Allergieforschung Versorgungsqualität Patienten

werden. Nach anderthalb Jahren Aufklärungsarbeit ist man allerdings noch nicht zufrieden. MeinAllergiePortal sprach mit Prof. Dr. med. Thomas Fuchs, Leitender Oberarzt an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Universitätsmedizin Göttingen

Allergie-Spitzenforschung vs. Versorgungsqualität: Wo bleibt der Patient?

Das Aktionsforum Allergologie bringt also alle beteiligten Institutionen an einen Tisch?

Das ist das Ziel, jedoch bestehen noch Unklarheiten in Bezug auf Zuständigkeiten und Kompetenzen und es gibt auch Interessenskonflikte. Der Gesundheitsminister verweist z.B. auf die Selbstverwaltung der Ärzte. Die Ärzteschaft ist nicht homogen, sondern besteht aus einer Vielzahl fachärztlicher Gesellschaften, die sich nicht in jedem Punkt einig sind und die jeweils eigene spezielle Anliegen haben.

Fest steht: Wir Allergologen können sehr gut dokumentieren, dass sich der vermeintlich harmlose Heuschnupfen zu einem Asthma entwickeln kann, oder zu einer lebensbedrohlichen Nahrungsmittelallergie. Wir wissen, dass medikamentenallergische Reaktionen eine „Büchse der Pandora“ darstellen, die wir noch nicht einmal ansatzweise „geöffnet“ haben. Schmerzmittel, örtliche Betäubungsmittel, Antibiotika etc. können zu schwersten allergischen Reaktionen führen. In der öffentlichen Wahrnehmung wird dies, trotz steigender Fallzahlen, noch gar nicht richtig zur Kenntnis genommen. Bei 1 bis 5 Prozent der Krankenhauspatienten kommt es zu Unverträglichkeitsreaktionen auf Medikamente, die zu 80 bis 90 Prozent an der Haut stattfinden und potenziell lebensbedrohlich sind.  

Zu allergischen Reaktionen kommt es jedoch nicht nur im Krankenhaus, z.B. intraoperativ, sondern die Patienten erleben diese Reaktionen zu Hause, beim Dermatologen oder beim Zahnarzt.

Leider war jedoch unser Versuch, beim gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), dem obersten Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland,  ein strukturiertes Behandlungsprogramm (DMP) für Allergiker auf den Weg zu bringen, bislang nicht von Erfolg gekrönt.     

Was wünschen Sie sich von der Politik, damit es beim Thema Allergien nicht zu einem Ping-Pong-Spiel kommt?

Das Bundesgesundheitsministerium müsste realisieren, dass aktuell eine adäquate Behandlung von Allergikern nicht gegeben ist, dass dies zu enormen Folgeerkrankungen führt und hohe volkswirtschaftliche Kosten verursacht.

Aus diesem Handlungsbedarf heraus, müsste die Politik einen runden Tisch, sozusagen ein „Allergie-Round Table“, ins Leben rufen, an dem alle Disziplinen beteiligt sind. Ein neutraler Moderator sollte mit allen Beteiligten eine neue Sicht der Dinge erarbeiten. Das Ziel wäre, einen Prozess zur Diagnose und Behandlung von Allergien zu definieren, der am Wohl des Patienten orientiert ist, unabhängig von den jeweiligen Interessengruppen. Ähnlich wie bei einem Konklave müsste die Politik einen gewissen „Einigungsdruck“ ausüben bis „der weiße Rauch aus dem Schornstein steigt“.

Herr Prof. Fuchs, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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