Allergieforschung Versorgungsqualität Patienten

werden. Nach anderthalb Jahren Aufklärungsarbeit ist man allerdings noch nicht zufrieden. MeinAllergiePortal sprach mit Prof. Dr. med. Thomas Fuchs, Leitender Oberarzt an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Universitätsmedizin Göttingen

Allergie-Spitzenforschung vs. Versorgungsqualität: Wo bleibt der Patient?

Deutschland gehört zu den führenden Standorten in der Allergieforschung, die Patienten profitieren davon aber nicht. Grund genug für die mit Allergien befassten Mediziner im Herbst 2013 das Aktionsforum Allergologie zu gründen. Das Ziel: Die Versorgungsqualität für Allergiepatienten soll deutlich verbessert werden. Nach anderthalb Jahren Aufklärungsarbeit ist man allerdings noch nicht zufrieden. MeinAllergiePortal sprach mit Prof. Dr. med. Thomas Fuchs, Leitender Oberarzt an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Universitätsmedizin Göttingen und Mitglied des Vorstandes und Öffentlichkeitsbeauftragter des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (AeDA) über aktuelle Probleme, die Konsequenzen und seine Wünsche an die Politik.

Herr Prof. Fuchs, das Aktionsforum Allergologie macht sich für eine bessere Versorgung von Allergie-Patienten stark. Was ist das Problem?

Probleme gibt es viele. Zum einen wird das Krankheitsbild „Allergie“ zu häufig unterschätzt. Pollenallergiker sind z.B. nur zur Pollensaison mit Beschwerden konfrontiert und kaufen sich dann die Antihistaminika in der Apotheke. Damit unterdrücken sie  eventuell die Symptome und wähnen sich behandelt, eine ursächliche Therapie der Erkrankung ist dies allerdings nicht.

Die Patienten, die Hilfe bei einem Arzt suchen, bekommen aber ebenfalls nicht immer eine optimale Behandlung. Nicht alle Mediziner verfügen über die entsprechenden allergologischen Kenntnisse, und die Patienten sind zu Recht enttäuscht, wenn die Therapie nicht anschlägt. Ähnlich ist es beim Heilpraktiker, denn mit Therapien wie Kupferarmbänder, Bioresonanz, homöopathischen Tropfen und Globuli kann man eine Allergie nicht in den Griff bekommen.

Wenn die Patienten, oft nach einer langen Odyssee, zum Allergologen kommen, ist „das Kind schon in den Brunnen gefallen“ und es besteht bereits eine Chronifizierung der Symptome. Viele haben schon in jungen Jahren ein Asthma entwickelt, weil ihnen bei Heuschnupfen oder Hausstaubmilbenallergie eine spezifische Immuntherapie vorenthalten wurde.

Bei anderen ist es zu einer schweren Neurodermitis inklusive Nebenwirkungen durch Kortison gekommen. Nicht wenige Patienten haben ein erhebliches Untergewicht, weil sie über einen langen Zeitraum unsinnige Diäten eingehalten haben und aus Sorge vor allergischen Reaktionen kaum noch etwas essen.

Schlimm ist es, wenn ausgeprägte Wespengiftallergiker im Sommer Todesängste ausstehen, weil sie nicht wissen, dass es eine Immuntherapie gibt, die dazu führt, dass sie einen Wespenstich tolerieren.

Beim Krankheitsbild Allergie fehlt es also nach wie vor an Aufklärung?

Aus Sicht der Allergologen ist es traurig zu sehen, dass die wirksamen Therapien, die der Medizin zur Verfügung stehen, nicht beim Patienten ankommen. Das Aktionsforum Allergologie wurde gegründet um zu erreichen, dass Allergie-Patienten in Zukunft besser versorgt werden. Dies gilt für eine adäquate Diagnostik genauso wie für eine zeitgemäße Therapie.

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