Allergisch auf die Katze

Facharzt für Lungenheilkunde Norbert Mülleneisen, Leverkusen

Allergisch auf die eigene Katze? Was tun?

Was raten Sie also Katzenallergikern?

Der erste und wichtigste Rat ist immer, den Kontakt zur Katze zu vermeiden, d.h. die Katze abzuschaffen. Wenn der Patient dazu aber nicht bereit ist und alle Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft sind, wenn die Diagnose eindeutig ist und die Lebensqualität des Patienten erheblich beeinträchtigt ist und noch dazu ein Etagenwechsel, d.h. ein Allergisches Asthma, droht, dann empfehle ich die Spezifische Immuntherapie (SIT) auf Katze. Voraussetzung dafür ist, dass sich noch kein Allergisches Asthma entwickelt hat. Bisher habe ich 26 Patienten auf Katze  behandelt und die Ergebnisse sind positiv. Meist verbessern sich die Beschwerden schon sehr rasch sehr deutlich. Allerdings ist eine Hyposensibilisierung gegen Katze nicht ungefährlich. Es kam schon zu schweren Nebenwirkungen und sogar Todesfälle sind in der Literatur beschrieben. Der behandelnde Allergologe muss daher sehr erfahren sein. Außerdem ist die Behandlung teuer.

Was macht ein Katzen-SIT gefährlicher als, z.B. ein Pollen-SIT?

Es ist ein tierisches Eiweiß und die Exposition gegenüber Katzen ist so ubiquitär (überall vorkommend), dass nach der Allergiespritze manchmal nur noch wenig zusätzliche Belastung ausreicht, um eine lebensbedrohliche Reaktion entstehen zulassen. Während ich Pollenallergiker nur 30 Minuten nach der Hyposensibilisierungs-Spritze in der Praxis warten lasse, fordere ich Katzenallergiker auf, eine Stunde zu warten, denn ich habe schon schwere Reaktionen gesehen nach 40 Minuten.

Wie sieht eine solche Hyposensibilisierung gegen Katze aus?

Ziel der Hyposensibilisierung ist es, die Empfindlichkeit des Patienten auf das Katzen-Allergen herabzusetzen. Im Laufe der Behandlung wird der Körper immer wieder mit dem Katzenallergen in sich steigernden Dosen konfrontiert, dies bis zu einer bestimmten Höchstmenge. Nach Abschluss der  Behandlung, die 36 Monate dauert, fällt bei einem erneuten Kontakt mit dem Katzenallergen eine allergische Reaktion harmloser aus. Allerdings sind wir hier auf die Disziplin des Patienten stark angewiesen, denn ein Kontakt zur Katze während der Hyposensibilisierung ist verboten. Grundsätzlich gehört die Behandlung in die Hand eines erfahrenen Allergologen, der über eine Notarztausbildung verfügt.

Wird die Hyposensibilisierung gegen Katze von den Krankenkassen übernommen?

Da ist die Situation paradox. Einerseits ist es nachvollziehbar, dass sich die Krankenkassen auf die Position zurückziehen, dass der Patient seine Beschwerden ja abstellen kann, indem er die Katze abschafft. Die Kassen lehnen meist eine Kostenübernahme der Hyposensibilisierung gegen Katze mit diesem Argument ab. Allerdings ist es eine Tatsache, dass vier von fünf  Katzenhaltern mit Allergie gegen Katze ihre Katzen eben nicht abschaffen, sondern behalten. Die Konsequenz ist häufig ein Allergisches Asthma und diese Behandlungskosten zahlen die Kassen dann ohne Murren, obwohl diese Kosten beim chronischen, also lebenslangen Allergischen Asthma wesentlich höher ausfallen. Besser wäre hier eine Investition in die Hyposensibilisierungs-Therapie gegen Katze, die mit einer Erfolgsquote  von 4 zu 1 ein Allergisches Asthma verhindert.

Herr Mülleneisen, vielen Dank für das Gespräch.

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