Spezifische Immuntherapie SIT Allergenextrakte

Prof. Dr. med. Oliver Pfaar, Zentrum für Rhinologie und Allergologie, Wiesbaden und HNO-Universitätsklinik der Medizinischen Fakultät Mannheim

Allergenextrakte – ein wichtiger Qualitätsfaktor bei der SIT

Die neue SIT-Leitlinie war eines der beherrschenden Themen beim 10. Allergiekongress in Köln. In der Leitlinie, an deren Erstellung 14 Fachgesellschaften und Berufsverbände mitwirkten, finden Mediziner die aktuellsten Informationen zur spezifischen Immuntherapie aus Wissenschaft und Praxis. Für Ärzte ist die SIT-Leitlinie damit eine wichtige Orientierung gebende Referenz. Für Allergie-Patienten bedeutet die neue SIT ein „Mehr“ an Qualität und Sicherheit. Mit ihrem Fokus auf die Qualität der Allergenextrakt-Präparate gibt die neue SIT-Leitlinie dem behandelnden Arzt die nötigen Kriterien zur Auswahl des effektivsten Präparates an die Hand. Das Wichtigste zur aktuell gültigen SIT-S2k Leitlinie stellte der Erstautor der SIT-Leitlinie, Prof. Dr. med. Oliver Pfaar, Zentrum für Rhinologie und Allergologie, Wiesbaden und HNO-Universitätsklinik der Medizinischen Fakultät Mannheim in einem Impulsreferat vor.

Subkutane Immuntherapie (SCIT) oder Sublinguale Immuntherapie (SLIT)

Eine Kernaussage der neuen Leitlinie ist, dass bei der Indikation zur SIT nicht mehr pauschal danach unterschieden wird, auf welche Art und Weise die spezifische Immuntherapie verabreicht wird, ob subkutan (SCIT) oder sublingual (SLIT). Im Zentrum der Therapieentscheidung steht vielmehr die Frage, für welches therapeutische Allergenextrakt Wirksamkeit und Verträglichkeit im Hinblick auf die zu therapierende Allergie belegt sind.

Qualität der Allergenextrakte

Um hier mehr Transparenz zu schaffen wurden  im Rahmen der SIT-Leitlinie Tabellen für Extraktpräparate erstellt. Diese wurden auf der Internetseite der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Klinische Immunologie (DGAKI) publiziert und geben eine präparatespezifische Übersicht über die in Deutschland, in der Schweiz und in Österreich auf dem Markt befindlichen SIT-Präparate. Die Tabellen werden im halbjährlichen Rhythmus aktualisiert, zuletzt im Juli 2015. 

Die Aufnahmekriterien für Extraktpräparate in diese Tabellen ruhen auf drei Säulen:

1. Es gibt publizierte Studienergebnisse zu dem Präparat, die den folgenden Kriterien entsprechen:

  • Es handelt sich um ein standardisiertes Allergenextrakt.
  • Die entsprechende Studie wurde doppel-blind-placebokontrolliert durchgeführt.
  • Mit dem Präparat konnte, im Vergleich zu Placebo, ein signifikanter statistischer Unterschied bzw. Therapieeffekt gezeigt werden.
  • Der richtige primäre  Zielparameter kam zur Anwendung und wurde auch entsprechend beschrieben.
  • Es konnte eine Wirksamkeit von mindestens 20 Prozent gegenüber Placebo nachgewiesen werden.

2. Die Präparate haben bereits eine Zulassung durch das Paul Ehrlich Institut (PEI)

3. Die Präparate sind noch in der klinischen Entwicklung und die entsprechenden Studien sind bei der Europäischen Arzneimittelkommission (EMA) gelistet.

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