Allergologie Schloss Weesenstein

Prof. Thomas Zahnert, Direktor der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden

Allergien im Fokus: Allergologen treffen sich auf Schloss Weesenstein

Hyposensibilisierung – Spezifische Immuntherapie – wie steht’s mit der Therapietreue?

prof ralph moesges allergologie schloss weesensteinProf. Ralph Mösges, Institut für Medizinische Statistik, Informatik und Epidemiologie, Köln Die Therapietreue der Patienten ist ein großes Thema in der Medizin, denn nicht immer ist sie in ausreichendem Maße vorhanden. Untersuchungen haben z.B. gezeigt, dass von drei verschriebenen Steroid-Nasensprays zur Behandlung von allergischer Rhinitis nach einer Woche nur noch eines in Gebrauch ist.

Auch bei der Hyposensibilisierung ist die Therapietreue ein wichtiger Faktor, dies insbesondere deshalb, weil die Therapie über mehrere Jahre erfolgen muss und sich ihre Wirkung erst langsam aufbaut. Ihre volle Wirkung entfaltet die Immuntherapie, die einzige kausale Therapie bei Allergien, oft erst nach drei Jahren.

Prof. Ralph Mösges vom Institut für Medizinische Statistik, Informatik und Epidemiologie in Köln betont deshalb die Wichtigkeit der Patientenaufklärung im Vorfeld der Hyposensibilisierung insbesondere im Hinblick darauf, was man mit der Hyposensibilisierung erreichen kann und wie der Zeitaufwand einzuschätzen ist. Dass hier Erwartungen und Realität zum Teil noch stark auseinanderklaffen, zeigt eine Untersuchung, die er in Zusammenarbeit mit dem daab an 790 Patienten durchgeführt hat. 2/3 dieser Patienten erhielten eine Subkutane Spezifische Immuntherapie (SCIT) und wurden vor, während und nach der Hyposensibilisierung befragt. Vor der Behandlung mit der Spezifischen Immuntherapie erwarten die Patienten vor allem:

  1. Umfassende Informationen zu Immuntherapie
  2. Dass die Behandlung wenig Nebenwirkungen hat
  3. Eine dauerhafte Reduzierung ihrer Symptome
  4. Eine regelmäßige Erfolgskontrolle im Verlauf der Behandlung
  5. Deutlich reduzierter Medikamentenverbrauch
  6. Behandlungstermine sollen gut in die eigene Zeitplanung passen

Bei der Befragung der Patienten zu Beginn und während der Behandlung zeigten sich noch 2/3 der Patienten mit der Behandlung zufrieden. Nach Abschluss der Behandlung änderte sich dieses Bild drastisch – jetzt waren 2/3 der Patienten mit der Spritzen-Behandlung unzufrieden. Die Gründe:

1. Zu starke zeitliche Beanspruchung
2. Auftreten von Nebenwirkungen
3. Linderung der Beschwerden trat nicht im erwarteten Maße ein

Dies deutet, laut Prof. Mösges, auf eine nicht optimale Aufklärung der Patienten im Vorfeld der Behandlung hin. Schaut man sich nämlich an, wie die Patienten den Schweregrad ihrer Symptome vor und nach der spezifischen Immuntherapie einschätzen, zeigt sich ein anderes Bild. So ermittelte Prof. Mösges in einer Untersuchung an 1400 Patienten im ersten Jahr der SIT eine Verbessrung nasaler Symptome um knapp 50 Prozent und von über 50 Prozent der Augensymptome. Im zweiten Behandlungsjahr berichteten die Patienten sogar eine Symptomverbesserung von 70 Prozent – neuste Studien zur Sublingualen Immuntherapie (SLIT) zeigten sogar eine deutliche Symptomverbesserungen nach nur einer Behandlungswoche. Hinzu kommt, dass die Hälfte der Patienten im zweiten Behandlungsjahr nur noch ganz leichte Beschwerden hat und dass 50 Prozent der Patienten im ersten Jahr bereits auf Medikamente verzichten kann. Dabei steigt die Wahrscheinlichkeit, irgendwann ganz auf Medikamente verzichten zu können mit der Dauer der Therapie. Allerdings hält die Wirkung der Hyposensibilisierung nicht ewig. Ähnlich wie bei anderen Impfungen kann es nötige werden, die Therapie nach 5 bis 10 Jahren aufzufrischen.

Extrakte zur Hyposensibilisierung – der Allergengehalt ist entscheidend

pd joerg kleine tebbe allergologie schloss weesensteinPriv.-Doz. Jörg Kleine-Tebbe, Allergie- u. Asthma-Zentrum Westend, BerlinEs gibt viele verschiedene Präparate von unterschiedlichen Herstellern die zur Hyposensibilisierung bzw. spezifischen Immuntherapie (SIT) eingesetzt werden. Das Problem: jedes Präparat enthält unterschiedliche Allergenmengen, die aber nicht entsprechend ausgewiesen werden. Wie Priv.-Doz. Jörg Kleine-Tebbe, Allergie- u. Asthma-Zentrum Westend, Berlin berichtete, kann dies in bestimmten Fällen dazu führen, dass eine Immuntherapie nicht den gewünschten Erfolg bringt, weil die Allergendosierung des Extraktes den individuellen Patientenbedürfnissen nicht entspricht.

Es gibt daher Bestrebungen, auch auf Europäischer Ebene, eine Kennzeichnung des Allergengehaltes dieser Präparate verbindlich einzuführen. Für das Hauptallergen der Birkenpollen und eines der Hauptallergene des Lieschgrases sind heute schon Referenzsubstanzen für die Herstellerfirmen verfügbar. Sobald die Entscheidung zur Definition der Antikörper gefallen ist, können Assays erstellt werden, die den Firmen zur Produktion vergleichbarer Extrakten dienen. Auch eine Aufnahme in das Europäische Arzneibuch wäre dann möglich und somit würde die Angabe des Allergengehaltes für die Extrakthersteller verpflichtend.

Aluminium in den Allergenextrakten – bestehen Risiken?

In letzter Zeit gab es immer wieder Berichte zu möglichen Risiken durch Aluminium in Therapieallergenen. Es wurde befürchtet, dass durch die bei der Hyposensibilisierung verwendeten Allergenextrakte ein erhöhtes Risiko, Allergien zu entwickeln, bestünde.

Das Paul-Ehrlich-Institut, das über eine Abteilung für Allergologie verfügt, hat im Januar 2014 eine Risikoabwägung zu diesem Thema vorgenommen. Die Behörde steht auf dem Standpunkt, dass das Nutzen-Risiko-Verhältnis von aluminiumabsorbierten Allergenen insgesamt positiv ist. Nach derzeitigem Kenntnisstand liegen keine Gründe vor, die Praxis der Verwendung von zugelassenen Therapieallergenen, die mit Aluminium versetzt sind, zu ändern. Auch viele Impfstoffe sind mit Aluminium versetzt.

Initiativ wurde das Paul-Ehrlich-Institut vor einigen Jahren jedoch im Hinblick auf die Sicherheit und Qualität von Allergenextrakten für die wichtigsten Allergene. Die Behörde hat hierzu zwei Leitlinien auf den Weg gebracht, zum einen zur Qualität und Sicherheit der Präparate, die zur Immuntherapie eingesetzt werden und zum anderen zur Wirksamkeit der Therapie. Die Folge: Nach der neuen Therapieallergeneverordnung müssen die Extrakte für die wichtigsten Allergene nun zugelassen werden. Dafür müssen die Hersteller in Studien nachweisen, dass die Präparate sicher und wirksam sind und auch die jeweilige Dosierung angeben. Die zuvor genutzten Individualrezepturen und Mischungen sind seitdem für Standardallergene nicht mehr möglich, für seltene Allergene jedoch schon.

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden.