Entzündung Allergie antientzündliche Ernährung

Prof. Dr. med. Dr. med. habil. Olaf Adam, Präsident der Deutschen Akademie für Ernährungsmedizin in Freiburg und Physiologikum der LMU München zur antientzündlichen Ernährung

Entzündungen lindern: Wie kann eine antientzündliche Ernährung helfen?

Und welche Funktion haben die Omega-3 Fettsäuren im Zusammenhang mit Entzündungen?

Die Omega-3 Fettsäuren, die Gegenspieler der Omega-6 Fettsäuren, sind die α-Linolensäure (ALA), die Eicosapentaensäure (EPA) und die Docosahexaensäure (DHA). Vom Aufbau her unterscheiden sich die Omega-3 Fettsäuren von den Omega-6 Fettsäuren nur durch eine einzige Doppelbindung – ansonsten sind sie identisch. Das bedeutet, dass Omega-3 und Omgea-6 Fettsäuren im Stoffwechsel miteinander konkurrieren. Ein Übermaß an Arachidonsäure-haltigen Speisen fördert somit die Entstehung von Entzündungen, eine Ernährung, die reich an Eicosapentaensäure ist, vermindert die Entzündungsneigung. Mit einer Fisch- und Meeresfrüchte-orientierten Ernährung kann man daher Entzündungen hemmen.     

Die α-Linolensäure kann, auf dem gleichen Stoffwechselweg wie die Linolsäure, vom Körper in EPA umgewandelt werden, wobei die Arachidonsäure der wichtigste Hemmstoff für diese Umwandlung ist: Vermindert man die Arachidonsäure, kann der menschliche Körper die α-Linolensäure besser in EPA umwandeln. Allerdings ist dieser Prozess nicht bei allen Menschen gleich. Nach drei Monaten antientzündlicher Ernährungstherapie sollte deshalb eine Kontrolle der Fettsäuren erfolgen.   

Gibt es, abgesehen von Fisch und Meeresfrüchten noch andere Nahrungsmittel, die antientzündlich wirkende Omega-3 Fettsäuren enthalten?

Eicosapentaensäure bzw. EPA wird von allen tierischen Lebewesen des Meeres aus Linolsäure produziert. Dazu gehören neben den Fischen auch Muscheln, Wasserschnecken, Tintenfische, Kalmare, Garnelen, Krabben, Langusten, Hummer etc. Vornehmlich EPA ist in allen Ölen und Fetten dieser Organismen enthalten, insbesondere in fettreichen Fischarten und in Lebertran. Zum Schutz der Fische hat man jetzt auch schon EPA-produzierende Mikrobakterien gezüchtet.  

Da α-Linolensäure ebenfalls in Eicosapentaensäure umgewandelt wird, tragen auch Fette und Öle, die reich an α-Linolensäure sind, zu einem positiven EPA-Spiegel bei. Dazu gehören Leinöl, Leindotteröl, Rapsöl, Sojaöl, Walnussöl und Weizenkeimöl, sowie Omega 3 Margarine. Ebenso enthalten Nüsse wie Walnüsse, Erdnüsse, Paranüsse, Pistazien und Mandeln reichlich α-Linolensäure.

Meerespflanzen spielen als Lieferanten der antientzündlich wirkenden Omega-3 Fettsäure also keine Rolle?

Meerespflanzen, wie z.B. Algen, sind eine wertvolle Quelle für α-Linolensäure, die ja vom Körper in EPA umgewandelt werden kann. In unserer traditionellen Ernährung ist wenig α-Linolensäure enthalten, außer in den vorher erwähnten Ölen. Ein Salat aus Meeresalgen, wie in der Japanischen Küche üblich, leistet deshalb einen positiven Beitrag bei der antientzündlichen Diät.

Sie erwähnten, dass man den Erfolg einer antientzündlichen Diät überprüfen sollte….

Da die Patienten, abhängig vom individuellen Fettsäurestoffwechsel auf die antientzündliche Diät reagieren, wirkt eine antientzündliche Kost nicht bei jedem gleichermaßen. Deshalb ist eine Kontrolle des Diäterfolgs anzuraten.

Es gibt Labore, die Blutuntersuchungen auf das richtige Fettsäuren-Verhältnis durchführen können. Die Messungen erfolgen an den roten Blutkörperchen, den Erythrozyten. Entspricht das Verhältnis von Arachidonsäure und EPA nicht, wie gewünscht, 5 : 1, sollte die antientzündliche Diät angepasst werden.

Leider sind die herkömmlichen Ernährungsprogramme nicht in der Lage, eine Fettsäurespiegel-orientierte Diät zusammen zustellen, denn sie alle beruhen auf dem Bundeslebensmittelschlüssel (BLS), der oftmals keine Werte für Arachidonsäure und EPA ausweist. Wir haben deshalb einen Ernährungsrechner konzipiert, mit dessen Hilfe man in einigen Minuten überprüfen kann, ob man sich im Hinblick auf die Aufnahme von Omega-3 und Omega-6 Fettsäuren ausgewogen ernährt. In diesem Rechner ist auch berücksichtigt, dass α-Linolensäure in einem gewissen Maße in Eicosapentaensäure umgewandelt wird, weshalb auch Nahrungsmittel abgefragt werden, die α-Linolensäure enthalten.

Sind die Ergebnisse der Laborüberprüfung nicht befriedigend, kann man mit Hilfe des Ernährungsrechners entsprechend nachjustieren.

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