Schimmelpilzbefall Innenraum Schimmelpilzallergie

Dr. Thomas Warscheid, Mikrobiologe und Vorsitzender des Netzwerk Schimmel e.V., Quelle: T. Warscheid

Schimmelpilzbefall im Innenraum: Wo versteckt er sich? Wie vermeiden?

Allergien auf Schimmelpilze sind, verglichen mit Pollen oder Hausstaubmilbenallergien, eher selten. Bei Beschwerden an den Atemwegen sollte man deshalb nicht als erstes an Schimmelpilzsporen denken. Als Hausgenossen möchte man Schimmelpilze aber dennoch nicht haben. Die Frage ist deshalb, was kann man tun, wenn der Schimmel sich in Innenräumen breit macht? Und: Was kann man tun, um Schimmelpilzbefall zu verhindern? MeinAllergiePortal sprach mit Dr. Thomas Warscheid, Mikrobiologe und Vorsitzender des Netzwerk Schimmel e.V. - das interdisziplinäre Netzwerk zur Problemlösung bei Schimmelpilzbewuchs in Innenräumen.

Herr Dr. Warscheid, wann ist Schimmelbefall in Innenräumen ein Problem?

Wann Schimmelbefall in Innenräumen ein Problem ist, haben wir in unserer "Richtlinie zum sachgerechten Umgang mit Schimmelpilzschäden in Gebäuden - Erkennen, Bewerten und Instandsetzen“ klar definiert: In Innenräumen sollte es keinen „strukturierten“ Schimmelpilzbewuchs geben. „Strukturiert“ heißt, der Schimmel wächst aktiv, es gibt miteinander verflochtene Hyphen, es gibt Sporenträger und somit ein intaktes Vegetationssystem. Man kann diesen Schimmelbewuchs meist sehen, riechen und auch unter dem Mikroskop deutlich erkennen. Ein solcher Schimmelbewuchs in Innenräumen sollte auf jeden Fall entfernt werden, egal, ob bei den Bewohnern eine Schimmelpilzallergie besteht oder nicht.

Stellenweise, dunkle Schimmelflecke in der Dusche und Fliesenfugen gelten dagegen eher als Bagatellschäden und sind häufig mehr aus ästhetischen denn gesundheitlichen Gründen zu sanieren.

Nicht immer ist der Schimmelpilzbewuchs sichtbar. Bemerkt man einen muffigen erdig-pilzigen Geruch, lohnt es sich deshalb, auf die Suche nach vermeintlichen Befallsherden zu gehen. Findet man trotz intensiver Suche nichts und bleibt der Geruch bestehen, sollte man einen Sachverständigen hinzuziehen, der über die entsprechend baukonstruktiven wie bauphysikalische Kenntnisse verfügt und dabei helfen kann, die Ursachen für den vermeintlichen Schimmelpilzbewuchs  zu finden.

Wie ist die Gesundheits- bzw. Allergiegefahr einzuschätzen, die von Schimmelpilzen im Innenraum ausgeht?

Zunächst einmal möchte ich festhalten, dass die Allergiegefahr, die von Schimmelpilzen im Innenraum ausgeht, heutzutage oft überschätzt wird. Den wenigsten Menschen ist bewusst, dass die Konzentrationen von hochgradig allergenen Schimmelpilzen im Außenbereich, z.B. von den Schimmelpilzarten wie Cladosporium spp. und Alternaria spp., häufig deutlich höher sind. Schimmelpilz-Allergiker können gerade im Sommer in der freien Natur Schimmelpilzkonzentrationen ausgesetzt sein, die selbst in einem vollständig befallenen Innenraum bei normaler Nutzung kaum erreicht werden. Bei allergischen Reaktionen im Freien denken die meisten Menschen aber eher an eine Pollenallergie und nicht an Schimmelpilze.

Seit Jahrmillionen lebt der Mensch mit Schimmelpilzen und unser Immunsystem wird mit den Schimmelpilzen in der Regel sehr gut fertig. Das heißt natürlich nicht, dass man Schimmel im Innenbereich unkontrolliert wachsen lassen sollte, denn aufgrund ihrer feinen Partikelstruktur können Schimmelpilzsporen auch wie Hausstaub mechanische Reizungen ausüben, ohne dass man gleich von allergener Wirkung sprechen muss.

Außerdem können Pilze durchaus auch positive Wirkungen entfalten. Es gibt in der Forschung Hinweise darauf, dass Beta-Glucane, hier Zellwandbestandteile von Hefepilzen, das Immunsystem modulieren bzw. anregen können. Beta-Glucane werden deshalb zur Behandlung grippaler Infekte eingesetzt. Im Innenraumbereich werden Beta-Glucane hingegen eher als „Schadstoffe“ betrachtet. Das Beispiel zeigt: Wir wissen noch nicht genug über Pilze und sind verpflichtet Schäden differenzierter zu  betrachten.

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