Versorgungsqualität Kinder Allergie

Prof. Dr. Christian Vogelberg, 1. Vorsitzender der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA) zur Versorgungsqualität allergischer Kinder in Deutschland.

GPA: Wie gut ist die Versorgungsqualität allergischer Kinder?

Zum Thema Kostenübernahme der Neurodermitis-Basispflege für Kinder hat sich die GPA gerade geäußert…

Auch bei Neurodermitis wird eine notwendige Basistherapie von den Krankenkassen in der Regel nicht übernommen. Zwar gibt es einzelne Fettcremes, bei denen die Kosten übernommen werden, aber bei den meisten Präparaten ist dies nicht der Fall. Bei der Basistherapie von Neurodermitis gibt es aber keinen Standard. Immer wieder muss überprüft werden, welche Creme das Kind verträgt. Die Verträglichkeit kann sich im Laufe des Lebens auch ändern. Man muss also bei der Basistherapie, die oft fälschlicherweise Hautpflege genannt wird, variieren können und benötigt ein ganzes Portfolio an Präparaten.

Vergleicht man die Kosten für Cremepräparate zur Basistherapie mit den Kosten für wirkstoffhaltige Präparate oder den Kosten, die anfallen, wenn bei einem Kind aufgrund mangelnder Pflege der Haut ein Klinikaufenthalt nötig wird, schneiden die rückfettenden Pflegeprodukte stets besser ab. Für die Krankenkassen wäre die Kostenübernahme der Basistherapie für Kinder und Jugendliche mit Neurodermitis also im Grunde nicht teuer.

Die GPA fordert von der Politik deshalb einerseits die Finanzierung einer guten und ausreichenden Diagnostik und andererseits die Kostenübernahme notwendiger und sinnvoller therapeutischer Maßnahmen. Gerade bei allergischen Kindern besteht ja die Chance, hochpreisige und komplexe Therapien zu vermeiden, wenn man rechtzeitig damit beginnt.

In wenigen Ländern, z.B. Nordrhein und Hamburg, gibt es mit einzelnen Krankenkassen sogenannte Selektivverträge für Kinder und Jugendliche, die an Neurodermitis leiden. Diese besonderen Versorgungsverträge, an denen alle Kinder- und Jugendärzte, alle Kinderallergologen/Neurodermitis-Trainer und auch Hautärzte teilnehmen können, verbessern die Versorgungssituation für die betroffenen Familien eindeutig. Zahlreiche Beratungsangebote und Neurodermitis-Schulungen werden hier von der Krankenkasse finanziert. Diese regionalen Verträge könnten eine Blaupause für alle Bundesländer in Deutschland sein.

Wie steht es mit der Kostenübernahme der spezifischen Immuntherapie für Kinder mit Allergien?

Die spezifische Immuntherapie (SIT) ist gerade für Kinder eine sehr relevante Therapie. Die SIT ist die einzige kausale Allergietherapie; alle anderen Therapien behandeln nur die Symptome. Nur mit der spezifischen Immuntherapie haben wir die Chance, aktiv in das allergische Geschehen einzugreifen und das Immunsystem so zu beeinflussen, dass es auf Allergenen nicht mehr allergisch reagiert. Gerade bei Kindern, bei denen die Allergien noch nicht so lange bestehen, wäre ein frühzeitiger Therapiebeginn wichtig. Bei Kindern haben bestimmte Umbauprozesse an den Atemwegen, die bei Erwachsenen oft ein Problem sind, noch nicht stattgefunden und die Erfolgsquote der SIT ist höher, sie wirkt präventiv gegen weitere Sensibilisierungen und kann den allergischen Marsch verhindern.     

Wie versuchen Sie die politische Weichenstellung zu beeinflussen?

Mit dem Aktionsforum Allergologie, dem Zusammenschluss von vier Berufsverbänden und drei allergologischen Verbänden, versuchen wir auf unterschiedlichen Ebenen für das Thema Allergie zu sensibilisieren. Es bestehen Kontakte zu den unterschiedlichen Ministerien und zu Bundesgesundheitsminister Gröhe. Die im Aktionsforum Allergologie vertretenden Fachverbände versuchen, der Politik die Bedeutung des Problems „Allergien“ bewusst zu machen und Lösungsansätze aufzuzeigen, die den Politikern dabei helfen, Entscheidungen zu treffen und einen Wandel der Situation einzuleiten.

Gibt es denn Länder, in denen die Versorgung allergiekranker Kinder besser ausgestaltet ist?

In einigen skandinavischen Ländern, z.B. in Finnland, gibt es Modelle, die einen Nationalen Aktionsplan Allergie beinhalten, ähnlich, wie er vom Aktionsforum Allergologie gefordert wird. Die Umsetzung des Aktionsstufenplans hat in diesen Ländern messbare positive Veränderungen bewirkt, sogar nach relativ kurzer Zeit. Messkriterien waren z.B. die Anzahl von Notfallsituationen und die Compliance.

Herr Prof. Vogelberg, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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