Allergie Pferd Curly Horse

Dr. Wolfgang Mitlehner, Arzt für innere Medizin, Lungen- und Bronchialheilkunde und Allergologie in Klappholz

Pferdeallergie: Sind Curly Horses eine Alternative für allergische Reiter?

Sie haben in Ihrer klinischen Studie zwei unterschiedliche Tests genutzt. Was war der Grund?

Für den Test mit den Curly Horses mussten wir den Scratch-Test nutzen, weil für Curly Horses kein Prick-Test zur Verfügung steht.

Ein Scratch-Test wird heute normalerweise nicht mehr durchgeführt, üblich ist der Prick-Test mit einer Standard-Pricklösung, die das zu testende Allergen enthält. Beim Prick-Test wird ein Tropfen einer definierten Lösung eines definierten Herstellers auf die Haut aufgebracht. Dann wird die Haut durch diesen Tropfen mit einer Prick-Lancette einmal geprickt, also kurz angestochen.  

Beim Scratch-Test arbeitet man  mit nativem Material und bevor dieses auf die Haut aufgelegt wird, wird die Haut auf ca. 1 cm2 Fläche leicht skarifiziert, d.h. angeschabt. Man hat diesen Test früher für Materialien genutzt, für die man keine Prick-Lösungen herstellen konnte.

Sie haben im Rahmen Ihrer Pilotstudie bei den Testpersonen Unterschiede bzgl. der Reaktionsausprägung im Hauttest festgestellt, je nachdem mit welchem Pferde diese in Kontakt gekommen sind. Wie lässt sich das erklären?

Hierfür gibt es bisher keine plausible Erklärung. Offensichtlich gibt es intraindividuelle Unterschiede zwischen den Curly Horses – unter unseren Testpferden befindet sich ein Glatthaar-Curly, das am wenigsten allergen ist. Hieraus könnten sich Möglichkeiten für die Züchtung noch allergenärmerer Curlies ergeben.

Bei einer allergischen Rhinitis ist der Etagenwechsel besonders gefürchtet. Wie ist dieses Risiko in Bezug auf den Umgang von Pferdeallergikern mit Curly Horses zu bewerten?

In der Tat kann es bei der schlecht behandelten allergischen Rhinitis irgendwann zum Etagenwechsel kommen. Da unsere Reiter auf die Curlies jedoch nicht mehr allergisch reagieren, besteht hier auch nicht die Gefahr des Etagenwechsels.

Ihre Pilotstudie fand mit 10 Personen statt und beobachtete einen Kontaktzeitraum von 32 Stunden. Wie sah die Folgestudie aus? Welche weiteren Studien sind geplant?

Dr Wolfgang Mitlehner und Frau mein allergie portalDr. Wolfgang Mitlehner mit seiner Frau Susanne, Gestütsleiterin der Curlyfarm in Klappholz, Schleswig-HolsteinIn der Folgestudie wurden 20 pferdeallergische Reiter untersucht. 19 der 20 pferdeallergischen Reiter reagierten bei 212 Messungen nicht signifikant bzw. reagierten nur in sehr geringem Umfang auf den Kontakt mit den Curly Horses. 18 der 20 Pferdeallergiker reagierten bei  79 Messungen auch auf das Striegeln der Pferde nicht signifikant. Zwei der pferdeallergischen Reiter hatten einen signifikanten Abfall der PEF Werte von mehr als  20 Prozent während, nach dem Reiten oder beim Striegeln. Dies konnte durch eine einmalige Gabe von Salbutamol behoben werden.

Wir planen die Vervollständigung dieser Studie mit einer hohen Patientenzahl über einen langen Zeitraum hinweg. Darüber hinaus sind weitere Studien bzgl. des methodischen Nachweises der Hypoallergenität der Curly Horses geplant. 

Herr Dr. Mitlehner, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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