Versorgungsqualität Kinder Allergie

Prof. Dr. Christian Vogelberg, 1. Vorsitzender der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA) zur Versorgungsqualität allergischer Kinder in Deutschland.

GPA: Wie gut ist die Versorgungsqualität allergischer Kinder?

Und wie wirken sich klimatische Bedingungen auf das Allergierisiko bei Kindern aus?

Inversionswetterlagen können zu wärmerem Wetter führen und damit zu einer jahreszeitlichen Veränderung der Pollenflugzeiten. Das bedeutete, die Blühphasen der Pflanzen verschieben sich nach vorne und damit auch die Pollenexposition. Dadurch kann es auch zu einer längeren Pollenexposition kommen.

Sowohl die globale Wetterlage als auch lokale Faktoren können dazu führen, dass gerade die Atemwegsallergien stärker und über einen längeren Zeitraum hinweg auftreten.

Sie haben den Vorsitz der GPA vor nicht allzu langer Zeit übernommen, wie sehen Ihre Pläne aus?

Es war schon bei der Gründung der GPA ein zentrales Anliegen, den allergiebetroffenen Kindern und ihren Eltern zu helfen. Die hohen Allergikerzahlen belegen, dass  dies ein unverändert wichtiges Thema ist. Leider entspricht die Versorgungssituation allergiekranker Kinder bei weitem nicht dem Notwendigen. Dabei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle, z.B. der Umgang der Politik mit dem Thema Allergien, sowohl in Bezug auf die Kinder als auf die Erwachsenen.

Darüber hinaus wollen wir auch die breite Öffentlichkeit darüber informieren, welche Bedeutung Allergien haben. Wir wollen klar machen, dass ein Heuschnupfen bei Kindern eben keine Banalität ist, sondern eine massive Beeinträchtigung der Lebensqualität bedeuten kann. Bei Kindern führen Pollenallergien häufig zu Unausgeglichenheit, Schlafstörungen und schlechteren Schulleistungen. Außerdem bleibt es eben oft nicht bei einer einzelnen allergischen Erkrankung. Zusätzlich zu einer Neurodermitis, können sich Heuschnupfen, Nahrungsmittelallergien und Asthma einstellen und viele Menschen bringen diese Erkrankungen gar nicht in Zusammenhang.

Auf unserer Webseite findet man deshalb Informationen zu Allergien und viele praktische Tipps für Eltern.    

Wie schränkt die Gesundheitspolitik die Versorgung allergiekranker Kinder ein?

Zum Beispiel bestehen Einschränkungen bei der Finanzierung und dem Umfang der Diagnostik. Allergieteste, z.B. Prickteste, sind nur einmal im Jahr erlaubt. Die Zahl der Allergene, die man im Blut untersuchen darf, ist begrenzt. Dies macht besonders bei der Diagnostik von Nahrungsmittelallergien große Probleme. Die Kostenübernahme von vielen Medikamenten zur Allergietherapie und zur Behandlung der Neurodermitis endet mit 12 Jahren. Jugendliche Patienten werden hier benachteiligt. Für niedergelassene, allergologisch fortgebildete Kinder- und Jugendärzte, die die Grundversorgung allergischer Kinder übernehmen müssen, bestehen monetäre Zwänge durch Labor- und Arzneimittelbudgets. Für die spezialisierten, weitergebildeten Kinderallergologen ist die Situation noch schwieriger. Hier fehlt zum Beispiel eine entsprechende Abrechnungsziffer für die notwendige, ausführliche, qualifizierte allergologische Beratung des Patienten und der Eltern. Dies führt teilweise dazu, dass die allergischen Kinder und Jugendlichen nicht so versorgt werden können, wie das nach dem aktuellen Stand medizinischer Erkenntnisse eigentlich möglich wäre.  

Diese berufspolitische Unsicherheit führt natürlich auch dazu, dass immer weniger Kinder- und Jugendärzte sich ermutigt fühlen, den Bereich Allergologie abzudecken – hier besteht langfristig die Gefahr von Versorgungsengpässen. Die GPA engagiert sich deshalb sehr stark in der allergologischen Fortbildung aller Kinder- und Jugendärzte, aber auch in der Interessenvertretung der Kinderallergologen.

Könnten Sie ein konkretes Beispiel dafür nennen, wie die Gesundheitspolitik die Versorgung allergiekranker Kinder einschränkt?

Ein Beispiel ist die Kostenübernahme von Allergietesten aus dem Blut. Die Kassen bezahlen im Quartal acht bis maximal neun Allergieteste pro Kind über 6 Jahren. Findet man bei diesen Testen das relevante (Nahrungsmittel-)Allergen nicht, muss man bis zum nächsten Quartal warten, um die weiteren medizinisch notwendigen Allergieteste vorzunehmen. Das verzögert die Diagnose und natürlich auch den Beginn der Therapie.

Und noch ein Beispiel: Für Kinder werden die Kosten für Antihistaminika für allergische Kinder bis zum Alter von 12 Jahren übernommen, danach in vielen Fälle nicht mehr. Rational nachvollziehbar ist diese Regelung nicht, denn der Krankheitsverlauf hat sich  in diesem Alter ja bereits manifestiert und es besteht keine Veranlassung, die Therapie zu unterbrechen.

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