Allergologie im Schloss Wackerbarth: Spannende Vorträge & Diskussionen

Immuntherapie bei Asthma Bronchiale - wann ist sie empfehlenswert?

In der Vergangenheit wurde der Einsatz der spezifischen Immuntherapie bei Asthma bronchiale kontrovers bewertet – es fehlte an aussagefähigen Studien. Mit der neuen SIT-Leitlinie ändert sich dies, denn hier werden erstmals Präparate mit aktuell vorliegenden Studienergebnissen aufgeführt. Damit gibt die neue SIT-Leitlinie konkrete Hinweise zur Wirksamkeit der SIT für einzelne Präparate.

Gute Belege gibt es bereits seit 2009 für die Wirksamkeit der Gräsertabletten bei Kindern mit intermittierendem allergischen Asthma. Bei Kindern ab 14 Jahren und Erwachsenen mit moderatem, durch eine Hausstaubmilbenallergie ausgelöstem, Asthma konnten in Studien mit bestimmten Milbentabletten gute Ergebnisse erzielt werden. Bereits nach einem Jahr SIT  konnte eine signifikante Abnahme des Bedarfs an inhalativen Steroiden erreicht werden. Die SIT mit den hier genutzten Extrakten kann also einen maßgeblichen Beitrag zur Verbesserung der Betreuung von Asthma-Patienten leisten.

prof karl christian bergmannProf. Karl-Christian Bergmann, Charité BerlinWeiter gibt es aus dem Jahr 2010 eine Chochrane-Studie an Erwachsenen zur subkutanen Immuntherapie bei Asthma, überwiegend an Milben- und Pollenallergikern. Diese ergab, dass sich durch die SIT die Asthmasymptome reduzierten und weniger Medikation nötig war, verbunden mit einer hohen Therapieeffizienz. „Von vier behandelten Patienten profitierte in dieser Studie bereits ein Patient von der SIT“ betonte Prof. Karl-Christian Bergmann, Leiter der interdisziplinären pneumologisch-allergologischen Ambulanz am Allergie-Centrum-Charité, Klinik für Dermatologie und Allergologie, Berlin, „diese „number needed to treat“ ist im Vergleich zu vielen Medikamenten ausgesprochen hoch – Werte von 20 und mehr sind durchaus üblich!“

Akupunktur in der Allergologie – „heilen mit Nadeln“

Mit dem sidr hauswald die allergene sind freiAuch der Spaß kam nicht zu kurz! Dr. Bettina Hauswald und "Chor" intonieren frei nach Hoffmann von Fallersleben "Die Allergene sind frei!"nkenden Stellenwert der „sprechenden Medizin“ innerhalb des Gesundheitssystems steigt das Interesse viele Patienten an der Komplementärmedizin. Die mangelnde Zeit des Arztes für ein Patientengespräch gehört zu den häufig vorgebrachten Klagen. Doch auch für komplementäre Heilmethoden gilt: Der Nachweis der Wirksamkeit der Behandlung muss erbracht werden, um medizinisch anerkannt und für den Patienten unbedenklich zu sein. Dies ist im Zusammenhang mit der Allergietherapie lediglich bei drei komplementären Heilmethoden der Fall: Bei der Wassertherapie, auch Balneotherapie oder Kneipp-Kur genannt, bei der Phytotherapie und bei der Akupunktur. „Die Akupunktur gehört in die Hände klassischer Mediziner“ fordert Dr. Hauswald, die an Ihrem Zentrum auch Ausbildungen für Ärzte anbietet.

Akupunktur - „heilen mit Nadeln“ das ist das Spezialgebiet von Kongressleiterin Dr. Bettina Hauswald, die zusätzlich zu ihrem Allergie-Zentrum am Universitätsklinikum der TU-Dresden ein Zentrum für Akupunktur unterhält – eine echte Rarität an deutschen Unikliniken. Das Akupunktur Zentrum arbeitet in der Tradition der jahrhundertealten klassischen Chinesischen Medizin und führt neben der klassischen Akupunktur entlang der Meridiane auch Schädel-, Ohr- und Mundakupunktur durch – dort finden sich im Kleinformat alle relevanten Akupunkturpunkte, die auch am ganzen Körper zu finden sind. Auch modernste Technik wird in Dresden eingesetzt, z.B. Rotlichtlaser-Akupunktur.

Wo helfen die „heilenden Nadeln“?

Was kann man mit Akupunktur behandeln? Eine ganze Reihe von Erkrankungen! So ist es mit der richtigen Nadeltechnik möglich, Bewusstlose aus einer Ohnmacht „zu holen“. Umgekehrt kann man auch bei Operationen oder Zahnarztbehandlungen mit Akupunkturnadeln arbeiten und eine narkoseähnliche Wirkung erzielen. Am Dresdner Akupunkturzentrum behandelt Frau Dr. Hauswald Patienten mit allergischer Rhinitis, Riech- und Schmeckstörungen, funktionellen Stimmstörungen, Zungen- und Mundbrennen und kraniomandibulären Dysfunktionen. „Allerdings ist die Akupunktur bei der allergischen Rhinitis, trotz unserer Erfolgsquote von 80 Prozent, immer eine ergänzende Therapie“ betont Dr. Hauswald, „als ursächliche Therapie der allergischen Rhinitis greife auch ich auf die SIT zurück!“

Allergien Ost – West: Ergebnisse klinischer Studien seit der Wiedervereinigung

prof johannes ringProf. Johannes Ring, TU München und AGATEZum Zeitpunkt der Wiedervereinigung Deutschlands im Jahr 1989 waren Allergien im Westen signifikant häufiger als im Osten insbesondere bei Birkenpollenallergien und Asthma. Untersuchungen, die unmittelbar nach der deutschen Einheit durchgeführt wurden, ergaben jedoch ein paradoxes Bild, so Prof. Dr. med. Dr. phil. Johannes Ring, emer. Direktor der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein, Technische Universität München und Gründungs-Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Anaphylaxie - Training und Edukation e. V.“ (AGATE). Z.B. war die Luftverschmutzung, die bei der Entstehung von Allergien eine Rolle spielt, 1989 im Osten Deutschlands deutlich höher als im Westen, wie ein Vergleich der SO2-Werte zeigte. Dies passte nicht zu den in Westdeutschland zum damaligen Zeitpunkt deutlich höheren Allergieraten.

Allerdings: Während die Luftverschmutzung im Osten industriellen Ursprungs war, d.h. durch grobe Partikel und SO2 verursacht wurde, handelte es sich im Westen eher um eine durch Feinstaubpartikel hervorgerufene Luftverschmutzung. Dagegen kam das atopische Ekzem im Osten signifikant häufiger vor als im Westen.

10 Jahre nach der deutschen Einheit zeigten sich in Bezug auf Allergien keinerlei Unterschiede mehr zwischen Ost und West. Nur bei Kindern bzw. Erwachsenen, die vor 1990 geboren wurden, bestanden bei Heuschnupfen weiterhin Unterschiede z.B. in Bezug auf Asthma. Aktuell relevante allergiebegünstigende Faktoren wie z.B. das Wohnen an verkehrsreichen Straßen betreffen Ost und West gleichermaßen. Weitere allergiebegünstigende Faktoren scheinen Einzelkindstatus, Krippenbesuch erst ab dem Alter von 2 Jahren, kein Wurmbefall und keine Keuchhusten-Impfung gewesen zu sein.    

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