Düsseldorfer Allergietage 2015 Patiententag

Prof. Dr. med. Bernhard Homey, Direktor der Hautklinik am Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD) und Sprecher des UniversitätsAllergieZentrum (UAZ)

Düsseldorfer Allergietage: Was sollten Patienten über Allergien wissen?

Die Erdnuss - ein aggressives Allergen

Eine wichtige immunologisch vermittelte Nahrungsmittelunverträglichkeit ist die Erdnussallergie, die Kinder und Erwachsene gleichermaßen betreffen kann und sich nicht so häufig von privatdozent martin wagenmann universitaetsklinikum duesseldorfProf. Dr. Martin Wagenmann, Universitätsklinikum Düsseldorfselbst verliert, wie dies bei anderen Nahrungsmittelallergien der Fall ist. Schon bei geringen Mengen des Erdnussallergens kann es bei Erdnussallergikern zu lebensbedrohlichen Reaktionen kommen. Da es sich bei Erdnüssen um Hülsenfrüchte handelt, können auch Soja-Spuren, z.B. in Medikamenten, zu allergischen Reaktionen führen.

Bei der Diagnose von Nahrungsmittelallergien sollte beachtet werden, dass eine vorhandene Sensibilisierung, wie sie durch Haut oder Bluttests nachgewiesen werden kann, noch kein Nachweis einer Allergie ist. Es ist durchaus möglich, dass eine Sensibilisierung besteht, ohne dass es bei Allergenkontakt zu allergischen Reaktionen kommt. Nur der orale Provokationstest, bei dem der Patienten das Allergen unter ärztlicher Aufsicht zu sich nimmt, kann hier Gewissheit schaffen und nur dann sollte man das entsprechende Nahrungsmittel meiden.

Von einer bahnbrechenden Studie berichtete in diesem Zusammenhang  PD Wagenmann: “In Israel hatte man beobachtet, dass Erdnussallergien bei Kindern und Erwachsenen sehr viel seltener auftreten, als in anderen westlich orientierten Ländern. Traditionell wird dort bereits sehr kleinen Kindern ein bestimmter erdnusshaltiger Snack gegeben. In einer streng kontrollierten Studie in England hat man deshalb einem Teil der teilnehmenden Kinder entweder ab den ersten Lebensmonaten erdnusshaltige Snacks gegeben oder Erdnussprodukte streng gemieden. Das Ergebnis: Die Kinder, die sehr früh mit dem Erdnussallergien konfrontiert wurden, entwickelten deutlich seltener Erdnussallergien.“  

WDEIA – die „weizen-abhängige-anstrengungsinduzierte Anaphylaxie“

Eine spezielle Form der Nahrungsmittelallergie ist die WDEIA. Hier treten die allergischen Symptome auf Nahrungsmittel nur in Kombination mit körperlicher Anstrengung auf. Zu allergischen Reaktionen unterschiedlichen Schwergrades kann es  z.B. kommen, wenn der Patient ein Weizenbrötchen isst und danach Joggen geht. WDEIA-Patienten sollten diese Kombination daher unbedingt meiden, müssen jedoch nicht grundsätzlich auf Weizenprodukte verzichten.  

„Echte“ Nahrungsmittelallergie oder Nahrungsmittelintoleranz?

Nahrungsmittelintoleranzen, d.h. nicht-antikörpervermittelte Nahrungsmittelunverträglichkeiten,  sind weitaus häufiger als „echte“ Nahrungsmittelallergien. Eine klassische Nahrungsmittelunverträglichkeit, die nicht auf einer immunologisch vermittelten Reaktion beruht, ist die Zöliakie. Bei der Zöliakie ist der Darm betroffen, der auf Gluten, das Klebereiweiß im Weizen, mit Entzündungsreaktionen reagiert. Bei entsprechendem Verdacht kann durch Bluttests und eine Biopsie die Diagnose erstellt werden. Bei positiver Diagnose ist eine lebenslange glutenfreie Ernährung das oberste Gebot.

Eine weitere Allergie, die nicht immunologisch bedingt ist, ist die Nickelallergie. Die Sensibilisierung kann über die Haut erfolgen, zu Unverträglichkeitsreaktionen kann es jedoch auch durch nickelhaltige Nahrungsmittel, wie Bohnen, Erbsen, Linsen, Ananas und Haferflocken kommen.    

Enzymatisch bedingte Nahrungsmittelintoleranzen   

Nicht-allergische Nahrungsmittelunverträglichkeiten können durch Enzymmangel bzw. Enzymdefekte hervorgerufen werden. Dies ist bei der Laktoseintoleranz, die weltweit sehr häufig vorkommt, der Fall und ebenso bei der Fruktosemalabsorption. Die Diagnose der Erkrankungen, die häufig gemeinsam auftreten,  erfolgt durch einen einfach durchzuführenden H2-Atemtest. Betroffene sollten laktose- bzw. fruktosehaltige Nahrungsmittel meiden, es gibt aber auch Enzympräparate, die das jeweils fehlende Enzym substituieren. Weitere enzymatisch bedingte Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind die Sorbitintoleranz und die Unverträglichkeit von Haushaltszucker.

Neben den enzymatisch bedingten Intoleranzen gibt es die Pseudoallergien. Dabei setzen bestimmte Stoffe Histamin aus den Zellen frei und lösen pseudoallergische Reaktionen, d.h. allergieähnliche Symptome, aus, ohne dass eine echte Immunreaktion vorliegt. Zu den auslösenden Stoffen gehören die Salicylate, bestimmte Medikamente und Zusatzstoffe wie Konservierungsstoffe, Säuerungsmittel, Geschmacksverstärker und Emulgatoren.

Ein komplexes Krankheitsbild ist die Histaminintoleranz, deren Ursache noch nicht bekannt ist. Vermutlich besteht bei der Histaminintoleranz ein Missverhältnis zwischen Zufuhr und Abbau von Histamin. Besteht aufgrund der Anamnese ein Verdacht auf Histaminintoleranz, muss unter der Aufsicht eines Arztes oder Ernährungstherapeuten eine histaminarme  Auslassdiät durchgeführt werden. Bessern sich die Symptome daraufhin, wird diese Diät beibehalten.

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