Allergie-Patienten Versorgung in Deutschland

Prof. Dr. Wolfgang W. Schlenter, Arzt für HNO-Heilkunde in Frankfurt

Allergie-Patienten in Deutschland: Wo bleibt die Versorgungsqualität?

Viele Patienten gehen davon aus, dass sie im deutschen Gesundheitssystem vom medizinischen Fortschritt profitieren, auch wenn es um die Behandlung von Allergien geht. Gleichzeitig haben die Meisten Verständnis dafür, dass man auch in einem Gesundheitssystem auf die Kosten achten muss. Schwierig wird es dann, wenn die Weichen so gestellt werden, dass einerseits die Qualität der Versorgung sinkt und medizinische Innovationen die Patienten nicht erreichen und andererseits genau diese Weichenstellung für eine Explosion der Kosten sorgt. MeinAllergiePortal sprach mit Prof. Dr. Wolfgang W. Schlenter, Arzt für HNO-Heilkunde in Frankfurt und Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes im Ärzteverband Deutscher Allergologen e. V. (AeDA) darüber, warum in der Allergologie genau das passiert, schlechtere Versorgung bei steigenden Kosten!

Herr Prof. Schlenter in Ihrem Vortrag im Rahmen des 9. Deutschen Allergiekongresses in Wiesbaden kritisieren Sie, dass deutsche Allergie-Patienten vom medizinischen Fortschritt nicht ausreichend profitieren, warum?

Ein Grund dafür, dass deutsche Patienten von neuen Medikamenten und Therapien nicht in vollem Maße profitieren liegt darin, dass die Allergologie in der Öffentlichkeit keinen großen Stellenwert hat.  Die Allergologie ist in Deutschland kein eigenständiges Fachgebiet, wie HNO, Pädiater, Dermatologe etc., sondern fachübergreifend aufgestellt. Das bedeutet, Ärzte mit der Zusatzbezeichnung „Allergologie“ sind bei uns in erster Linie Dermatologe, HNO, Lungenfacharzt etc.. Die Zusatzbezeichnung „Allergologie“ wird erst durch eine Zusatzausbildung erworben. Schätzungsweise haben deshalb nur 10 Prozent der Allergiker Zugang zu einem Facharzt mit der Zusatzbezeichnung „Allergologie“. Damit haben auch nur 10 Prozent der Betroffenen Zugang zu einer angemessenen Behandlung. Dies bedingt wiederum eine zunehmende Inzidenz, d.h. eine wachsende Anzahl der Neuerkrankungen, wie z.B. Allergische Rhinitis, Neurodermitis und chronische spontane Urtikaria.

Ein weiterer Hemmschuh bei der Versorgung von Allergiepatienten ist das aktuelle Vergütungssystem. Dieses setzt keine Anreize mehr für ein ausreichendes Behandlungsmanagement.

Auch die Tatsache, dass die Ärzteschaft auf dem Lande zurückgeht, wirkt sich negativ auf die allergologische Versorgung der Patienten aus. Viele Ärzte schließen ihre Praxen aus Altersgründen, ohne dass ein Nachfolger ihre Praxis übernimmt. Deshalb ist der nächste Arzt mit der Zusatzbezeichnung „Allergologie“ mittlerweile bei vielen Patienten einfach zu weit vom eigenen Wohnort entfernt. All diese Faktoren führen dazu, dass neue Entwicklungen in Diagnostik und Therapie den Patienten nicht mehr in dem Maße erreichen, wie dies noch vor 10 Jahren der Fall war.

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