Volkswirtschaftlicher Schaden Allergie

Prof. Dr. med. Torsten Zuberbier, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie an der Charité in Berlin und Leiter der Stiftung ECARF

Allergiewelle rollt – volkswirtschaftlicher Schaden bleibt unerkannt!

Die Zahl der Allergiker wächst. Immer mehr junge, aber auch zunehmend ältere Menschen, erkranken an Allergien. Aber: Nicht jeder Allergiker erhält eine adäquate Behandlung. Warum ist das so und welche Konsequenzen hat das für die Betroffenen? MeinAllergiePortal sprach mit Prof. Dr. med. Torsten Zuberbier, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie an der Charité in Berlin und Leiter der Stiftung ECARF über die Zunahme von Allergien, die unzureichende Behandlung und den potenziellen volkswirtschaftlichen Schaden.

Herr Prof. Zuberbier, warum steigt die Zahl der Allergiker?

Es gibt mehrere Gründe für die Zunahme von Allergien. Da ist zum einen die Hygiene-Hypothese. Die Hygiene-Hypothese geht davon aus, dass unser Immunsystem unterfordert ist, weil wir heutzutage immer seltener mit schweren Infektionskrankheiten wie z.B. Tuberkulose konfrontiert werden. Aufgrund dieser Unterforderung begeht das Immunsystem einen „Irrtum“, denn es stürzt sich auf im Grunde harmlose Pollen- oder Hausstaubmilbenallergene und stuft sie fälschlicherweise als „gefährlich“ ein.

Auch Umweltfaktoren spielen bei der Zunahme von Allergien eine Rolle. Die Umweltverschmutzung nimmt zu und nicht ohne Grund ist die Zahl der Allergiker in den Städten deutlich höher als auf dem Land. In den Städten findet man auf den Pollen Rußpartikel, die die Allergenität der Pollen erhöhen. Das Immunsystem wertet die mit Rußpartikeln besetzten Pollen wie ein Bakterium und greift an – die Folge: Allergische Symptome.

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Der dritte wichtige Faktor im Zusammenhang mit Allergien ist die Klimaerwärmung. Seit Jahren konstatieren wir einen sowohl stärkeren als auch früher einsetzenden Pollenflug. Das kommt daher, dass sich Pflanzen bei erhöhten CO2 Werten ausgesprochen wohl fühlen. Das sehen wir z.B. daran, dass Pflanzen entlang von Autobahnen, an viel befahrenen Straßen und in Städten generell, ausgesprochen gut gedeihen. Die Pflanzen setzen an solchen Standorten auch deutlich höhere Pollenmengen frei.

Zusammengefasst heißt das: Unser Immunsystem ist darauf ausgelegt, immer zuerst die „gefährlichsten Feinde“ anzugreifen. Dank ausgesprochen guter Hygienebedingungen gibt es diese gefährlichen Feinde jedoch nicht mehr in diesem Maße, zumindest nicht in der westlichen Welt, und das Immunsystem stürzt sich auf „die falschen Feinde“. Hinzu kommen die erwähnten Auswirkungen der Umweltverschmutzung, die ebenfalls ganz erheblich zur Ausbreitung von Allergien beitragen. All dies zusammengenommen führt zu insgesamt mehr allergischen Erkrankungen und auch zu mehr Allergien in höherem Alter. Dadurch entsteht ein massiver volkswirtschaftlicher Schaden.

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