Allergie Campuskita Osnabrück

Christiane Harig, der Leiterin der CampusKita des Studentenwerks Osnabrück

Allergien und -intoleranzen: Kein Problem für die CampusKita Osnabrück!

Wie gehen Sie mit den rechtlichen Fragestellungen um?

Ich hatte mich im Vorfeld von einem Juristen beraten lassen. Diese Beratung war entlastend und bestätigte, dass wir ohnehin schon alles bedacht hatten. Der allererste Schritt ist immer, dass Eltern uns ein ärztliches Attest über das Vorliegen einer Allergie vorlegen müssen. Ein Notfallplan muss erstellt werden und die MitarbeiterInnen müssen in einem solchen Fall vom behandelnden Kinderarzt in die Vergabe des Notfallmedikamentes eingewiesen werden, ein geeigneter Lagerungsort für das Medikament hat gefunden zu werden (schnell zugriffsbereit, kühl, und für die Kinder unerreichbar usw.), nicht zuletzt besuchte fast das komplette Team eine Anaphylaxie-Schulung, zusätzlich zu der Ersten Hilfe-Schulung, die wir regelmäßig alle zwei Jahre durchführen, und zu deren Inhalt immer die Behandlung des "anaphylaktischen Schock" gehört. 

Den Eltern des betroffenen Kindes zeigen wir wöchentlich im Voraus unseren Speiseplan, den die Eltern uns abzeichnen müssen. Ebenso ist es Elternpflicht, auf die Haltbarkeit des Notfallmedikamentes zu achten und gegebenenfalls ein neues zu beschaffen. Für Geburtstage und Feste gibt es für das betreffende Kind ein Alternativangebot an Süßigkeiten, die die Eltern freundlicherweise von sich aus mitbringen. Bei 25 Kindern in der Gruppe sind das 25 Geburtstagsfeiern im Jahr, plus die der MitarbeiterInnen, Abschiede und Begrüßungen neuer Kinder, die häufig etwas mitbringen, Ostern, Weihnachten, Laternen- oder Sommerfest usw., da kommt schon was zusammen. Bei jedem Termin müssen die Kolleginnen daran denken, es darf kein einziges Mal durchrutschen…Im turbulenten Kita-Alltag ist das eine echte Aufgabe. Bei Festen achten die Eltern selber auf ihre Kinder.

Sicher gibt es Kinder, bei denen die Allergien stärker ausgeprägt sind, was weiterreichende Konsequenzen für den Alltag bedeuten würde. In unserem Fall gab es von Anfang an eine vertrauensvolle Abstimmung mit den betroffenen Eltern, die zu jeder Zeit Verständnis auch für unsere Perspektive zeigten. Die Umstellung ging nur gemeinsam und mit gegenseitigem Vertrauen und Verständnis.

Das zeigt, dass diese Eltern selber mit der Situation schon gut zurecht kamen. Haben sich Eltern noch nicht ausreichend mit der Thematik beschäftigt, vielleicht weil sie noch gar nicht die Chance und Zeit dazu hatten, fühlen sie sich nicht selten selber noch unsicher und sind mit der neuen Situation in Sorge um das Wohl ihres Kindes überfordert. Aus der Überforderung wachsen dann leider häufig Forderungen an die Einrichtung. Das erschwert die Zusammenarbeit sehr. Natürlich ist man als Leitung vorsichtig, wenn neue Eltern gleich mit Forderungen an einen herantreten. An dieser Stelle können wir sehr dankbar dafür sein, dass in unserem Fall alle Beteiligten so kooperativ und einfühlsam füreinander waren. Leider ist das überhaupt nicht selbstverständlich.

Wie hat sich das allergenfreie bzw. nussfreie Kita-Konzept im Alltag bewährt und wie halten Sie die Standards aufrecht?  

Ja, man muss immer wieder nachsteuern. Ich vergleiche den Kindergartenbetrieb gerne mit einem Mobile. Eine Seite wird angestoßen, und überall wirkt sich die Bewegung aus.

Wir profitieren dabei von einem guten Managementsystem des Studentenwerkes Osnabrück. Die CampusKita ist ISO-zertifiziert. Wir haben viele Abläufe als Prozesse beschrieben, die für alle MitarbeiterInnen  verbindlich umzusetzen sind. Das verleiht Sicherheit.

Dazu gehört z. B. auch, dass es ein fester Ablauf ist, unserer Köchin eine Kopie der Allergieabfrage aus dem Betreuungsvertrag zu geben, wenn es hier einen Eintrag durch Eltern gab. Ebenso gehört das vorstrukturierte Aufnahmegespräch dazu, bei dem noch einmal genau nachgefragt wird, ob es sich um eine Allergie oder um eine Unverträglichkeit handelt, und welche Maßnahmen wir bedenken müssen, bzw. auch wo Eltern Mitwirkungspflichtig sind. Des Weiteren wird der Speiseplan zuverlässig von den Eltern im Voraus abgezeichnet und mit der Köchin besprochen.

Unsere MitarbeiterInnen in der Krippe hatten sich angewöhnt, jeden Mittag beim Abholen des Essenswagens die Köchin zu fragen, ob die Speisen wirklich alle ohne Ei zubereitet wurden.

In der Gestaltung des Dienstplanes muss permanent berücksichtigt werden, dass immer ein Mitarbeiter im Dienst ist, der für die Vergabe des Notfallmedikamentes autorisiert ist. Das alles kann nur bei straffer Organisation umgesetzt werden. Bei Mitarbeiterwechsel oder Praktikantenbetreuung müssen alle unmittelbar informiert werden.

Die Verantwortung für die Kinder ist sehr hoch. Ich bin sehr dankbar dafür, ein sehr umsichtiges und verantwortungsbewusstes Team an meiner Seite zu wissen. Trotzdem bleibt immer ein Fünkchen Angst vor menschlichem Versagen, das an allen Stellen passieren kann - mit allen Konsequenzen.

Frau Harig, herzlichen Dank für dieses Interview!

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