Spezifische Immuntherapie Hausstaubmilbenallergie

Prof. Dr. med. Jörg Lindemann, Oberarzt und Allergologe an der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie Universitätsklinikum Ulm

Spezifische Immuntherapie bei Hausstaubmilben-Allergie: Wann hilft die SIT?

Eine spezifische Immuntherapie ist auch mit Tabletten möglich. Haben Hausstaubmilbenallergiker die Wahl zwischen SCIT und SLIT?

Die Studienlage spricht bei der Hausstaubmilbenallergie eindeutig für die spezifische Immuntherapie mit Spritzen, der SCIT. Nur für Gräserpollen gibt es in Bezug auf die sublinguale Immuntherapie (SLIT) eine gute Studienlage, nicht aber für die Hausstaubmilbenallergie.

Zwar gibt es einige neuere Veröffentlichungen zur SLIT bei Hausstaubmilbenallergie, aber diese kommen zu teilweise sehr gegensätzlichen Ergebnissen. Manche diese Studien stellen eine gute Wirksamkeit der SLIT bei Hausstaubmilbenallergie fest, andere können keinerlei Effekt feststellen. Aufgrund dieser Widersprüche kann man eine SLIT bei Hausstaubmilbenallergie nicht wirklich empfehlen. Zudem ist die Studienlage für Kinder, für die eine SLIT ja eine interessante Alternative wäre, ganz besonders dürftig, so dass eine sublinguale Immuntherapie hier nicht empfohlen werden kann. Wenn wir von einer spezifischen Immuntherapie bei Hausstaubmilbenallergie sprechen, bezieht sich dies deshalb aktuell auf die SCIT.

Generell, d.h. auch bei der spezifischen Immuntherapie von Pollenallergikern, ist die SCIT der SLIT im Hinblick auf die Reduzierung von Symptomen und des Medikamentenbedarfs überlegen.  

Gibt es bei der SIT gegen Hausstaubmilbenallergene auch Kontraindikationen?

Die Einnahme bestimmter Medikamente kann dagegen sprechen, eine spezifische Immuntherapie durchzuführen. Wenn Patienten Immunsuppressiva einnehmen, z.B. nach einer Nierentransplantation, weiß man nicht, ob dies die Immunreaktion beeinträchtigt.

Auch die Einnahme von Betablockern, einem klassischen Medikament zur Behandlung von Bluthochdruck, spricht gegen eine spezifische Immuntherapie. Käme es im Zuge der Behandlung zu einem anaphylaktischen Schock, wären die Betarezeptoren, die z.B. die Lunge erweitern, durch den Betablocker belegt, so dass die anaphylaktische Reaktion nicht suffizient behandelt werden kann. Diese Kontraindikation gilt übrigens auch für Betablocker in Form von Augentropfen, wie sie bei einem Glaukom verordnet werden.

Eine weitere Kontraindikation sind Autoimmunerkrankungen und Immunschwächen z.B. aufgrund von Leukämie oder Lymphomen und auch aktuelle Krebserkrankungensprechen gegen eine spezifische Immuntherapie.   

In der Schwangerschaft sollte man eine SIT nicht beginnen. Es wird jedoch empfohlen, die spezifische Immuntherapie auch während der Schwangerschaft fortzusetzen, sofern sie zuvor begonnen und gut vertragen wurde. Hier sollte man aber sehr vorsichtig sein, denn bereits ein akuter Infekt kann dazu führen, dass es im Anschluss an die Spritze zu anaphylaktischen Reaktionen kommt.

Deshalb sollte man auch in Erwägung ziehen, die Therapie zu unterbrechen und nach Geburt des Kindes wieder aufzunehmen, zumal die Schwangerschaft an sich schon Veränderungen des Immunsystems bewirken kann. Manchmal reduzieren sich dadurch die allergischen Beschwerden in dieser Zeit sogar.

Herr Prof. Lindemann, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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