Volkswirtschaftlicher Schaden Allergie

Prof. Dr. med. Torsten Zuberbier, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie an der Charité in Berlin und Leiter der Stiftung ECARF

Allergiewelle rollt – volkswirtschaftlicher Schaden bleibt unerkannt!

Wie entsteht durch die wachsende Zahl von Allergikern ein volkswirtschaftlicher Schaden?  

Allergien sind die häufigste chronische Erkrankung und verursachen die höchsten volkswirtschaftlichen Schäden durch „Nichtbehandlung“. Andere Erkrankungen, wie z.B. Herzinfarkt, Schlaganfall oder Kreislauferkrankungen sind ebenfalls volkswirtschaftlich relevant, aber man kann hier durch eine frühe Behandlung deutlich weniger Kosten einsparen, als dies bei den Allergien der Fall wäre.

Unbehandelte Allergien beeinträchtigen nicht nur die Lebensqualität der Betroffenen, sie haben auch einen negativen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit. Man weiß z.B., dass in der Pollensaison bei pollenallergischen Schulkindern ein 40prozentiges Risiko besteht, um eine Note abzufallen, wenn die Allergie unbehandelt bleibt. Auch bei Erwachsenen können die Symptome unbehandelter Allergien zu einem Leistungsabfall führen, Fehlzeiten verursachen etc. und damit verursachen Allergien einen volkswirtschaftlichen Schaden. Es ist deshalb volkswirtschaftlich nicht hinnehmbar, dass zurzeit nur 10 Prozent der Allergiker ausreichend behandelt werden!1)

Wie kommt es, dass der volkswirtschaftliche Schaden, der durch Allergien entsteht, unterschätzt wird?

In der öffentlichen Wahrnehmung ist die Tatsache, dass unbehandelte Allergien für unser Gesundheitssystem sehr teuer werden können, noch nicht angekommen. Allergien werden noch viel zu oft „verniedlicht“, d.h. als „lästig aber harmlos“ beurteilt.

Hingegen werden Erkrankungen wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen als weitaus bedrohlicher wahrgenommen. Das liegt u.a. auch an der Pharmaindustrie, die entsprechende Medikamente anbietet und die sehr viel Geld in eine flächendeckende professionelle Kommunikation investiert hat. Für Allergien stehen diese Investitionen nicht zur Verfügung. Deshalb ist die Diskrepanz zwischen der öffentlichen Wahrnehmung der Gefährlichkeit von Allergien und der Realität massiv und es ist sehr schwer, diese Wahrnehmung zu verändern!

Hinzu kommt, dass es, abgesehen von der Stiftung ECARF, der ich vorstehe, wenig andere Initiativen im Bereich Allergien gibt und auch das Spendenaufkommen aus Deutschland mit durchschnittlich 3.000,- € pro Jahr sehr gering ist. Glücklicherweise haben wir bei ECARF Privatspender aus England, die die Stiftung unterstützen und auch das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz fördert uns bei Projekten.  

Ähnlich unausgewogen ist die Situation im Bereich Forschung. Zur Erforschung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird mindestens zehnmal so viel ausgegeben, wie zur Erforschung allergischer Erkrankungen.

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