Senkt Rohmilch Allergierisiko?

Dr. Georg Loss vom Dr. von Haunerschen Kinderspital der LMU München

Senkt Rohmilchkonsum das Allergierisiko? Schutz vor Atemweginfektionen?

Bei Säuglingen, die mit Rohmilch gefüttert wurden, haben Sie nach einem Jahr niedrigere Normalwerte des Entzündungsparameters CRP (C-reaktives Protein) vorgefunden, als bei den Kindern, die andere Milchsorten tranken. Dieser Wert ist bei der Entwicklung chronischer Erkrankungen wie z.B. Asthma erhöht. Weiß man, welche Wirkmechanismen dahinterstecken?

Der Verlauf, beispielsweise Anstieg und Abfall, von CRP Werten während und nach einer Entzündung im Körper wurde ausgiebig erforscht. Dass CRP nicht nur als Entzündungsmarker dient, sondern auch unterschwellige Entzündungszustände widerspiegelt, ist für die Erforschung von diversen chronischen Krankheiten, wie Adipositas, von großem Interesse.

Bei Asthma weiß man, dass es sich um eine chronische lokale Entzündung in den Atemwegen handelt, die als Immunantwort auf verschiedene Reize auftreten kann. Wie dies genau mit einer unterschwelligen systemischen Entzündung zusammenhängt, ist bisher unklar.

Die Forscher der PASTURE Studie fordern von der Industrie, neue Verfahren bei der industriellen Milchverarbeitung zu entwickeln. Gibt es schon Ansätze für diese Verfahren?

Wir haben leider keinen Einblick in die Entwicklungsabteilungen der milchtechnologischen Betriebe, aber es dürfte sicherlich schon Entwicklungen in diese Richtung geben. Der Effekt von unbehandelter Milch auf Asthma und Allergien bei Kindern wurde ja bereits in einigen Studien gezeigt und unsere Ergebnisse zu Infektionen kommen nun hinzu.

Ich könnte mir vorstellen, dass bei neuen Produkten Kombinationen von schonenderen Verfahren zum Einsatz kommen werden, welche die erwünschten Milchinhaltsstoffe insgesamt weniger in Mitleidenschaft ziehen. Das Problem für die Milchindustrie in Europa ist natürlich die Einhaltung von hohen Hygienestandards, und dafür müssen Hersteller erst beweisen können, dass ein neues Verfahren ein mikrobiologisch sicheres Milchprodukt erzeugen kann.

Sie raten vom Rohmilchkonsum aufgrund der Gefahr bakterieller Belastungen ab, und neue, schonendere Methoden der Milchverarbeitung gibt es noch nicht? Was raten Sie Eltern, die ihre Kinder jetzt vor allergischen Erkrankungen schützen wollen?

Es ist sehr wichtig immer wieder darauf hinzuweisen, dass unsere Ergebnisse keine Empfehlung zum Verzehr von unbehandelter Kuhmilch sind, vor allem nicht im Säuglingsalter. Die bakterielle Belastung bleibt ein Risikofaktor von Rohmilch und darf nicht unterschätzt werden.

Wie wir in Studien immer wieder sehen, wird die Entstehung von Allergien und Asthma im frühen Kindesalter durch äußere Faktoren negativ wie auch positiv beeinflusst. Somit sollte man vermeiden Kinder Risikofaktoren wie Rauchen oder Luftverschmutzung auszusetzen. Auch unabhängig von möglicher Allergievermeidung ist Vollstillen über 4 Monate nach wie vor zu empfehlen; die Einführung von Beikost ist zwischen 5 und 7 Monaten empfohlen. Weitere Empfehlungen findet man in der aktuellen Leitlinie zur Allergieprävention erstellt von der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) und der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ).

Herr Dr. Loss, herzlichen Dank für dieses Interview!


Quellen:

Georg Loss PhD, Martin Depner, PhD, Laurien H. Ulfman, PhD, R.J. Joost van Neerven, PhD, Alexander J. Hose, MPH, Jon Genuneit, MD, Anne M. Karvonen, PhD, Anne Hyvärinen, PhD, Vincent Kaulek, PhD, Caroline Roduit, MD, Juliane Weber, MD, Roger Lauener, MD, Petra Ina Pfefferle, PhD, DrPH, Juha Pekkanen, MD, PhD, Outi Vaarala, MD, PhD, Jean-Charles Dalphin, MD, PhD, Josef Riedler, MD, Charlotte Braun-Fahrländer, MD, Erika von Mutius, MD, Markus J. Ege, MD, the PASTURE study group, Consumption of unprocessed cow's milk protects infants from common respiratory infections, The Journal of Allergy an Clinical Immunology, published online Oct 19th 1914,  http://www.jacionline.org/article/S0091-6749%2814%2901274-3/abstract

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