Schimmelpilzbefall Innenraum Schimmelpilzallergie

Dr. Thomas Warscheid, Mikrobiologe und Vorsitzender des Netzwerk Schimmel e.V., Quelle: T. Warscheid

Schimmelpilzbefall im Innenraum: Wo versteckt er sich? Wie vermeiden?

Welchen Einfluss hat denn das Wohnverhalten auf die Bildung von Schimmelbefall im Innenraum? Oft heißt es ja, dass generell zu wenig gelüftet würde…

Für das Lüften gibt es keine generellen Regeln, die für alle Bauten gleichermaßen gelten. Generell kann man aber sagen, dass frische Luft jedem Gebäude gut tut und dafür reicht Stoßlüften für 5 bis 10 Minuten, mit dem Ziel die relative Luftfeuchtigkeit auf unter 60 Prozent zu begrenzen.

Natürlich spielt das Wohnverhalten eine Rolle für die Schimmelpilzanfälligkeit einer Wohnung. Eine gut gepflegte Wohnung, in der die Luft zirkulieren kann, ist weniger anfällig für Schimmelpilzbefall. Auch ein Mieter hat eine gewisse Sorgfaltspflicht gegenüber der gemieteten Immobilie. Die Menschen gehen heutzutage mit Wohnraum tendenziell nicht mehr so pfleglich um, wie dies notwendig ist um Schimmelpilzbildung zu vermeiden. Heutzutage ist man mobiler, zieht öfter um und der Wohnraum ist weniger „Heimatort“ als „Funktionsraum“. Dementsprechend nimmt man es mit der Pflege oftmals nicht mehr so genau, was natürlich das Risiko für Schimmelpilzbildung erhöht. Paradox ist in diesem Zusammenhang, dass sich gleichzeitig eine steigende Angst vor Schadstoffen, wie z.B. den Schimmelpilzsporen breitmacht.

Wann lässt sich ein Schimmelbefall beseitigen, wann ist es zu spät?

Es ist nie zu spät, um entsprechende Maßnahmen gegen Schimmelbefall einzuleiten. Wichtig ist, dass dies mit Augenmaß und Sachverstand geschieht. Viele der Untersuchungen, die im Bereich Schimmelpilzbefall angeboten werden, sind im Grunde unnötig und bringen die Betroffenen nicht weiter. Dazu gehören die erwähnten Bestimmungen der Schimmelpilzart und der Schimmelpilzkonzentration. Wesentlich ist die Klärung der Schadensursache, aus baukonstruktiver und gegebenenfalls auch aus Nutzersicht.

Ebenso schießen viele der empfohlenen Maßnahmen „über das Ziel hinaus“. Die Menschen geben sehr viel Geld für angebliche „Spezialisten“ aus, obwohl oft einfache und preisgünstige Maßnahmen zu besseren Ergebnissen führen würden. Im Netzwerk Schimmel versuchen wir, für die notwendige Transparenz zu sorgen.

Worauf sollte man achten, wenn man einen Schimmelexperten zu Rate zieht?

Die erste Frage an den Schimmel-Experten sollte sein, welche Ausbildung er hat und inwieweit diese geeignet ist, eine Expertise im Bereich Schimmelpilze zu dokumentieren. Findet man auf der Webseite des Anbieters z.B. keinen Lebenslauf und erhält man auf Nachfrage nur ausweichende Antworten, sollte das schon stutzig machen.

Ein Warnzeichen könnte auch sein, dass der Schimmel-Experte angibt, eine Vielzahl von Bereichen abdecken zu können. Als Mikrobiologe habe ich zwar 30 Jahre Erfahrung am Bau, ziehe aber dennoch im Bedarfsfalle einen Bauingenieur hinzu. Genauso kann es sinnvoll sein, einen Mediziner hinzuzuziehen, wenn es um die Beurteilung von gesundheitlichen Risiken durch Schimmelpilze geht.

Was man wissen sollte: In Deutschland reicht es, eine 2-tägige Ausbildung zum „TÜV-geprüften Sachkundigen für Schimmelpilzsanierung“ zu absolvieren, um als Schimmelpilz-Experte tätig zu werden. Eine spezielle Qualifizierung benötigt man hierfür nicht. Nach einer solchen Ausbildung können die Teilnehmer sicher Schimmelpilzschäden erkennen und bis zu einem gewissen Grad, Maßnahmen empfehlen. Gesundheitliche Bewertungen abzugeben hielte ich allerdings für gewagt. Das gleiche gilt übrigens für die Bezeichnung „Baubiologe“.

Herr Dr. Warscheid, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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