Allergie Intoleranz Patiententag

Auditorium Allergie Patiententag 2014 in WIesbaden

Allergie-Patiententag Wiesbaden – über 150 Interessierte informierten sich!

Prof RoseProbiotika, Präbiotika und Co.: Neue Konzepte in der Allergietherapie

Das Mikrobiom des Darmes, das sind die im Darm natürlicherweise vorhandenen Bakterien, hat einen entscheidenden Einfluss auf die Darmgesundheit. Verschiedene Faktoren, wie z.B. heutige Ernährungsgewohnheiten und auch die häufige Konfrontation mit Antibiotika, z.B. über Fleisch aus Massentierhaltung, können die Vielfalt der Darmbakterien jedoch beeinträchtigen. So gibt es z.B. Hinweise auf Zusammenhänge zwischen der Bakterienvielfalt und -zusammensetzung im Darm und der Entwicklung von Allergien und Intoleranzen.

Probiotika können hier helfen“ erläuterte Prof. Markus Rose, Sana Klinikum Offenbach, „Probiotika sind milchsäurebildende, ‚gute‘ Bakterien, die die Mikroflora des Darmes unterstützen und stabilisieren und das Immunsystem aktivieren und modulieren.“ Bei Präbiotika handelt es sich hingegen um eine Art „Futter“ für die milchsäurebildenden Bakterien. Durch Probiotika kommmt es im Darm zu einer Besiedelung mit physiologischen Keimen, die potenziell schädliche Keime verdräng- en können. Dies kommt der Barrierefunktion des Darmes zugute und fördert die Selbstheilungskräfte. So haben Studien an Patienten mit chronischen Bauchschmerzen und Reizdarmsyndrom gezeigt, dass Probiotika diese Beschwerden positiv beeinflussen können. 

Auch für Neurodermitis, Heuschnupfen, chronischen Nebenhöhlenentzündungen und Nahrungsmittelunverträglichkeiten konnte man eine Verbesserung der Symptome zeigen, entscheidend ist allerdings die richtige Wahl des jeweiligen Bakterienstammes und, hier sind weitere Untersuchungen nötig.

Generell profitiert das Immunsystem von einem regelrechten Training, durch immer wieder wiederkehrende Konfrontation mit Bakterien und Viren. „Wenn Kinder 12 Mal im Jahr eine Infektion haben, ist das gut“ so Prof. Rose, „häufige Infektionen im Kindesalter sind die Voraussetzung für ein gesundes, glückliches Leben und zu wenig Gelegenheit, sich mit Bakterien auseinanderzusetzen, kann zu einer Schwächung des Immunsystems führen.“  

 

Dr GerstemeierWenn der Darm trotzt - Allergien, Intoleranzen, Reizdarm - was kann Ernährungstherapie leisten?

Wenn der Darm „trotzt“ kann dies viele Gründe haben. „Oft heißt es ‚darauf bin ich allergisch‘, aber zwischen einer Allergie und einer Intoleranz gibt es wesentliche Unterschiede“ führte Dr. Astrid Gerstemeier, Praxis für bewegte Ernährung, Wiesbaden zu Beginn ihres Vortrages aus.

Liegt eine Allergie vor, ist das Immunsystem beteiligt, was bei einer Intoleranz nicht der Fall ist und während bei einer Allergie kleinste Allergenmengen ausreichen, um allergische Reaktionen auszulösen, sind die Beschwerden bei den Intoleranzen mengenabhängig.

Schließlich unterscheiden sich auch die Auslöser. Bei einer Nahrungsmittelallergie sind die Proteinbestandteile des Nahrungsmittels der auslösende Faktor, praktisch alle Nahrungsmittel kommen hier in Frage. Bei den Intoleranzen sind es Stoffe wie z.B. Histamin, biogene Amine, Pseudoallergene, Laktose oder Fruktose, die die Unverträglichkeitsreaktionen auslösen. Typische Intoleranzen sind Laktoseintoleranz,Fruktosemalabsorption, Histaminintoleranz, Pseudoallergien und Zöliakie.

Abzugrenzen von Allergien und Intoleranzen ist das Reizdarm-Syndrom, das über eine Ausschlussdiagnose ermittelt wird. Während sowohl für Nahrungsmittelallergien als auch für die meisten Intoleranzen Diagnosemöglichkeiten vorhanden sind, ist dies beim Reizdarm-Syndrom nicht der Fall. Die Definition lautet deshalb: 1.Chronische länger als 3. Monate anhaltende Beschwerden (Bauchschmerzen, Blähungen) in der Regel mit Stuhlveränderungen einhergehend, 2. Lebensqualität des Betroffenen relevant beeinträchtigt, 3. Keine anderen Krankheitsbilder liegen vor, die für die Symptome verantwortlich sind.

„Leider erhalten noch immer viele Patienten die Diagnose „Reizdarm“, ohne dass andere Erkrankungen ausgeschlossen wurden“ stellt Dr. Gerstemeier fest, „und glauben, mit der Diagnose Reizdarm leben zu müssen, obwohl man hier über einen individuell und professionell erstellten Ernährungsplan viel erreichen kann!“ Dabei werden sowohl die individuelle Lebenssituation als auch persönliche Vorlieben und bei Bedarf auch psychoemotionale Aspekte berücksichtigt.

Dr HilkaAllergien und Berufswahl: Wo gibt es Risiken und für wen?

Bei den berufsbedingten Allergien spielen hochmolekulare und niedermolekulare Substanzen eine Rolle. „Bei den hochmolekularen Substanzen, stehen die Getreidemehlstäube als Allergieauslöser an erster Stelle, der größte Anteil der Berufsallergien betrifft Menschen, die mit Mehlstaub in Kontakt kommen“ so Referentin Dr. Maud-Bettina Hilka, HNO-Gemeinschaftspraxis Wiesbaden. Aber auch Enzyme, Hölzer, Labor- und Nutztiere, Schimmelpilze, Milben und Naturlatex gehören zu den hochmolekularen Substanzen und können berufsbedingte Allergien verursachen. Bei den niedermolekularen Substanzen gehören in den Industrieländern die Diisocyanate zu den Hauptursachen berufsbedingter obstruktiver Atemwegserkrankungen. Sie werden für die Herstellung von Lacken, Überzugsmaterialien, Schaum- und Klebstoffen verwendet.

Zu den beruflich relevanten Metallen, die in der Lage sind, Allergien vom Soforttyp an den Atemwegen zu induzieren, gehören Platin und Iridium. Platinsalze gehören zu den häufigsten niedermolekularen Auslösern von Berufsasthma. Von Berufsallergien betroffene Berufsbilder sind: Tierhändler, Bäcker, Landwirte, Vogelhalter, Laborpersonal, Gesundheitsberufe, in der Pharma-, Lebensmittel-, Pelz- und Schmuckindustrie bzw. in Druckereien tätige Menschen.  

Die Diagnose ist bei berufsbedingten Allergien sehr wichtig, denn für den weiteren Berufsweg der Patienten ist es entscheidend, ob tatsächlich eine berufsbedingte Allergie vorliegt und wenn ja, ob es möglich ist, das Allergen zu meiden oder Schutzmaßnahmen zu ergreifen, so dass eine weitere Berufsausübung gewährleistet ist. „Bestätigt sich eine berufsbedingte Allergie, ist der Arzt verpflichtet, dies der Berufsgenossenschaft zu melden“ so Dr. Hilka.

In Bezug auf die Schutzmaßnahmen hat sich im beruflichen Umfeld in den letzten Jahren viel getan. Der Arbeitgeber ist im Rahmen seiner Fürsorgepflicht angehalten, Schaden vom Arbeitnehmer abzuwenden. Der Arbeitnehmer ist aber genauso verpflichtet, negative Einflüsse von seinem Arbeitsplatz fernzuhalten und Risiken einer gesundheitlichen Gefährdung zu minimieren, indem er bekannte Grunderkrankungen wie z.B. Allergien in seiner Berufswahl mit einbezieht.

Weitere Allergie-Patiententage geplant

Die gute Resonanz auf den Allergie-Patiententag und die zahlreichen Fragen aus dem Publikum machten es deutlich. Beim Thema Allergien und Intoleranzen sind noch viele Fragen offen. „Wir werden den Allergie-Patiententag auf jeden Fall wiederholen, verriet Mitveranstalterin Sabine Jossé, MeinAllergiePortal, „wer den Termin nicht verpassen möchte, kann unseren Newsletter abonnieren, hier werden wir die Veranstaltung frühzeitig ankündigen!“

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