Schimmelpilzbefall Innenraum Schimmelpilzallergie

Dr. Thomas Warscheid, Mikrobiologe und Vorsitzender des Netzwerk Schimmel e.V., Quelle: T. Warscheid

Schimmelpilzbefall im Innenraum: Wo versteckt er sich? Wie vermeiden?

Was ist zu tun, wenn man tatsächlich wachsende Schimmelpilze in den Wohnräumen findet?

Die Ursache für den Pilzbewuchs im Innenraum zu finden ist die wichtigste Maßnahme – vorher sollte man auf keinen Fall bauliche Maßnahmen ergreifen und etwa gleich die Fenster abgedichtet oder die Außenwände gedämmt werden.

Auch die qualitative Bestimmung der jeweiligen Pilzarten ist wenig sinnvoll. Zwar wollen die Betroffenen meist gerne wissen, um welche Schimmelpilzart es sich handelt, aber dies ist weder aus Sanierungsgründen noch aus umweltmedizinischer Sicht hilfreich.

Gleiches gilt übrigens für die quantitative Bestimmung der Keimzahl, d.h. der Zahl wachstumsfähiger Keime  – beides bringt keinen besonderen Erkenntnisgewinn und verursacht unnötige Kosten. Handelt es sich um einen mikroskopisch erkennbaren Schimmelpilzbewuchs, muss er entfernt werden, ganz egal um welche Pilzart es sich handelt und wie stark die Keimdichte ist. Um welche Pilzart es sich handelt, spielt eher für den Sanierer eine Rolle, dessen Mitarbeiter bei der Entfernung des Schimmelpilzes eventuell bestimmte Vorsichtsmaßnahmen ergreifen müssen.

Wichtiger als die Schadensaufnahme ist für die Eigentümer, dass die Sanierungsmaßnahmen des ausführenden Unternehmens von ausgewiesenen Sachverständigen für Schimmelpilzbelastungen ordnungsgemäß - und vor allem in schriftlicher Form - abgenommen werden. So kann man bei Verkauf oder Vermietung der Räumlichkeiten jederzeit nachweisen, dass eine fachgerechte Sanierung erfolgte.

Die Anzahl der Schimmelsporen spielt also bei Schimmelpilzbefall keinerlei Rolle?

Es gibt Schimmelpilz-Gutachter, die der Meinung sind, bei einer Schimmelpilzsporen-Konzentration von 105 KBE - keimbildenden Einheiten/g Baustoff, z.B. eine Estrichdämmschicht ausgetauscht werden müsse, obwohl es hierfür keine medizinischen Gründe gibt. Wie fragwürdig diese Ansicht ist, sieht man daran, dass in Trockenkräutermischungen, die ja für den Verzehr gedacht sind, Schimmelpilzsporen bis zu einer Konzentration von 105 laut Lebensmittelverordnung  durchaus erlaubt sind. Schimmelpilzsporen in Trockenkräutern sind vielleicht unappetitlich, aber - solange nicht wachsend - gesundheitlich unbedenklich. Für den Estrich, der ja noch vom Bodenbelag abgedeckt wird, gilt dies aber genauso. Aus meiner Sicht gilt: Man muss nicht den gesamten Estrich austauschen, bloß weil die Konzentration wachstumsfähiger Schimmelpilzsporen 105 KBE/g beträgt!

Bei welchen Bereichen des Innenraums besteht denn das Risiko, dass sich Schimmelpilzbewuchs bildet?

Abgesehen vom Schimmelpilzbefall durch Wasserschäden, bei dem die Ursache ja offensichtlich ist, gibt es eine Reihe von Bereichen im Innenraum, die von Schimmelpilzen betroffen sein können. Gerne bildet sich Schimmel hinter Schränken, Fußleisten und Paneelen. Auch in schlecht belüfteten Ecken, sogenannten „geometrischen Wärmebrücken“, kann sich unter bestimmten Voraussetzungen Schimmel bilden. Auch bei älteren Gebäuden besteht ein gewisses Schimmelrisiko, wenn gewisse, feuchtefördernde Faktoren, wie Kondensat und unzureichende Luftwechsel,  zusammentreffen. Oft liegt der Grund für die Bildung von Schimmelpilzen aber schon in der Bauweise und den verwendeten Baustoffen und Baustoffkombinationen.

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