Allergie Campuskita Osnabrück

Christiane Harig, der Leiterin der CampusKita des Studentenwerks Osnabrück

Allergien und -intoleranzen: Kein Problem für die CampusKita Osnabrück!

Was ist beim Thema "nussfrei" das größte Problem für eine KiTa?

Die "unsicherste Stelle" bei der nussfreien KiTa sind sicher die nichtbetroffenen Familien. Wir können hausintern Abläufe festlegen. Ob sich alle Eltern täglich an die Absprache halten, entgeht letztendlich unserem Zugriff.

In unserer Kita gibt es z. B. ein gruppenübergreifendes, offenes Frühstückscafé. Dies wird bei uns von einer Kollegin betreut. Es gibt viele Einrichtungen, in denen die Kinder ganz selbstständig in solch ein Frühstückscafé gehen. Die Kinder sollen ja zur Selbständigkeit erzogen werden. Wer aber bekommt mit, ob ein Kind nicht doch einmal zum Frühstück etwas dabei hat, was bei einem Allergiekind fatale Folgen nach sich ziehen könnte…Und selbst wenn eine Kollegin dabei ist, kann sie nicht sofort sehen, welches Kind was mitgebracht hat. Es gibt - wenn auch sicher wenige - Nussallergiker, die reagieren schon darauf, wenn sie von einem Kind angehaucht wurden, das Nüsse zu sich genommen hat. Das ist schon ein Risiko, denn die Einrichtung muss gewährleisten, dass die Allergiekinder sicher betreut werden. Trotzdem ist das Vorliegen einer Allergie für uns kein Kriterium bei der Platzvergabe. Diese Informationen werden abgefragt, wenn klar ist, dass ein Kind bei uns aufgenommen wird.

Wie sind Sie bei der Umstellung der KiTa auf nussfrei vorgegangen und was war besonders schwierig?

Es versteht sich von selber, dass der Träger über solche Notfälle unmittelbar informiert wird. Alle Eltern erhielten einen Elternbrief. Gemeinsam mit der Geschäftsführung wurden unsere Möglichkeiten erwogen. Man darf nicht verschweigen, was es in der Praxis für eine Einrichtung bedeutet:

Die Köchin muss das Kleingedruckte auf jeder einzelnen Verpackung lesen und auf Inhaltstoffe überprüfen, das ist ein enormer  "Zeitfresser". Das Tückische besonders bei Erdnussallergien ist ja, dass Erdnuss in verschiedener Form unterschiedlichsten Produkten beigemischt wird, um diese Produkte zu "strecken", da Erdnüsse ein billiges Lebensmittel sind und über das Fett für guten Geschmack der Produkte sorgen. Zum Glück ist mittlerweile die Deklarierung der Lebensmittel besser geworden, was jedoch die Prüfung jeder Verpackung nicht ersetzt, sondern um so mehr voraussetzt.

Sehr viele Verpackungen tragen den Aufdruck "kann Spuren von Nüssen oder Hülsenfrüchten enthalten", selbst auf Nudeltüten findet man dies. Zum Glück verträgt das betroffene Kind diese Produkte. Es gibt jedoch Allergie-Kinder, die auch diese Produkte nicht vertragen, für diese Kinder bleiben wenig Speisen über …

Wie wäre dies mit allen Kindern umzusetzten, wenn man wie die CampusKita den Anspruch hat, "inklusiv" zu kochen?

Das Thema Inklusion finde ich sehr schwierig. Inklusiv bedeutet an anderer Stelle auch immer wieder etwas auszuschließen, darüber darf man sich nichts vormachen. Der Begriff weckt Illusionen und verführt auch zu einem Anspruch, der nicht einzulösen ist. Man kann sich lediglich annähern und ständig mit dem Anspruch auseinandersetzen, ihn anstreben und sich darum bemühen.

Selbstverständlich vertreten wir diesen Anspruch! In der Praxis bedeutet das bezogen auf das Essen z.B., dass die Speisepläne und Einkaufslisten anzupassen sind, die anderen Eltern durch einen Elternbrief informiert und nicht selten überzeugt werden müssen, dass sie ihrem Kind ab sofort keine Nuss- oder nusshaltigen Produkte mehr zum Frühstück mitgeben dürfen. Dazu  sind leider gar nicht immer alle Eltern bereit, jedoch haben wir in unserer Kita mit unseren Familien außerordentlich großes Glück. Es gab überhaupt keine Diskussionen, vielmehr waren Verständnis, Offenheit und Hilfsbereitschaft vorhanden. Allen Eltern war klar, dass es auch um ihr eigenes Kind hätte gehen können, denn niemand ist davor sicher, eine Allergie zu entwickeln.

Hierin sehe ich auch das ausschlaggebende Argument Kinder mit einer Allergie nicht auszuschließen. Ein Kind, das heute noch alles verträgt, kann Morgen hier in der Kita auf etwas mit anaphylaktischem Schock reagieren. Dann müssen wir genauso handeln. Für die Medikamentenvergabe lassen wir uns von den Eltern eine Haftungsausschlusserklärung unterschrieben, sonst kann sie in unserem Haus nicht erfolgen.

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