Entzündung Allergie antientzündliche Ernährung

Prof. Dr. med. Dr. med. habil. Olaf Adam, Präsident der Deutschen Akademie für Ernährungsmedizin in Freiburg und Physiologikum der LMU München zur antientzündlichen Ernährung

Entzündungen lindern: Wie kann eine antientzündliche Ernährung helfen?

Haben auch Vitamine bzw. Nährstoffe einen Einfluss auf den Fettsäurewechsel bzw. sollten sie Teil einer antientzündlichen Kost sein?

Der wichtigste Effekt bei der antientzündlichen Ernährung entsteht durch das Verhältnis von Arachidonsäure zu EPA. In großen Untersuchungen haben wir jedoch festgestellt, dass ein im Vergleich etwa halb so starker antientzündlicher Effekt durch eine Antioxidantien-reiche Ernährung erzielt werden kann.

Bei der Umwandlung der Arachidonsäure in die Entzündungsmediatoren handelt es sich um einen  Oxidationsvorgang, verursacht durch Sauerstoffradikale. Antioxidantien können die Sauerstoffradikale binden, so dass die Umwandlung der Arachidonsäure in Entzündungsstoffe gehemmt ist. Dadurch wird der positive Effekt der Omega-3 Fettsäuren auf die Entzündung gesteigert. Zu den Antioxidantien gehören z.B. die Vitamine A, C und E, Carotinoide und Selen, aber auch die in Obst und Gemüse enthaltenen sekundären Pflanzenstoffe.

Zu berücksichtigen ist jedoch, dass man keinesfalls, z.B. Vitamin E, unkontrolliert als Supplement zuführen sollte. Ein „zu viel“ an einem anti-oxidativen Nahrungsergänzungsmittel kann dazu führen, dass schädliche Wirkungen auftreten. Nimmt man mehr als 300 mg Vitamin E täglich ein, so kann das überschüssige Vitamin E selbst zum Sauerstoff-Radikal werden und schadet mehr, als es nutzt – gesunde Menschen benötigen keine Supplemente.

Wirkungsvoller ist eine natürliche Antioxidantien-reiche Ernährung, d.h. Vitamine, die in natürlichen Nahrungsmitteln enthalten sind. In einer Untersuchung haben wir sekundäre Pflanzenstoffe, unter anderem Genistein und Naringin, untersucht. Dabei haben wir gesehen, dass diese sekundären Pflanzenstoffe nicht nur additiv vor entzündlichen Vorgängen schützen, sondern die Wirkung der EPA sogar verstärken.   

Besteht jedoch bereits eine entzündliche Erkrankung sind Nahrungssupplemente, z.B. mit Vitamin E,  dem wichtigsten Antioxidanz, anders zu beurteilen. Mit der Nahrung kann der Patient nicht mehr als 18 mg Vitamin E pro Tag zu sich nehmen. In diesem Fall kann eine Supplementierung mit Vitamin E und auch Selen angebracht sein.  

Wenn es um die konkrete Zusammenstellung eines antientzündlichen Ernährungsplans für den Patienten geht, empfehlen wir bei unseren Fortbildungsveranstaltungen der Deutschen Akademie für Ernährungsmedizin den teilnehmenden Ärzten stets, mit Ernährungsfachkräften zusammenzuarbeiten. Der Arzt kennt die Erkrankung und ermittelt, was der Patient genau, z.B. an Antioxidantien, benötigt und die Ernährungsfachkräfte wissen, durch welche Nahrungsmittel in welchen Mengen dies erreicht werden kann. Ein gutes Teamwork zwischen Arzt und Ernährungsfachkraft stellt die optimale Versorgung des Patienten sicher.

Könnten Sie ein Beispiel für eine antientzündliche Kost nennen?

Eine antientzündliche Kost sollte nicht mehr als zwei Fleischmahlzeiten pro Woche enthalten. Weiter sollte man pro Woche je einen fetten und einen mageren Fisch einplanen und den Rest der Woche, d.h. an drei Tagen, vegetarisch leben.

Butter und fette Milchprodukte sollte man möglichst einschränken, täglich ein halber Liter fettreduzierte Milch oder entsprechende Milchprodukte sind ausreichend, um die Kalziumversorgung sicher zu stellen.

Der antientzündliche Speiseplan sollte viel Gemüse, insbesondere grünes Gemüse, Obst und Salat, enthalten, möglichst fünf Portionen am Tag. Beim Gemüse ist auf eine gute Lagerung zu achten. Wenn man einen Salatkopf nur zwei Tage ohne Kühlung lagert, ist bereits kein Vitamin C mehr enthalten. Im Zweifelsfall ist Tiefkühlware die bessere Wahl. Sie wird gleich nach der Ernte verarbeitet, ist viel vitaminreicher als so manche Frischhandelsware und ist zudem noch leichter portionierbar.

Obst ist ebenfalls empfehlenswert, hier sind allerdings zwei Portionen täglich ausreichend, tendenziell essen viele Menschen zu viel Obst, Gemüse hat mehr Mineralstoffe.

Wer dies verträgt, sollte auch Sojaprodukte und Nüsse einplanen – all diese Speisen würden dabei helfen, die Entzündungsbereitschaft zu senken. Nüsse enthalten auch das Antioxidanz Selen, am meisten Selen enthält die Kokosnuss.

Kohlenhydrate wie Vollkornbrot sollten in der antientzündlichen Ernährung in normalem Umfang enthalten sein. Auch Pasta aus Hartweizengrieß, ohne Ei, ist eine sinnvolle Ergänzung der entzündungshemmenden Ernährung.

Herr Prof. Adam, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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