Helmholtz Zentrum München: Allergieforschung Allergieepidemie

Prof. Dr. Carsten Schmidt-Weber, Direktor des Instituts für Allergieforschung und Leiter des Zentrums Allergie und Umwelt der Technischen Universität München (TUM) und des Helmholtz Zentrums München (ZAUM) zur Allergieepidemie und seinen Foschungsprojekten!

Helmholtz Zentrum München: Allergieforschung und praktische Umsetzung!

Die Allergikerzahlen steigen rasant, Schätzungen zufolge wird bis 2040 jeder zweite Europäer an einer Allergie leiden. Das Institut für Allergieforschung arbeitet daran, dies zu verhindern, durch Spitzenforschung, praxisorientierte Projekte und Initiativen, die das Thema Allergie in den Fokus der Öffentlichkeit rücken sollen. Woran wird zurzeit geforscht und welche Fragestellungen wird man in der Zukunft untersuchen?  Prof. Dr. Carsten Schmidt-Weber, Direktor des Instituts für Allergieforschung und Leiter des Zentrums Allergie und Umwelt der Technischen Universität München (TUM) und des Helmholtz Zentrums München (ZAUM) sprach mit MeinAllergiePortal über die sich ausbreitende Allergieepidemie, spannende Forschungsprojekte und die mangelnde Unterstützung durch die Gesundheitspolitik.  

Herr Prof. Schmidt-Weber, welche Entwicklungen sind in der Allergieforschung zurzeit besonders spannend?

Spannend ist z.B. die Forschung am kombinierten Einsatz von Biologicals und spezifischer subkutaner Immuntherapie.1)  In einer dreiarmigen Studie (Plazebo, SCIT und SCIT und IL-4) an 39 Gräserpollen-Allergikern, die wir in London durchgeführt haben, haben wir einem monoklonalen humanisierten Antikörper, der gegen das Interleukin 4 gerichtet ist, zusammen mit der spezifischen Immuntherapie (SCIT) gegen Gräserpollen eingesetzt. Dafür haben wir eine Gruppe von monosensibilisierte Patienten untersucht.

Mittlerweile steht ein weiterer Antikörper zur Verfügung, der allerdings noch nicht in Kombination mit der SIT getestet wurde. Dieser Antikörper nennt sich Dupilumab, ein Anti IL-4 Rezeptor Antikörper. Dieser blockiert nicht nur IL-4, sondern auch IL-13, eine Blockade, die sich als äußerst wirksam erwiesen hat. Dupilumab befindet sich deshalb in der Phase der Einführung zur Therapie von Asthma und dem atopischen Ekzem.

Warum haben Sie in Ihrer Studie überhaupt die SIT mit einem Biological kombiniert?

Zunächst zum Hintergrund: Zu Beginn der spezifischen Immuntherapie geht man grundsätzlich nach einem stufenweisen Aufdosierungs-Schema vor, das gewährleisten soll, dass es beim Patienten im Zuge der Therapie nicht zu schwereren Nebenwirkungen kommt. Dabei beginnt man mit einer sehr geringen Allergendosis und steigert diese innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens, z.B. während zwei Wochen, bis zu einem gewissen Level, der dann beibehalten wird.

Ausgangspunkt unserer Studie war in diesem Zusammenhang die Beobachtung, dass das IgE, das bekanntlich bei Allergien eine Schlüsselrolle spielt, zu Beginn einer Immuntherapie ansteigt. Zwar ist die Wirksamkeit der SIT nach dreijähriger Therapie gegeben, aber das Anteigen des IgE-Spiegels in den ersten beiden Therapiejahren ist natürlich nicht erwünscht. Sinn und Zweck einer spezifischen Immuntherapie ist es ja, das IgE zu senken und nicht, es zu erhöhen.
In unserer Studie wollten wir untersuchen, ob sich eine Kombination von spezifischer Immuntherapie und Biologika positiv auf das immunologische Gedächtnis auswirkt. Damit verbunden ist das Ziel, die Therapiedauer der spezifischen Immuntherapie zu verkürzen bzw. deren Nachhaltigkeit auszuweiten. Deshalb haben wir in unserer Studie in der zweiwöchigen Updosing-Phase einen monoklonalen Antikörper, ein Anti IL-4, eingesetzt.

Das Ergebnis: Durch die gleichzeitige Gabe von Anti IL-4 zu Beginn der SCIT konnten wir einen Anstieg von IgE und TH2-Zellen verhindern. Hinzu kommt, dass das immunologische Gedächtnis gegen Allergene durch das IL-4 sehr auch nachhaltig beeinflusst wurde, denn die TH-2-Zellen, die das allergische Immungedächtnis vermitteln, waren auch Jahre nach der Immuntherapie deutlich erniedrigt. Dies ist insofern bedeutsam, als die TH2-Zellen mechanistisch in der Lage sind, die B-Zellen zur weiteren IgE-Produktion zu stimulieren. Interessant wäre es, zu überprüfen, ob dieser Effekt auch fünf Jahre nach der Immuntherapie noch anhält, d.h. ob ein nachhaltiger Effekt der Immuntherapie gegeben ist.

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