Versorgungsqualität Kinder Allergie

Prof. Dr. Christian Vogelberg, 1. Vorsitzender der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA) zur Versorgungsqualität allergischer Kinder in Deutschland.

GPA: Wie gut ist die Versorgungsqualität allergischer Kinder?

GPA steht für „Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin“ - knapp 2000 Mitglieder zählt die Fachgesellschaft der allergologisch tätigen Kinder- und Jugendärzte in Deutschland. Die Behandlung allergischer Erkrankungen gehört für Kinderärzte zur täglichen Praxis, denn die Zahl der Betroffenen steigt. Was sind die Ursachen für die steigenden Allergikerzahlen? Welche Therapieoptionen stehen Pädiatern zur Verfügung und wo setzt die Arbeit der GPA an? MeinAllergiePortal sprach mit dem 1. Vorsitzenden Prof. Dr. Christian Vogelberg über die Aktivitäten und Ziele der GPA.

Herr Prof. Vogelberg, stimmt es, dass die Allergien bei Kindern zunehmen?

Richtig ist, dass sowohl die Zahl der sensibilisierten als auch der allergischen Kinder in den letzten Jahrzehnten gestiegen ist. Aktuell gehen wir von 7 Prozent Asthmatikern, 13 Prozent an Neurodermitis erkrankten Kindern und 18 Prozent an allergischer Rhinitis leidenden Kindern aus. Hinzu kommt, dass rund 45 Prozent der Kinder in irgendeiner Form sensibilisiert sind. Diese Zahlen sind extrem hoch.

Steigen die Allergiezahlen bei Kindern?

Ob die Zahlen allergiekranker Kinder weiter ansteigen, oder ob ein gewisser Sockel erreicht ist, wird diskutiert. Es gibt Arbeiten, die zu zeigen scheinen, dass eine gewisse Plateauphase erreicht ist - aktuell reicht die Datenlage zu einer klaren Beantworten dieser Frage aber noch nicht aus. Zumindest scheinen die Allergikerzahlen nicht mehr ganz so rasch anzusteigen, wie dies in den letzten Jahren der Fall war, die Zahlen gehen allerdings auch nicht zurück. Fest steht, dass die Anzahl der sensibilisierten und allergiekranken Kinder zurzeit erschreckend hoch ist.

Von welchen Faktoren weiß man denn mit Sicherheit, dass sie bei der Entstehung von Allergien bei Kindern eine Rolle spielen?

Grundsätzlich spielt die genetische Veranlagung eine wichtige Rolle. Damit ist gemeint, dass eine familiäre Belastung besteht, weil z.B. ein oder beide Elternteile von Allergien betroffen sind.

Mit genetischer Veranlagung ist aber auch gemeint, dass beim Kind eine genetische Bereitschaft für eine Allergieentstehung besteht, die durch äußere Einflüsse aktiviert werden kann. Wenn die genetische Bereitschaft und bestimmte Faktoren in der Umgebung zusammen treffen,  kann dies dazu führen, dass das Kind eher Allergien entwickelt, als wenn diese Konstellation nicht vorhanden ist. Untersuchungen wie der Vergleich von Bauernhofkindern und Stadtkindern konnten sehr gut zeigen, dass sich bei Kindern mit ähnlichen Grundveranlagungen, die mit deutlich unterschiedlichen Umweltfaktoren konfrontiert werden, auch die Allergiemanifestation deutlich unterscheidet.    

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