Schimmelpilzbefall Innenraum Schimmelpilzallergie

Dr. Thomas Warscheid, Mikrobiologe und Vorsitzender des Netzwerk Schimmel e.V., Quelle: T. Warscheid

Schimmelpilzbefall im Innenraum: Wo versteckt er sich? Wie vermeiden?

Wie kommt es an den „geometrischen Wärmebrücken“ zu Schimmelpilzbewuchs?

Die „geometrischen Wärmebrücken“, d.h. die Ecken, sind klassische Schimmelverstecke. Diese Stellen im Innenraum können auskühlen und es bildet sich Kondensat, weil dort die Mindesttemperatur an der Bauteiloberfläche von mindestens 13 Grad Celsius nicht erreicht und so die Neigung zu Schimmelpilzbildung gefördert wird. Die eigentliche Ursache für die Schimmelpilzbildung in den Ecken ist aber die Tatsache, dass diese Stellen von warmer Luft nicht erreicht werden. Durch Schränke in den Ecken, Vorhänge und/oder eine übermäßige Anzahl von Blumentöpfen wird Schimmelpilzwachstum gefördert.

Was kann man gegen Schimmelbildung an den „geometrischen Wärmebrücken“ tun?

In diesen Fällen empfehlen wir, kleine, preiswerte, sehr leise arbeitende Walzenlüfter mit Zeitschaltuhr hinter den Schränken anzubringen. Diese schalten sich, z.B. alle zwei Stunden für 15 Minuten an, transportieren die warme Raumluft hinter den Schrank und sorgen so für einen guten Luftaustausch, so dass es nicht (unbedingt) zu einer Schimmelbildung kommen muss. Weiter besteht die Möglichkeit, über das vorhandene Heizungssystem betroffene Bauteile zu beheizen. Bereits bestehender Schimmel sollte zuvor allerdings gründlich entfernt worden sein, damit die Schimmelpilzsporen durch die Luftbewegung nicht unnötigerweise im Raum verteilt werden.

Sie sprachen im Zusammenhang mit älteren Bauten von einem Schimmelpilzrisiko …

Im Hinblick auf bestehende Bauten sind insbesondere die in den 70er und 80er Jahren erbauten und jüngst sanierten Objekte schimmelgefährdet.

Generell ist es in diesen Gebäuden schwer, die richtige Balance zwischen Heizen und Lüften zu finden. Dies kann nur durch eine Einweisung zum richtigen Heizen und Lüften der Nutzer erreicht werden. Das subjektive Empfinden zu Temperatur und relativer Luftfeuchte im Raum kann mittels Thermohygrometer anschaulich dargestellt und dadurch das Verhalten beeinflusst werden. Werte um 20 Grad Celsius und 60 Prozent relative Feuchte gelten als risikolos, wenn diese nicht auf Dauer wesentlich überschritten werden.  

Oft werden Gebäude energetisch saniert, z.B. indem sie mit neuen Fenstern versehen werden. Die vorher gut durchlüfteten Wohnungen, die vielleicht nie ein Problem mit Schimmelpilzen hatten, werden so quasi hermetisch abgeriegelt. Die ehemals „natürliche“ Lüftung der Räume kann so nicht mehr stattfinden und so kann es zu Schimmelpilzbewuchs kommen.

Kann man denn ältere Gebäude energetisch sanieren, ohne dass ein Schimmelrisiko besteht?

Es besteht die Möglichkeit, Wohnräume durch nachträgliche Innendämmung an betroffenen Wänden und gefährdeten Bauteilen "wärmer" zu machen. Hier sollte man jedoch vorsichtig sein, denn es hilft dem Raumklima insgesamt nicht, nur die eine Wand zu dämmen, an der sich die Wärmebrücke befindet.

Ohne eine Gesamtbetrachtung der baulichen Situation führt dies durch einseitige Massnahmen dazu, dass die bisher zweitkälteste Stelle im Raum zur kältesten Stelle wird. Dann sammelt sich die Feuchtigkeit eben dort und der Schimmel wächst erneut. Möchte man nicht so viel investieren, wird der Ersatz der Tapeten durch einen Kalkputz mit feuchtespeichernden Eigenschaften besser helfen, als eine partielle Innenraumdämmung.

Generell ist, wenn ältere Gebäude saniert werden, auf die Wandbeläge achten. Organische Materialien wie Tapeten, Dispersionsfarben und Kleister sind besonders schimmelanfällig. Die deutlich besseren Wandbeläge für solche Objekte sind ein Kalkputz oder Kalkschlämmen mit weniger als 5 Prozent Dispersionsanteil, denn sie halten alleine durch ihre Alkalität die Schimmelpilze ab und sorgen für eine bedarfsgerechte Innenraumatmosphäre. Diese Wandbeläge können zwar nicht atmen, sind aber aus baubiologischer Sicht ideal und somit auch insbesondere für Schimmelpilzallergiker geeignet.  Das Ersetzen der Tapeten durch Kalkputz oder Kalkschlämmen ist deshalb eine der möglichen Maßnahme zur Schimmelpilzprävention.

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