Spezifische Immuntherapie Hausstaubmilbenallergie

Prof. Dr. med. Jörg Lindemann, Oberarzt und Allergologe an der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie Universitätsklinikum Ulm

Spezifische Immuntherapie bei Hausstaubmilben-Allergie: Wann hilft die SIT?

In welcher Hinsicht spielt die Extraktqualität für die Wirksamkeit der SIT eine Rolle?

Im Vorfeld der Empfehlung für eine bestimmte Therapie orientiert sich der Mediziner an der aktuellen Studienlage. Im Falle der SIT gegen Hausstaubmilbenallergie wird er ermitteln, ob es valide Studien gibt, die die Wirksamkeit der Therapie nachweisen. Leider sind die bei der spezifischen Immuntherapie verwendeten Allergenextrakte nicht in ausreichendem Maße standardisiert. Das bedeutet, selbst wenn die Studienlage für eine gewisse Wirksamkeit der Therapie spricht, gilt dies ausschließlich für das in dieser Untersuchung eingesetzten Allergenextrakt. Es bedeutet nicht zwangsläufig, dass ein anderes Allergenextrakt von einem anderen Hersteller eine vergleichbare Wirksamkeit hat.

Sie erwähnten, dass Asthma bronchiale die Wirksamkeit der SIT bei Hausstaubmilbenallergie negativ beeinträchtigt. Heißt das, bei Asthma wird die spezifische Immuntherapie nicht durchgeführt?

Nein, auch bei Asthmatikern mit Hausstaubmilbenallergie wird die SIT durchgeführt. Dies hängt aber ganz entscheidend von der Schwere des Asthmas ab. Leidet ein Patient unter einem schwer zu behandelnden Asthma bronchiale, besteht die große Gefahr, dass es unter der SIT, d.h. nach der Allergenspritze, zu anaphylaktischen Reaktionen bzw. einem akuten Asthmaanfall kommt. Man orientiert sich deshalb am sogenannten forcierten expiratorischen Volumen, dem FEV1-Wert. Für die Durchführung einer spezifischen Immuntherapie bei Asthmatikern sollte der FEV1-Wert nicht unter 70 Prozent liegen.

Wie lange dauert es, bis bei einer Hausstaubmilbenallergie-SIT die Wirkung eintritt?

Auch für den Wirkungseintritt spielt es eine Rolle, wie lange die Erkrankung schon besteht, wie alt die Patienten sind und ob ein Asthma bronchiale vorliegt. Üblicherweise erwartet man innerhalb des ersten Jahres nach Beginn der spezifischen Immuntherapie eine deutliche Symptomreduktion.

Ist parallel zur SIT eine Medikation gegen die Symptome der Hausstaubmilbenallergie nötig?

Häufig ist es im ersten Jahr nötig, parallel zur spezifischen Immuntherapie gegen Hausstaubmilben lokale Antiallergika, z.B. Kortikoid-Sprays für die Nase oder Antihistaminika einzusetzen. Die Immunmodulation der SIT schränken diese Medikamente nicht ein. Man kann diese Medikamente deshalb zum einen therapiebegleitend einsetzen. Zum anderen können diese Medikamente hilfreich sein, wenn die Patienten bei der Verabreichung der Spritze starke lokale Reaktionen zeigen. Man würde sie dann unmittelbar vor Verabreichung der Spritze einsetzen.

Aber: Viele Studien zeigen, dass sich der Medikamentenbedarf im Verlauf der spezifischen Immuntherapie deutlich reduziert! Dabei zeigt ein Studienvergleich von Symptom- und Medikamentenscore, dass dieser Effekt bei der SCIT deutlich ausgeprägter ist, als bei der SLIT.

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