Marburger Allergiesymposium 2015

Prof. Wolfgang Pfützner, Klinik für Dermatologie und Allergologie, Philipps-Universität Marburg

Marburger Allergie Symposium – was ist neu in der Allergietherapie?

Zum 4. Mal fand am 12. und 13. Juni 2015 das Marburger Allergie Symposium statt, das sich an medizinische Fachkollegen richtete. Der Leiter und Organisator des Symposiums, Prof. Wolfgang Pfützner, Klinik für Dermatologie und Allergologie, Philipps-Universität Marburg hatte ein hochkarätiges Programm für die etwa 120 Teilnehmer zusammengestellt. Vorgetragen wurden Empfehlungen aus neuen Leitlinien, Studienergebnisse und Fallvorstellungen. Via TED konnte das Publikum seine Einschätzung komplexer Fälle aus der Praxis mit der Vorgehensweise des Allergie Zentrum Hessen vergleichen, eine Möglichkeit, die großen Zuspruch fand.  

Allergische Rhinitis (AR) – zu viele Patienten leiden unnötig unter Symptomen!

pd dr martin wagenmann hno klinik universitaetsklinikum duesseldorfPD Dr. med. Martin Wagenmann, HNO-Klinik Universitätsklinikum DüsseldorfNicht immer wird die allergische Rhinitis als „ernsthafte Erkrankung“ eingeordnet, auch von manchen Ärzten. Dies birgt häufig unterschätzte Risiken, denn die Symptome der allergischen Rhinitis bestehen nicht allein in einer laufenden oder verstopften Nase, Niesreiz und tränenden Augen. Jüngste Studien haben nachgewiesen, dass die Leistungsfähigkeit der Betroffenen  und sogar deren kognitive Fähigkeiten, z.B. in der Pollensaison „ihres“ Allergens“, erheblich eingeschränkt sein können. Hinzu kommt: Das Risiko, ein allergisches Asthma zu entwickeln, ist bei AR-Patienten deutlich erhöht!

PD Dr. med. Martin Wagenmann, HNO-Klinik Universitätsklinikum Düsseldorf, plädiert deshalb für eine systematische Vorgehensweise bei der Therapie entsprechend der ARIA-Richtlinien. Vergleichende Studien haben gezeigt, dass Patienten, die ARIA-leitliniengerecht therapiert wurden, deutlich weniger Symptome zu beklagen und eine höhere Lebensqualität hatten. Zur Therapie entsprechend der ARIA-Richtlinien gehört u.a. eine frühe Prüfung der Therapieoption Hyposensibilisierung (Allergen-spezifische Immuntherapie, AIT), die nicht erst dann in Erwägung gezogen werden sollte, wenn alle anderen Therapien keine zufrieden stellenden Ergebnisse bringen. Studien haben nachgewiesen, dass eine frühe Therapie der allergischen Rhinitis mit der AIT das Asthmarisiko erheblich senken kann. Eine weitere wichtige Maßnahme bei der Behandlung von Patienten mit allergischer Rhinitis ist die wiederholte Kontrolle des Therapieerfolgs und gegebenenfalls eine Anpassung der symptomatischen Therapie mit dem Ziel, größtmögliche Beschwerdeerleichterung zu erreichen.

Anaphylaxie schnell erkennen und richtig handeln -  Empfehlungen für die Praxis!

prof dr knut brockow klinik und poliklinik fuer dermatologie und allergologie am biederstein technische universitaet muenchenProf. Dr. Knut Brockow, Klinik u. Poliklinik für Dermatologie u. Allergologie am Biederstein, Technische Universität MünchenEine Anaphylaxie ist ein Fall für den Notarzt, aber wann handelt es sich um eine Anaphylaxie und wann nicht? Wenn ein Patient mit Symptomen wie Hautausschlag, Übelkeit, Atemnot, Schwindel, etc. in die Praxis kommt, ist es auch für Mediziner nicht immer auf den ersten Blick erkennbar, ob ein anaphylaktischer Schock vorliegt.

Hilfestellung gibt die neue Leitlinie zu Akuttherapie und Management der Anaphylaxie, die Prof. Dr. Knut Brockow, Klinik u. Poliklinik für Dermatologie u. Allergologie am Biederstein, Technische Universität München vorstellte. Ein sicheres Anzeichen für einen anaphylaktischen Schock ist es  z.B., wenn mindestens zwei Organsysteme an der Reaktion beteiligt sind, wie etwa Atemwege und Haut oder Magen-Darm-und Herz-Kreislauf-System. Eine zentrale Empfehlung für die ärztlichen Kollegen war, für den Fall einer Anaphylaxie einen Notfallplan zu etablieren und mit dem gesamten Praxisteam für den Ernstfall zu proben. Oft sind es die Mitarbeiter der Praxis, die mit den Symptomen der Patienten als erste konfrontiert werden und dann ist es wichtig, dass alle im Team die Anzeichen einer Anaphylaxie zu deuten wissen und die richtigen Maßnahmen mit der richtigen Priorität einleiten können.


Die Allergen-spezifische Immuntherapie – das richtige Extrakt ist entscheidend!

prof dr randolf brehler klinik fuer hautkrankheiten allergologie berufsdermatosen und umweltmedizin universitaetsklinik muensterProf. Randolf Brehler, Klinik für Hautkrankheiten, Allergologie, Berufsdermatosen und Umweltmedizin, Universitätsklinik MünsterDie Wahl des richtigen Allergen-Extraktes und dessen Qualität ist eine wichtige Voraussetzung für den Therapieerfolg der Allergen-spezifischen Immuntherapie (AIT). Teil der neuen Leitlinie ist deshalb eine Liste standardisierter Extrakte mit Angabe der Majorallergen-Konzentrationen, bei denen in Studien eine um 20 Prozent höhere Wirksamkeit des Verums gegenüber dem Placebo nachgewiesen wurde – eine Forderung, die über die Zulassungskriterien des Paul-Ehrlich-Instituts hinausgeht. Für Prof. Randolf Brehler, Klinik für Hautkrankheiten, Allergologie, Berufsdermatosen und Umweltmedizin, Universitätsklinik Münster, besteht eine Schwierigkeit jedoch darin, dass die Hersteller die Quantifizierung der Majorallergene anhand unterschiedlicher Methoden vornehmen. Eine einheitliche Angabe von Majorallergen-Konzentrationen und die Vergleichbarkeit sind deshalb nicht in vollem Maße gegeben.

Hinzu kommt die aktuell noch nicht geklärte Frage, welchen Einfluss die Majorallergen-Menge auf die Wirksamkeit der AIT hat bzw. welche Menge in welchem Fall die richtige ist. Neben den Majorallergenen enthalten Allergen-Extrakte auch Minorallergene, die ebenfalls einen Einfluss auf den Therapieerfolg haben könnten. Es bedarf noch einiger Studien, um diese Fragen abschließend zu klären.

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