolgsaussichten in Bezug auf die Asthmabehandlung auch geringer als bei der SCIT.

Für die Allergieimpfung gilt die folgende Formel: Je höher dosiert das Immuntherapeutikum ist, das dem Patienten verabreicht wird, umso größer ist die Chance, eine Toleranzentwicklung zu erreichen. Um mit einem oralen Präparat die gleiche immunologische Reaktion zu erzielen wie mit einem subkutanen Präparat, benötigt man mindestens die zehnfache Allergenmenge. Das liegt daran, dass man in der Mundschleimhaut bei weitem nicht die gleiche Anzahl an immunkompetenten Zellen hat, wie im Gewebe. Ein Spritzenpräparat zeigt deshalb bei gleicher Allergenmenge eine bessere Wirksamkeit in Bezug auf die Immunreaktion. Versucht man hingegen bei der Tröpfchenkur eine hohe Allergenkonzentration im Extrakt zu nutzen, kommt es häufig zu Nebenwirkungen. Man muss deshalb bei der oralen Immuntherapie immer abwägen zwischen optimaler Toleranzentwicklung und möglichst geringen Nebenwirkungen. Zurzeit werden viele experimentelle Ansätze verfolgt, die aber bisher noch keinen durchschlagenden Erfolg brachten.

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