Dr. Thomas Warscheid, Mikrobiologe und Vorsitzender des Netzwerk Schimmel e.V., Quelle: T. Warscheid

Schimmelpilzbefall? Welche Rolle spielen Bautechnik und Baumaterialien!

Teil des Schimmel-Problems ist also die Zeitplanung am Bau?

Das Problem sind die engen Zeitfenster und der Trend zu immer kürzeren Bauzeiten. Sinnvollerweise sollte der Bauunternehmer deshalb immer dafür Sorge tragen, dass die Einbauten wirklich erst dann erfolgen, wenn der Bau durch und durch trocken ist.

Ein Problem sind dabei jedoch die Bauverträge, die den Bauunternehmer unter Androhung von Konventionalstrafen zu einer termingerechten Fertigstellung des Rohbaus verpflichten. So bleibt oft keine Zeit für eine eigentlich sinnvolle ausreichende Auslüftung der Gebäude.

Darüber hinaus spielt auch die Baustellenhygiene eine Rolle. Eine sauber geführte Baustelle ist vielleicht etwas teurer und zeitintensiver, senkt aber das Risiko für Bauschäden wie Schimmelpilzbefall.

Welche Trockenzeit zur Vermeidung von Schimmelpilzbewuchs ist denn bei Rohbauten angemessen?

Das kommt auf den Bau an bzw. auf die Restfeuchte und kann am besten vom Bauunternehmer selbst beurteilt werden. Dieser sollte es offen kommunizieren, wenn es zu früh ist, mit dem Innenausbau zu beginnen. Es ist ja nicht die Schuld des Bauunternehmers, wenn der Bau durch eine feuchte Wetterlage nicht ausreichend abgetrocknet ist, aber er hat auch eine Sorgfaltspflicht gegenüber dem Bauherrn und sollte einen zu frühen Innenausbau verhindern. Gegebenenfalls muss der Bauunternehmer einen Bautrockner zu Rate ziehen und eventuell Kondenstrockner einsetzten, bis ein Innenausbau sinnvoll ist.

Als Präventivmaßnahme ist es für Bauunternehmer auch durchaus sinnvoll, z.B. während der Bauzeit die Einstiegsluke zum Dachstuhl abzukleben, so dass die Feuchte im Haus nicht in den Dachstuhl eindringen kann. Tun sie dies nicht, der Dachstuhl steht offen und sie bringen den Estrich ein und verputzen die Wände, kann ihnen der Dachstuhl verschimmeln.  Früher war ein Dachstuhl immer luftig, aber heute ist dies nicht mehr der Fall. Dringt kalte, feuchte Luft während der Bauzeit durch die Dachluke ein, entsteht schnell Schimmel.

Welche Rolle spielen die eingesetzten Baumaterialien für das Schimmelpilzrisiko?

Ein weiteres Risikopotenzial für Schimmelpilzbefall in Neubauten entsteht durch den Einsatz neuer mikrobiell anfälligerer Baustoffe und Beschichtungen.  Organische  bzw. polymer-vergütete  Materialien sind zwar durch das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt), die Zulassungsstelle für Baustoffe, bauaufsichtlich zugelassen, aber bei der Zulassung  sieht der Gesetzgeber eine explizite mikrobiologische Prüfung der betreffenden Baustoffe auch gar nicht vor.

So werden klassische Teerbitumenbahnen z.B. gerne durch vermeintlich schadstofffreiere  rapsölbasierte Bitumenschichten ersetzt. Wenn das Rapsöl jedoch mit Feuchtigkeit in Kontakt kommt, kann es zu Schimmelpilzbildung kommen. Ein Bauunternehmer, der diese Materialen einsetzt, läuft damit unter Umständen schuldlos Gefahr, für die Sanierung des verschimmelten Keller in Haftung genommen zu werden.

Weiter gibt es am Bau Ausgleichschüttungen aus bituminierten Hanffasern, die z.B. beim Einbau von Fußbodenheizung als Füllstoffe zum Einsatz kommen. Dahinter steckt natürlich der Wunsch nach einer ökologischen Bauweise, aber die Hanffasern sind hochgradig schimmelanfällig, wenn sie mit Feuchtigkeit in Berührung kommen.

Auch bei der Wärmedämmung älterer Bauten zum Einsparen von Energiekosten kann es zur Schimmelpilzbildung kommen, wenn die Dämmung nicht fachgerecht angebracht wird. Wichtig ist es, dazu eine Fachfirma zu beauftragen, die sich mit der Materie auskennt. Ein WDV-System, d.h. ein Wärmedämmung Verbund System, muss gut geplant und ordnungsgemäß umgesetzt werden, um effektiv zu sein und keine Folgeschäden zu verursachen. Ein WDV-System zu installieren ist teuer, insbesondere auch dann, wenn an Stelle von Styropor Mineralwolle verwendet wird, die deutlich hochwertiger und brandsicherer ist.

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