Allergologie Schloss Weesenstein

Prof. Thomas Zahnert, Direktor der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden

Allergien im Fokus: Allergologen treffen sich auf Schloss Weesenstein

Anaphylaxie – die Symptome können vielfältig sein

prof johannes ring allergologie schloss weesensteinProf. Johannes Ring, Direktor der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein, Technische Universität München Meist manifestieren sich die Symptome einer Anaphylaxie zuerst über die Haut, aber auch die Atemwege, das Magen-Darm-System und das kardiovaskuläre System können beteiligt sein. Zudem sind die Symptome bei der Anaphylaxie oft sehr unterschiedlich, können in verschiedenen "Kombinationen" auftreten und entsprechen auch manchmal nicht dem "Lehrbuch". Prof. Johannes Ring, Direktor der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein, Technische Universität München betont deshalb, wie wichtig es ist, den Patienten genau zuzuhören, wenn sie von ihren Symptomen berichten. Zu den ausgesprochen ungewöhnlichen Anaphylaxie-Symptomen, die ihm in der Praxis begegnet seien, gehörten z.B. "Weiße Mäuse sehen" und das "Gefühl, dass die Augen aus dem Kopf treten".

Anaphylaxie – ein "Schock" kommt manchmal nicht allein

Meist folgt ein anaphylaktischer Schock einem gewissen Verlaufsschema, nach dem sich die Symptome zunächst verstärken um dann wieder abzuflauen. Es gibt bei der Anaphylaxie jedoch auch sogenannte biphasische Verläufe, d.h. 6 bis 8 Stunden nachdem die erste Schockreaktion bereits abgeklungen ist, kann es zu einem erneuten Schockereignis kommen. Es gibt Studien, die dieses Phänomen bei bis zu 15 bis 20 Prozent der Patienten nachweisen. Deshalb ist bei allen Patienten, die allergische Reaktionen an mehr als einem Organsystem zeigen, eine stationäre Aufnahme angeraten.

Anaphylaxie – auch verzögerte Schockreaktionen sind möglich

Erst vor kurzem hat man entdeckt, dass eine allergische Reaktion auf Kohlenhydratketten, wie sie in rotem Fleisch vorkommen, möglich ist. Die Sensibilisierung besteht hier gegen das α-Gal. In diesen Fällen kommt es charakteristischerweise erst nach vier bis 5 Stunden zu Schockreaktionen. Die dahinterstehenden Mechanismen sind noch nicht bekannt.

Insektengiftallergie – eine mögliche Ursache für anaphylaktische Reaktionen

prof bernhard przybilla allergologie auf schloss weesensteinUniv.-Prof. Dr. Bernhard Przybilla, Allergiezentrum, Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Klinikum der Universität MünchenBienen und Wespen sind ein häufiger Grund für anaphylaktische Reaktionen bei Erwachsenen. Etwa 3 Prozent der Bevölkerung in Mitteleuropa reagieren allergisch auf Insektengifte und jährlich sterben ca. 200 Menschen an den Folgen eines Insektenstiches. Auch bei der Insektengiftallergie unterscheiden sich die möglichen Reaktionen stark. Von einer leichten Urtikaria bis zum anaphylaktischen Schock ist alles möglich.

Insektengiftallergie – wie hilft die Hyposensibilisierung?

Wie Univ.-Prof. Dr. Bernhard Przybilla, Allergiezentrum, Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Klinikum der Universität München betont, stellt die allergenspezifische Immuntherapie (ASIT) ein Instrument der Behandlung dar, das bei 80 Prozent der Bienengiftallergiker und bei 95 Prozent der Wespengiftallergiker zu einem Schutz vor anaphylaktischen Reaktion bei unvorhergesehenen Insektenstichen führt. Die ASIT ist insbesondere deshalb angeraten, weil es gerade bei Insektenstichallergien, je nach Schweregrad, zu sehr schwerwiegenden anaphylaktischen Reaktionen mit eventuellen schlimmen Folgeschäden kommen kann. Auch wenn der Beruf ein gewisses Expositionsrisiko mit sich bringt, z.B. bei Feuerwehrleuten, Waldarbeitern, Verkäufern in Bäckereien und Obsthandlungen etc. ist eine allergenspezifische Immuntherapie sinnvoll.

Insektenstiche bei Mastozytose – das Anaphylaxierisiko steigt

Auch bei Patienten mit bestimmten Vorerkrankungen, wie z.B. der Mastozytose, besteht ein erhöhtes Risiko, auf Insektenstiche mit schweren anaphylaktischen Reaktionen zu reagieren. Bei Patienten mit Mastozytose liegt das Risiko für eine schwere anaphylaktische Reaktion unter Beteiligung des Herz-Kreislauf-Systems bei 80 Prozent. Dem gegenüber steht ein Risiko von 20 Prozent bei Patienten, bei denen diese Vorerkrankung nicht besteht. Eine gewisse Assoziation der Erkrankungen scheint zu bestehen, bei 5 Prozent der eigenen Patienten mit Insektengiftallergie konnte Prof. Przybilla eine Mastozytose feststellen.

Für die erfolgreiche Durchführung der allergen spezifischen Immuntherapie (ASIT) zur Behandlung der Insektengiftallergie ist die exakte Bestimmung des auslösenden Allergens eine wichtige Voraussetzung. Auch andere potenzielle, wenn auch seltenere, Allergenquellen wie Hummeln, Hornissen und bestimmte Wespenunterarten sollten dabei nicht vergessen werden.

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden.