Allergie Intoleranz Patiententag

Auditorium Allergie Patiententag 2014 in WIesbaden

Allergie-Patiententag Wiesbaden – über 150 Interessierte informierten sich!

Prof SalogaNeurodermitis und allergisches Kontaktekzem: Was hilft?

Neurodermitis, auch Atopisches Ekzem genannt, und das allergische Kontaktekzem sind unterschiedliche Erkrankungen. Bei der Neurodermitis handelt es sich um eine chronisch entzündliche Hauterkrankung, bei der auch die genetische Disposition eine Rolle spielt und die sich meist im Kindesalter manifestiert. „Kennzeichnend für die Neurodermitis sind eine gestörte Hautbarriere und ein die Haut schädigendes Entzündungsgeschehen in der Haut“ erklärte Prof. Joachim Saloga, Hautklinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz. Sogenannte Triggerfaktoren bei der Neurodermitis können psychosomatische Faktoren wie Stress, aber auch das Klima, z.B. UV-Licht, Allergene, physikalische Reizung wie Kratzen oder Reiben, Irritantien, wie z.B. Seife, Infekte oder eine bakterielle Besiedlung der neurodermitischen Haut sein.

Im Gegensatz zur Neurodermitis entsteht das Kontaktekzem entweder irritativ (toxisch) als Folge einer Überlastung der Haut oder allergisch, als Reaktion auf eine Allergenexposition, der eine Sensibilisierung auf das Allergen vorausgegangen sein muss. Schädliche Hautreize können sein: Wasser, häufiges Händewaschen, Desinfektionsmittel, Luftabschluss in Handschuhen, Kühl-/Schmierstoffe, Öle, Fette, Lösungsmittel, Handwaschpasten mit Reinigungskörpern, Hitze und mechanische Belastung.

Ähnlich wie beim Asthma, teilt man die Neurodermitis in unterschiedliche Stufen bzw. Schweregrade ein, an denen sich die Therapie orientiert. Je nach Symptomausprägung, kann die Neurodermitis-Therapie sehr unterschiedlich sein. „An erste Stelle stehen die Meidung der Triggerfaktoren und eine gute Basispflege der Haut, dem wichtigsten Faktor bei der Neurodermitisbehandlung“ betonte Prof. Saloga. Weitere Therapieoptionen wären topische Cortisonprodukte, d.h. Cremes und Salben mit Cortison, die Anwendung topischer Calcineurininhibitoren oder eine systemische immunmodulierende Therapie mit dem Wirkstoff Cyclosporin A. Auch mit der Lichttherapie erzielt man gute Erfolge und in Einzelfällen ist eine Hyposensibilisierung zu erwägen. Zu neuen, spezifischeren Therapien werden zurzeit vielversprechende Studien durchgeführt. Zur Behandlung von Kontaktekzemen stehen topische Cortison-Cremes, Harnstoff, UV-Licht und gegebenenfalls Immunmodulatoren zur Verfügung.

Prof KellerZöliakie, Weizenallergie oder Weizensensitivität? Unterschiede, Diagnostik und Therapie

Zwischen einer Zöliakie, der Weizenallergie und einer Weizensensitivität, entsprechend der neuen Zöliakie-Leitlinie nun „Nicht-Zöliakie - Nicht-Weizenallergie - Weizen-/Gluten-Sensitivität“ genannt, gibt es wesentliche Unterschiede.

Bei der Zöliakie kommt es aufgrund einer genetischen Prädisposition beim Verzehr glutenhaltiger Speisen zu immunologischen Reaktionen im Dünndarm, zu Entzündungsreaktionen, die den Darm schädigen. Durch die Schädigung des Darms (Zottenatrophie) kann es zu verschiedenen Folgeerscheinungen kommen, wie z.B.  wie z.B. Eisenmangel, Kalziummangel oder Vitamin D-Mangel. „Zwar ist die Zöliakie zurzeit nicht heilbar, aber durch eine strikt glutenfreie Ernährung kann eine Zottenatrophie gestoppt und Symptome sowie Folgeerscheinungen verhindert werden“ betonte Referent Prof. Klaus-Michael Keller, DKD Helios Klinik Wiesbaden.

Im Gegensatz zur Zöliakie handelt es sich bei der Weizenallergie um eine echte Nahrungsmittelallergie, d.h. um eine immunologische Erkrankung, die sich durch Symptome an Haut und am Magen-Darm-System äußern kann, beim Bäckerasthma auch über die Atemwege. Am häufigsten sind Säuglinge von Nahrungsmittelallergien betroffen und oft verliert sich die Allergie im Laufe der Zeit auch wieder. Bei Erwachsenen zeigen sich Nahrungsmittelallergien oft als Kreuzreaktionen auf Nahrungsmittel bei bestehender Pollenallergie. Auch bei der Weizenallergie besteht die Therapie der „Meidung“ von Weizen und allen weizenhaltigen Lebensmitteln.

Die „Nicht-Zöliakie - Nicht-Weizenallergie - Weizen-/Gluten-Sensitivität“ ist ein relativ neues Krankheitsbild und noch nicht abschließend erforscht. Eine sichere Diagnostik gibt es für die Erkrankung nicht. Ähnlich wie bei der Zöliakie, können bei der „Nicht-Zöliakie - Nicht-Weizenallergie - Weizen-/Gluten-Sensitivität“ Symptome wie Bauchschmerzen, Blähungen, Unwohlsein und Durchfall auftreten. Auch extraintestinale Symptome wie Lethargie, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Migräne, ADHS sowie Muskel-, Knochen- und Gelenkbeschwerden sind möglich, zu einer Zottenatrophie im Dünndarm kommt es jedoch nicht.

Möglicherweise spielen bei der „Nicht-Zöliakie - Nicht-Weizenallergie - Weizen-/Gluten-Sensitivität“  sogenannte ATIs (Amylase-Trypsin-Inhibitoren) eine Rolle, die im Weizen vorhanden sind und das Immunsystem stimulieren. In diesem Zusammenhang werden auch die sogenannten FODMAPs (Fermentierbare Oligo-, Di- und Monosaccharide and Polyole) diskutiert. FODMAPs sind natürlicherweise in Nahrungsmitteln vorkommende Kohlenhydrate wie z.B. Fruktose, Sorbit, Xylit oder auch Laktose bzw. Polyole, die in Pilzen, Bohnen etc. vorkommen. Patienten mit einer „Nicht-Zöliakie - Nicht-Weizenallergie - Weizen-/Gluten-Sensitivität“ profitieren von einer glutenfreien oder  FODMAP-armen Ernährung, müssen aber keine so strikte Diät einhalten, wie Menschen mit Zöliakie.

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