Allergieforschung Versorgungsqualität Patienten

werden. Nach anderthalb Jahren Aufklärungsarbeit ist man allerdings noch nicht zufrieden. MeinAllergiePortal sprach mit Prof. Dr. med. Thomas Fuchs, Leitender Oberarzt an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Universitätsmedizin Göttingen

Allergie-Spitzenforschung vs. Versorgungsqualität: Wo bleibt der Patient?

Welche weiteren Gründe verhindern eine gute Behandlung für Allergiker?

Auch das aktuelle kassenärztliche Vergütungssystem  behindert eine gute Versorgung von Patienten mit Allergien. Z.B. ist die Honorierung allergologischer Leistungen in den jeweiligen Bundesländern sehr unterschiedlich. Das führt dazu, dass die Diagnostik und Therapie mit Allergenextrakten für manche Mediziner einfach nicht lohnend ist. Auch Ärzte müssen wirtschaftlich arbeiten und wenn andere Maßnahmen ertragreicher sind, wird der Schwerpunkt in einer Praxis eben nicht auf Allergien gelegt.

Dazu muss man wissen, dass die Diagnose und Therapie mit Allergenextrakten durchaus auch Risiken birgt. Ein Arzt muss immer damit rechnen, dass es im Verlauf von Diagnose und Therapie zu allergischen Reaktionen kommt, die von „leicht“ bis „schwerwiegend“ reichen können. Das liegt in der Natur der Sache, fordert vom behandelnden Arzt aber einerseits eine entsprechende Ausbildung und andererseits eine Ausrüstung, die ein Eingreifen im Notfall ermöglicht. Darüber hinaus muss das gesamte Praxisteam für den Notfall gerüstet sein und das ist ebenfalls sehr aufwändig.

Auch für Ärzte, die operieren, kann es sehr schwierig sein, die Behandlung von Allergiepatienten in den Praxisalltag einzubauen. Wenn der Arzt im OP-Saal steht, kann er nicht gleichzeitig im Notfall eine  allergische Reaktion behandeln. Dafür müsste stets ein zweiter Arzt in der Praxis sein. Angesichts all dieser Problemstellungen konzentrieren sich viele Ärzte lieber auf andere Indikationen.

Das Aktionsforum Allergologie plädiert deshalb für eine angemessene Honorierung allergologischer Leistungen, denn nur so wird man mehr Ärzte dazu motivieren können, diese auch zu erbringen.

Sie erwähnten, dass Patienten mit Allergien Hilfe  bei alternativen Therapien suchen und nicht bei der Schulmedizin. Worauf führen Sie dies zurück?

Da kann ich nur spekulieren. Ich vermute jedoch, dass viele Menschen sich von der Schulmedizin auch deshalb abwenden, weil viele naturwissenschaftlich ausgebildete Ärzte im „Hamsterrad Kassenpraxis“ stecken. Was wie vergütet wird, bestimmt die kassenärztliche Vereinigung  und die Honorierung für die „sprechende Medizin“ wird kontinuierlich zurückgeschraubt. Die Folge: Die Ärzte nehmen sich einfach nicht mehr die Zeit für ein ausführliches Gespräch mit ihren Patienten. Diese Zeit nimmt sich dann ein Heilpraktiker, der für die „sprechende Medizin“ deutlich besser honoriert wird und den viele Patienten auch selbst bezahlen. Natürlich fühlt der Patient sich dann besser verstanden.

Hinzu kommt: Viele Patienten informieren sich heutzutage im Internet. Nicht alles, was man dort aber findet, ist jedoch medizinisch korrekt. Manchmal pflanzen sich so falsche Informationen zur angeblichen Wirksamkeit alternativer Heilmethoden fort, ohne dass dies gerechtfertigt wäre. Eine interessante Hypothese ist, dass die vielen Menschen, die  sich von einem Heiler behandeln lassen, einen Hang zum Mystizismus haben, - der aber gerade bei allergischen Krankheiten tödlich enden kann.

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