Allergische Rhinitis durch Hausstaubmilben Schimmelpilze

Prof. Dr. med. Karl Hörmann, Klinikdirektor Universitäts-HNO-Klinik, Universitätsmedizin Mannheim

Allergische Rhinitis durch Hausstaubmilben oder Schimmelpilze

Was kann man tun, um das Entstehen der Schimmelpilze zu vermeiden?

Um zu vermeiden, dass Schimmelpilze entstehen, sollte man die Luftfeuchtigkeit bei unter 50 Prozent halten, das erreicht man durch häufiges kurzzeitiges Lüften. Auf keinen Fall sollte man Luftbefeuchter nutzen und auch Zimmerpflanzen sollte man nicht aufstellen, da sie die Luftfeuchte erhöhen.

Ansonsten hilft die regelmäßige Reinigung von Wohn- und Schlafbereich durch feuchtes Abwaschen glatter Flächen sowie die  Nutzung von Staubsaugern mit hoher Luftleistung (140-300 Watt) und Feinporenfiltern. Küchenabfälle sollten möglichst zeitnah aus der Wohnung gebracht oder bis zur endgültigen Entsorgung außerhalb der Wohnung (z.B. auf dem Balkon) deponiert werden.

Vorbeugung und Sanierung bei Schimmelpilzbefall von Innenraeumen mein allergie portal

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei einer Allergie gegen Hausstaubmilben und Schimmelpilze? Gibt es Unterschiede?

Besteht eine Allergie gegen Hausstaubmilben ist es wichtig, das Allergen zu meiden, entweder durch die bereits angesprochene Sanierung oder sogar, falls möglich, durch einen Umzug ins Hochgebirge. Oberhalb von 1.200m ist das Vorkommen der Hausstaubmilben aufgrund des für sie unfreundlichen Klimas sehr stark dezimiert.

Medikamentös symptomatisch helfen Antihistaminika bzw. Cortikoide, die entweder lokal oder systemisch eingesetzt werden können.

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit einer Subkutanen Spezifischen Immuntherapie (SCIT). Sublinguale Präparate (SLIT) sind auf dem Markt, können aber (noch) nicht mit der SCIT gleichgesetzt werden.

Besteht eine Allergie gegen Schimmelpilze und besteht ein Schimmelpilzbefall im Wohnraum sollte man ebenfalls die genannten Sanierungsmaßnahmen durchführen.

Medikamentös symptomatisch werden hier ebenfalls Antihistaminika bzw. Cortikoide lokal oder systemisch verordnet. Und auch hier kommt eine Subkutane Spezifische Immuntherapie (SCIT) in Frage.

Wie funktioniert die Spezifische Immuntherapie?

Die Spezifische Immuntherapie (SIT) oder auch Hyposensibilisierung ist eine Therapie, mit der das Immunsystem eine Toleranz gegen ein oder mehrere Allergene entwickeln kann. Dadurch erreicht man, dass die allergische Reaktion ausbleibt. Die genauen Wirkmechanismen der spezifischen Immuntherapie sind nach wie vor nicht vollständig geklärt. Neben einer Verschiebung der Balance von allergenspezifischen TH2-Zellen zu TH1-Zellen scheint regulatorischen T-Zellen eine besondere Bedeutung in der Toleranzentwicklung zuzukommen.

Gibt es aktuelle Entwicklungen in der Forschung zum Thema Allergie gegen Hausstaubmilben und Schimmelpilze?

Grundsteine der Therapie bei Allergien gegen Hausstaubmilben und Schimmelpilzen bleiben die Sanierung und wenn möglich die Spezifische Immuntherapie (SIT) als kausale Therapie. Die Spezifische Immuntherapie wird sich in den nächsten Jahren sicherlich im Hinblick auf die Induktion (Herbeiführung) einer Allergentoleranz und Verträglichkeit weiter verbessern. Erst kürzlich wurde ein neues Majorallergen der Hausstaubmilbe Dermatophagoidespteronyssinus entdeckt (Der p 23). Weitere Untersuchungen werden sicher prüfen, inwieweit diese Allergen die Diagnostik und Therapie der HS-Milbenallergie bereichern kann.  

Um therapeutische Möglichkeiten verbessern zu können, ist es insbesondere im Hinblick auf die Schimmelpilzallergie erforderlich, die Allergiediagnostik zu optimieren. So wird in Zukunft ein größeres Allergenspektrum innenraumrelevanter Schimmelpilze benötigt. Außerdem müssen neue Messmethoden zur Erfassung mikrobiologischer Raumluft-Konzentrationen etabliert werden.

Spielt hier auch die Hygienehypothese eine Rolle?

Nach der Hygienehypothese führt ein früher Kontakt zu viralen, bakteriellen und parasitären Erregern zu einer Modulation des Immunsystems und damit zur Minderung des Risikos einer späteren Allergieentwicklung. Fehlt eine entsprechende „Keimexposition“ kann es zu einem Ungleichgewicht in der Ausbildung der immunologischen Toleranz kommen.

So konnte man nachweisen, dass Kinder, die auf Bauernhöfen aufwachsen, seltener unter allergischen Erkrankungen und Asthma leiden. Wichtig scheint dabei jedoch nicht eine unspezifische Exposition mit Krankheitserregern zu sein – es müssen die „richtigen“ Keime sein. Insbesondere der Darmflora weist man hierbei eine große Bedeutung zu.

Da zahlreiche Faktoren das Immunsystem beeinflussen können (Keime, Nahrungsmittel, Umwelteinflüsse, Stress, Genom), kann nicht genau bestimmt werden, welchen Stellenwert nun welcher Faktor einnimmt.

Bislang ist nicht bekannt, welche Faktoren genau eine Sensibilisierung auf Milben und Schimmelpilze begünstigen können.

Herr Prof. Dr. Hörmann, herzlichen Dank für dieses Interview!

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