Hausstaubmilben Vorratsmilben Allergie

Dr. Christoph Langer, Facharzt für HNO-Heilkunde in Füssen

Hausstaubmilben- und Vorratsmilbenallergie: Biologie, Vorkommen & Bekämpfung

Milben – wo stecken die Allergene?

Die Allergene der Milben bestehen aus Proteinen, die sich zum einen in den Ausscheidungsprodukten der Milben befinden, d.h. Kot, Speichel, Hautpartikel und Sole und zum anderen in Teilen der abgestorbenen Milbenkörpers selbst. Der wichtigste Faktor in Bezug auf die Allergenität ist der Kot der Milbe, dessen Allergenkonzentration weitaus höher ist, als die der anderen Ausscheidungsprodukte. Innerhalb ihres Lebens, d.h. in ca. 2 Monaten, produziert eine Milbe das 200fache ihres Eigengewichtes an Kot.

Wächst die Milbenpopulation, steigt auch der Anteil der Allergene in der Raumluft, der saisonale Höhepunkt liegt vor Beginn der Heizperiode. Mit dem Heizen nimmt die Luftfeuchtigkeit ab und bedingt das Ende des Populationswachstums der Milben.

Ca. ein Viertel der Erwachsenen in Deutschland sind gegen Milben sensibilisiert. Bei Kindern nimmt die Sensibilisierung gegen Milben den dritten Platz im Sensibilisierungs-Ranking ein. Auch Kreuzreaktivitäten sind bei Milbenallergikern möglich, z.B. zwischen Vorratsmilben und Hausstaubmilben. Ein Panallergen der Milbe weist Ähnlichkeiten mit Proteinen auf, die auch in Meeresfrüchten, z.B. Schnecken, Muscheln, Krebstieren etc. vorkommen.

Was hilft gegen Hausstaubmilben und Vorratsmilben? Milben-Sanierungsmaßnahmen!

Es gibt eine Reihe von Sanierungsmaßnahmen, die man als Hausstaubmilbenallergiker beachten sollte. Eine gute Wirkung wird man aber nur erzielen, wenn man all diese Maßnahmen zusammen umsetzt. Mit dem Umsetzen nur einzelner Maßnahmen wird man nicht den gewünschten Effekt erzielen.

Um die richtigen Maßnahmen auszuwählen, sollte man das Raumklima im eigenen Wohnbereich gut kennen. Dabei hilft ein kleines Messgerät, dass die Raumfeuchtigkeit exakt misst und dass man an den unterschiedlichsten Stellen des Hauses aufstellen sollte.

Eine grundsätzlich wichtige Rolle spielt die Sauberkeit. Je häufiger die Hausstaubmilben bzw. die Milbenallergene durch staubsaugen, nass wischen, Bettwäsche wechseln etc. wieder beseitigt werden, umso besser. Eine Rolle spielen auch die bevorzugte Raumtemperatur, das Lüftungsverhalten – eine hohe Raumtemperaturen und dadurch trockenere Luft ist für Milben genauso schädlich wie regelmäßiges Lüften, das die Luftfeuchtigkeit absenkt.

Was in früheren Zeiten üblich war, heute aber seltener geworden ist, kann bei der Bekämpfung von Milben hilfreich sein. Dazu gehört z.B. das „Lüften der Betten“ am offenen Fenster, das bei Sonnenschein zur Austrocknung der Milben führt. "Auch die Matratze regelmäßig in die Sonne zu stellen, wie dies in Israel praktiziert wird, ist eine wirkungsvolle Maßnahme gegen Milben", riet Milbenexperte Dr. Langer.

Eine wirksame Möglichkeit sind auch Encasings, die Matratzen und Bettwäsche so isolieren, dass der Milbenallergiker nicht mit dem Allergen in Berührung kommt. In der Regel werden Encasings von den Krankenkassen übernommen und es gibt sie in sehr unterschiedlichen Ausführungen. Zu beachten ist hier dass auch die über dem Encasing liegenden Strukturen, d.h. die Bettbezüge, regelmäßig bei 60°C gewaschen werden müssen, um sie vom Milbenbefall zu befreien.

Für das Staubsaugen gilt: 10 Prozent der Milben bzw. Milbenabfallprodukte lassen sich durch Staubsaugen entfernen, vorausgesetzt man saugt 2 Minuten lang pro m2! Grundsätzlich gilt: Alle Bodenbeläge, die man nass wischen kann, sind die allergenärmeren Beläge. Wenn jedoch die Lufttemperatur stimmt, bieten aber auch Teppiche gewisse Vorteile, denn das Allergen bleibt daran hängen – eine gute Kombination ist daher ein glatter Boden mit herausnehmbaren Teppichen.

Zu beachten ist, dass sich durch das Staubsaugen die Konzentration des Milbenallergens in der Raumluft deutlich erhöht.

Abhilfe schafft hier entweder ein Staubsauger mit einem guten HEPA-Spezialfilter, oder auch, das Staubsaugen einem nicht-allergischen Familienmitglied zu überlassen. Hin und wieder ist es auch sinnvoll, einen Dampfreiniger zur Reinigung von Teppichböden und Polstermöbeln zu nutzen, denn der heiße Dampf tötet die Milben ab. An Stelle von Polstermöbeln ist es jedoch grundsätzlich besser, Sitzmöbel mit Lederbezug anzuschaffen. Und schwere Vorhänge und Stofftapeten sind für Milbenallergiker ebenfalls nicht angeraten.

Zu den wirkungsvollen Haushaltsmaßnahmen vergangener Tage gehört auch das Ausklopfen von losen Teppichen im Schnee. Das Ausklopfen und die niedrigen Temperaturen bei trockener Luft sind auch heute noch eine empfehlenswerte Maßnahme, um die Milben und das Milbenallergen zu entfernen.

Eine relativ einfache Sanierungsmaßnahme ist auch das Waschen von Bettwäsche, Kopfkissen und Bettdecke bei 60°C. Eine Maschinenwäsche tötet sowohl die Milben als auch die Allergene - chemische Zusätze sind nicht nötig.

Bei Kleidungsstücken, die nicht bei 60°C gewaschen werden dürfen, ist eine weitere Maßnahme sehr effektiv: Das Trocken der Wäsche auf der Wäscheleine in Freien. Das UV-Licht der Sonne und die hohen Temperaturen sorgen sehr gut für das Absterben der Milben. Zu beachten ist auch, dass in synthetischen Textilien mehr Milben zu finden sind als in Baumwolltextilien.

Da ausnahmslos alle Matratzen von Milben befallen werden, bietet einzig ein Wasserbett eine Option, möglichst ohne Bettkasten. Die Matratzenhülle des Wasserbettes bietet Hausstaubmilben ebenfalls gute Lebensbedingungen, so dass darauf zu achten ist, diese regelmäßig , alle drei Monate in der Waschmaschine bei 60 °C zu reinigen. Milbenallergene sind hitzelabil, d.h. waschen bei 60 °C in der Waschmaschine beseitigt sowohl die Milben als auch deren Allergene.

Aufgrund der Tatsache, dass Hausstaubmilben sich von menschlichen Hautschuppen ernähren ist es sinnvoll, den „Fallout“ gering zu halten, indem man sich nicht im Schlaf- und Wohnbereich an und auskleidet, sondern besser im Badezimmer. Auch die Verwendung eines Antischuppen-Shampoos kann sinnvoll sein.

Ein weiteres Milbenversteck sind die Kuscheltiere der Kinder oder Sofakissen. Hier hilft es, die Stofftiere oder Kissen eine Nacht ins Eisfach zu legen, die Milben überleben dies nicht.

Die Milbe als Deliktesse - Vorratsmilben als Geschmacksverstärker

Milben sind nicht immer unerwünscht. In bestimmten Fällen nutzt man Milben um Nahrungsmittel zu veredeln. So gelten sie z.B. bei Parmaschinken oder Serrano-Schinken als edler und schmackhafter, wenn sie von Milben befallen sind und es gibt auch deutsche und französische Käsesorten, die durch Milbenbefall veredelt werden.

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