Spezifische Immuntherapie Hausstaubmilbenallergie

Prof. Dr. med. Jörg Lindemann, Oberarzt und Allergologe an der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie Universitätsklinikum Ulm

Spezifische Immuntherapie bei Hausstaubmilben-Allergie: Wann hilft die SIT?

Eine Hausstaubmilbenallergie ist für die Betroffenen ein dauerhaftes Problem, denn Hausstaubmilben gibt es das ganze Jahr über, eine Karenz, wie bei Tierhaarallergien oder – in gewissem Maße – bei  Pollenallergien ist hier nicht möglich. Abhilfe schaffen kann eine spezifische Immuntherapie (SIT), durch die Hausstaubmilbenallergiker nach und nach gegen das Allergen immuntherapiert werden, so dass es nicht mehr zu Beschwerden kommt. Für wen eignet sich diese Therapie? Wie wirksam ist sie? Ist bei der Allergie gegen Hausstaubmilben nur die subcutane spezifische Immuntherapie (SCIT), d.h. die Spritzentherapie möglich, oder kann man auch mit der sublingualen spezifischen Immuntherapie (SLIT) gute Ergebnisse erzielen? Diese Fragen beantwortete Prof. Dr. med. Jörg Lindemann, Oberarzt und Allergologe an der  Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie Universitätsklinikum Ulm für MeinAllergiePortal.

Herr Prof. Lindemann, wann schlagen Sie Ihren Patienten mit einer Hausstaubmilbenallergie vor, eine spezifische Immuntherapie mit Spritzen (SCIT) durchzuführen? Welche Voraussetzungen muss der Patient mitbringen?

Ich schlage meinen Hausstaubmilbenallergie-Patienten dann eine spezifische Immuntherapie vor, wenn sie ganzjährige allergische Beschwerden im Sinne einer Rhinokonjunktivitis haben und die Nase dauerhaft verlegt  ist. Typisch für eine Hausstaubmilbenallergie ist es z.B., dass die Beschwerden sich nachts und am Morgen verschlimmern, denn dann ist der Kontakt mit den Hausstaubmilben besonders intensiv.   

Eine weitere Voraussetzung für meine Empfehlung einer SIT ist, dass die entsprechenden Allergietests bei diesem Patienten ein positives Ergebnis für die Allergene der Hausstaubmilben zeigen. In der Regel erfolgt als erster Schritt der Nachweis der Hausstaubmilbenallergie über einen Prick-Test in der Haut. In manchen Fällen ist es nötig, das spezifische IgE gegen die Haustaubmilbenallergene im Blutserum zu bestimmen. Möglich sind auch Provokationstestungen. Das bedeutet, man appliziert die Milbenallergene in die Nase oder am Auge des Patienten, um die typischen Symptome zu provozieren und damit die Allergie nachzuweisen.  

Muss ein Patient mit Hausstaubmilbenallergie vor der Verordnung einer spezifischen Immuntherapie bestimmte Maßnahmen ergriffen haben, z.B. Sanierungsmaßnahmen oder Spezialbezüge für die Betten?

Diese Maßnahmen sollten auf jeden Fall parallel zur spezifischen Immuntherapie umgesetzt werden. Sie werden jedoch nicht als alleinige Therapie empfohlen.

Welche Faktoren sind ausschlaggebend für die Wirksamkeit der spezifischen Immuntherapie bei Hausstaubmilbenallergie?

Ein Faktor für die Wirksamkeit der SIT bei Hausstaubmilbenallergikern ist das Alter des Patienten. Es gibt zwar keine Altersbegrenzung (jünger als 65 Jahre) für die spezifische Immuntherapie, wie man dies in früheren Zeiten einmal angenommen hat. In der Praxis hat sich jedoch gezeigt, dass die Wirksamkeit der spezifischen Immuntherapie dann am höchsten ist, wenn die Hausstaubmilbenallergie noch nicht so lange bestand und der Patient „jünger“ ist. Wenn ein Patient z.B. schon etwas älter ist und bereits seit 40 Jahren unter einer nicht behandelten Hausstaubmilbenallergie leidet, ist die Wahrscheinlichkeit, dass die SIT eine gute Wirkung zeigt, deutlich geringer, als bei einem jüngeren Patienten mit kurzer Erkrankungsdauer. Umgekehrt sollten Kinder bei einer spezifischen Immuntherapie mindestens fünf Jahre alt sein und eine vollständige Allergiediagnostik sollte vorliegen.

Auch die Beteiligung der unteren Atemwege hat einen Einfluss auf die Wirksamkeit einer spezifischen Immuntherapie. Besteht bereits ein Asthma bronchiale, ist die SIT möglicherweise weniger effektiv.

Sehr wichtig für die Wirksamkeit der spezifische Immuntherapie ist auch die Mitarbeit des Patienten. Die Termine für die Verabreichung der Spritzen müssen regelmäßig wahrgenommen werden. Ist der Patient nicht „compliant“ wirkt sich dies natürlich ungünstig auf die Wirksamkeit aus.

Entscheidend für die Wirksamkeit der spezifischen Immuntherapie bei Hausstaubmilbenallergie ist auch die kumulative Gesamtdosis der verabreichten Allergene. Das bedeutet, die Allergenkonzentration, die dem Patienten im Laufe der SIT, die mehrere Jahre dauert, verabreicht wird. Es kommt für die Wirksamkeit der spezifischen Immuntherapie also auch auf die Qualität des verwendeten Allergenextraktes an.

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